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Wie Neonazis in Dortmund versuchen, Gegner einzuschüchtern

27.01.2015 | 10:11 Uhr
Wie Neonazis in Dortmund versuchen, Gegner einzuschüchtern
Hakenkreuze an einer Fassade.Foto: Robert Rutkowski

Dortmund.  Der Dortmunder Robert Rutkowski wird von Neonazis bedroht. Im Interview erzählt er, wie sein Umfeld auf Todesanzeigen und Hakenkreuze reagiert.

Robert Rutkowski sieht nicht aus wie jemand, der sich mit dem harten Kern der Dortmunder Neonazi-Szene anlegt. Der 52-Jährige passt nicht ins Bild des eher jugendlichen Antifa-Kämpfers, der sich mit den Rechten Scharmützel liefert. Und doch haben die Rechten Rutkowski auf dem Kieker. Weil er eine Meinung hat und diese lautstark vertitt. In seinem Blog, aber auch auf der Straße. Wenn irgendwo in Dortmund Rechtsradikale auf die Straße gehen, steht Rutkowski auf der anderen Seite und zeigt Gesicht gegen Nazis.

Rutkowski arbeitet für die zwei Dortmunder Piraten-Landtagsabgeordneten Birgit Rydlewski und Torsten Sommer . Über diese Arbeit wurde auch sein Engagement gegen Rechts geweckt. Doch nun ist Rutkowski in den Fokus von Dortmunds Neonazi-Szene geraten. Sie beleidigen ihn auf Twitter, schicken Todesanzeigen oder schmieren Hakenkreuze an Rutkowskis Haus. Mit einigen Leidensgenossen hat Rutkowski nun den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt.

Erst zur Polizei, dann an die Öffentlichkeit

"Es ist wichtig, dass die Öffentlichkeit von solchen Dingen erfährt", sagt Polizeisprecher Kim Freigang. Der erste Schritt solle jedoch immer zur Polizei führen. "Sonst erschwert das die Ermittlungen", erklärt Freigang. Das Problem sei, dass Rechtsextremisten häufig "knapp unterhalb der Strafbarkeit" agierten. Das zu beurteilen obliege am Ende jedoch der Staatsanwaltschaft. "Wir nehmen eine Anzeige nicht schulterzuckend hin, sondern nehmen die Ermittlungen auf", so Freigang.

Wer von Rechtsradikalen bedroht werde, solle entweder die 110 rufen. In Dortmund hat die Polizei eine Beratungs-Hotline zum Thema Rechtsextremismus geschaltet: 0231 132-7777. Inwieweit die Polizei im Falle einer Bedrohung durch Neonazis Schutz bieten kann, hängt laut Freigang vom konkreten Einzelfall ab. Daher sei es wichtig, Solidarität im Freundeskreis und in der Nachbarschaft zu schaffen. "Die Methoden der Rechten nähern sich historischen Vorbildern an ", sagt Freigang, ohne den Begriff "SA-Methoden" in den Mund zu nehmen. Umso wichtiger sei es, dass die Zivilgesellschaft Rechtsradikalen die Stirn biete. Freigang erinnert an den Fall einer Familie, die sich im Jahr 2009 angesichts immer heftiger werdender Neonazi-Attacken gezwungen sah, Dortmund-Dorstfeld zu verlassen - auch weil es kaum Solidarität im Ort gegeben habe.

Öffentlichkeit soll Schutz bieten

Robert Rutkowski hat den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. Im Interview erklärt er, was er sich davon erhofft und wie es sich anfühlt, von Neonazis bedroht zu werden.

Engagierte Dortmunder Nazi-Gegner bekamen via Twitter eine Todesanzeige.

Herr Rutkowski, Sie werden von Neonazis verfolgt und thematisieren das öffentlich. Welche Hoffnungen verknüpfen Sie damit?

Robert Rutkowski: Hoffnung ist vielleicht etwas zu viel. Ich bin von dieser Todesanzeige ja nicht alleine betroffen. Wenn einer von uns nicht mit dem Schritt an die Öffentlichkeit einverstanden gewesen wäre, dann hätten wir das auch nicht gemacht. Wir glauben aber, dass Öffentlichkeit auch eine gewisse Art von Schutz bietet.

Wie viele Leute sind außer Ihnen noch betroffen?

Rutkowski: Die Todesanzeige richtete sich an sechs Menschen. Von denen haben jetzt drei den Schritt an die Öffentlichkeit gewagt. Darüber hinaus sind ja unzählig viele Menschen in Dortmund gegen Nazis aktiv. Das freut mich ungemein. Wie viele davon aber konkret bedroht werden, weiß ich nicht, obwohl wir alle über das Bündnis BlockaDO sehr gut vernetzt sind.

Wie war das Feedback auf diesen Schritt?

Rutkowki: Überwiegend positiv und solidarisch. Es gab auch Stimmen, die gesagt haben, ich solle doch einfach aufhören, die Neonazis zu provozieren - dann stünde ich auch nicht in ihrem Fokus. Aber das wird nicht passieren, weil das ja genau das ist, was die bezwecken wollen.

Seit wann stehen Sie im Fokus?

Rutkowski: Ich habe in den Neunzigerjahren als Musiker an „Rock gegen Rechts“-Aktionen teilgenommen und sie zum Teil auch initiiert. Damals im Zuge der Geschehnisse in Solingen, Mölln oder Rostock-Lichtenhagen. Dann kursierte plötzlich eine Adressenliste, auf der auch ich stand. Eigentlich wollte ich nur Musik machen und für eine gute Sache da sein. Mit der Zeit wurde mir das zu viel und ich zog mich eher in den musikalischen Mainstream zurück. Vor einiger Zeit habe ich das dann aber wiederentdeckt. Parallel dazu habe ich die Piraten für mich entdeckt. Über viele persönliche Kontakte hat sich dann ergeben, dass die Arbeit gegen Nazis mein Hauptbetätigungsfeld wurde. Die erste Reaktion der Nazis habe ich dann im Juni 2014 bekommen. Damals hatte ich einen längeren Krankenhausaufenthalt und da gab es dann per Twitter eine Meldung, dass es schade wäre, dass ich nicht krepiert bin. Da habe ich zum ersten mal gemerkt, dass die wissen, wer ich bin.

Wie ging es weiter?

Rutkowski: Die Intensität steigerte sich. Ich bekam Anmeldungen zu Newslettern. Die haben ja meine Mail-Adresse, weil ich auch in meinem Blog sehr offen mit dem Thema umgehe und mich klar positioniere. Das mit den Newslettern ist so eine Sache, die die Nazis gerne machen. Nicht alle Newsletter-Anbieter verlangen eine Anmeldebestätigung, und so bekommt man dann halt eindeutig rechte Newsletter. Ich habe auch Post von Küchenherstellern oder Autohäusern bekommen. Das läuft so nach dem Motto: „Hauptsache, der erinnert sich daran, dass wir ihn auf dem Kieker haben.“ In lichten Momenten haben sie sogar Humor. Nach einem Naziaufmarsch in Bad Nenndorf, wo ich an der Gegendemo teilgenommen hatte, bekam ich kurz darauf einen Prospekt für Kuraufenthalte in Bad Nenndorf. Da musste ich sogar mal schmunzeln.

Später gingen dann die Anrufe los. Unternehmen meldeten sich bei mir, weil ich doch um ein Angebot gebeten hätte. Von einem Unternehmen bekam ich schon Zahlungsaufforderungen. Das lässt sich dann aber alles telefonisch klären.

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2015-01-27 10:11
Dortmund