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Juicy Beats

Wie Ferris MC von Deichkind versucht sein Rüpel-Image loszuwerden

24.07.2012 | 13:32 Uhr
Unter dem Pseudonym Ferris Hilton ist Sascha Reimann - besser bekannt als Ferris MC - festes Mitglied der anarchischen Elektro-Popband Deichkind. Foto: Markus Hibbeler/dapd

Dortmund.   Jahrelang galt Ferris MC als Rüpel-Rapper Nummer eins. Vor seinem Auftritt beim Juicy Beats-Festival in Dortmund zeigt sich das Mitglied der Popband Deichkind gereift und ungewohnt selbstkritisch. Ein Gespräch über musikalisches Schubladendenken, chaotische Bühnenshows und der Suche nach sich selbst.

Jahrelang galt Ferris MC als Rüpel-Rapper Nummer eins in Deutschland, doch dies ist Geschichte. Als Mitglied der Pop-Anarchos Deichkind hat er sich fest etabliert und feiert auch als DJ elektronischer Beats Erfolge. Am Samstag stellt er dies auf dem Juicy Beats-Festival in Dortmund unter Beweis. Von 0:00 Uhr bis 2:00 Uhr legt er auf dem Electro Floor der FH Dortmund auf.

Im Interview mit der WAZ-Mediengruppe spricht Ferris Hilton - oder auch Electro Ferris wie sich der ehemalige Skandal-Rapper als DJ nennt - über seinen Imagewandel, legendäre Bühnenshows mit Deichkind und eventuelle Solopläne.

Ferris, vor einigen Jahren warst du mit Deichkind bereits beim Juicy Beats-Festival in Dortmund. Jetzt legst du solo als DJ auf. Ist das Festival für dich etwas besonderes?

Ferris: Ja, auf jeden Fall. Es ist eine Ehre, dass ich solo noch mal eingeladen wurde und ich hoffe, dass ich den Dortmundern richtig einheizen kann.

Macht die Festival-Saison eigentlich Spaß - trotz des miesen Sommers?

Ferris: Das ist lustig, immer wenn wir auftreten, ist gutes Wetter. Den ganzen Tag über regnet es, aber kaum geht es an die Vorbereitung für unseren Auftritt, kommt die Sonne raus.

Line-up Juicy Beats 2012

Euer Auftritt mit Deichkind bei Juicy Beats, bei dem ihr damals mit einem Schlauchboot über die Menge gesurft seid, ist heute noch Gesprächsthema in Dortmund. Bei eurer aktuellen Bühnenshow rollt ihr ein überdimensionales Bierfass auf die Bühne. Wie kommt ihr eigentlich auf solche Ideen?

Ferris: Das liegt daran, dass wir einfach viele Leute in der Band sind und viele Leute haben auch viele verrückte Ideen. Manche Ideen sind so verrückt, dass wir sie noch gar nicht realisieren konnten. Wir haben noch einiges in der Pipeline, das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht.

Vor deiner Zeit bei Deichkind warst du ja als Solo-Künstler unterwegs, jetzt bist du Mitglied in einer Band. Fällt es dir schwer, dich als Alphatier nun in einer Gruppe ab und zu unterordnen zu müssen?

Ferris: Zum Glück gar nicht. Wir sind ja in den vier Jahren auch zusammengewachsen, jeder weiß, was man an dem anderen hat. Dementsprechend gehen wir auch sehr respektvoll miteinander um. Jeder hat innerhalb der Band auch seine Rolle und sein festes Metier. So richtig unterordnen muss man sich da eigentlich gar nicht. Das ist eher ein Zusammenspiel aller. Natürlich gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber im Großen und Ganzen gehen wir sehr human miteinander um.

Ist dir der Wechsel von Hip-Hop zu Elektro-Musik eigentlich schwer gefallen?

Ferris: Nein, gar nicht. Ich bin ja musikalisch auch genreübergreifend aufgewachsen. Ich bin in meiner Pubertät mal Punkrocker gewesen, hab die Ramones gehört oder Slime und Toxoplasma oder auch richtig hartes Zeug wie Pantera. Gleichzeitig habe ich aber auch Hip-Hop gehört, zum Beispiel die Beastie Boys, De La Soul und Run DMC. Also ich war schon immer zwischen den Welten unterwegs. Heutzutage verschwimmen die Genres immer mehr. Sieht man ja auch beim Film, da ist ja ein Actionfilm auch nicht mehr nur ein reiner Actionfilm. Andere Elemente wie Drama oder Liebesgeschichten werden beigemischt, das ist einfach modern. Die Leute heutzutage sind auch sehr offen, das ist mittlerweile einfach der Standard.

„Ich war sehr blauäugig im Umgang mit den Medien“

Schubladendenken ist out.

Ferris: Genau. Das war sowieso nie mein Ding. Leider wurde ich damals zu meiner Hip-Hop-Zeit immer in so eine Schublade gedrängt, nämlich in diese Drogen - und Asi-Nische und als Ferris MC konnte ich mich leider nie so richtig davon befreien, also musste ich damals einen Schlussstrich ziehen und mich anderen Dingen widmen.

Hast du dich damals von uns - den Medien - falsch dargestellt gefühlt oder hast du dieses Image durch dein Verhalten auch befeuert?

Ferris: Klar, ich hab dazu beigetragen. Ich war damals auch sehr blauäugig im Umgang mit den Medien und habe auch selbst viele Fehler gemacht. Durch so manche Aktion habe ich sozusagen Benzin in den Kamin geschüttet, anders kann man das gar nicht sagen. Wenn ich so manches alte Interview lese, kann ich schon verstehen, warum ich für die Öffentlichkeit damals ein komisches Bild abgegeben habe. Jetzt musste ich über die Jahre hinweg das Bild korrigieren und auch erweitern durch professionelles Verhalten. Mittlerweile trenne ich Business, Show und Privatleben. Früher gab es da keine Trennung. Das war auch ungesund für mich.

Siehst du dich jetzt auf einem guten Weg, bist du zufriedener als damals?

Ferris:Auf einem guten Weg ist das richtige Wort. Ich bin noch lange nicht da angekommen, wo ich gerne wäre. Aber ich hab mich auf jeden Fall weiterentwickelt und manche checken das, aber mein Ruf hängt mir immer noch nach. Ich erlebe es echt noch ab und zu, dass mich 18-jährige Kids zu Joints oder Afterhour-Parties einladen wollen, weil die mich - ich bin 38 - immer noch als Jugendlichen sehen.

Als Entertainer und Musiker ist man ja auch immer so etwas wie ein Berufsjugendlicher.

Ferris: Klar, es hält jung, aber das heißt ja nicht, dass man sich nicht auch weiter entwickelt. Ich bin ja mittlerweile auch ein verheirateter Mann, der seine Ehepflichten zu erfüllen hat.

Apropos Entwicklung: Wird es eigentlich mal wieder etwas vom Hip-Hopper Ferris MC als Solokünstler geben?

Ferris: Ich würde niemals nie sagen. Ich bin gerade dabei mir klar zu werden, wo ich als Person und als Künstler stehe und wer ich sein möchte. Ich würde aber definitiv nicht da ansetzen, wo ich aufgehört habe. Wenn dann würde ich wahrscheinlich auch eine ganz andere Richtung einschlagen und alle Musikrichtungen, mit denen ich jetzt zu tun habe miteinander vereinen. Vielleicht heißt mein Album dann ja tatsächlich „Zwischen den Welten“.

Hast du eigentlich Vorbilder beim Auflegen als DJ?

Ferris: Vorbilder eigentlich nicht. Klar, ich lasse mich inspirieren, aber jemanden Vorbild zu nennen, wäre übertrieben. Ich habe da eher den Anspruch so zu sein, wie ich bin.

Timo Baudzus


Kommentare
24.07.2012
21:30
Yeah,bis gerade...
von mspoetnik | #1

...eben fand ich die noch gut.
Jetzt reihen wir uns ein. Mainstream,halt.Yappa.

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