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PCB-Vergiftung

Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen

28.05.2012 | 06:00 Uhr
Jahrelang soll die Dortmunder Entsorgungsfirma Envio PCB-verseuchtes Material als gereinigt deklariert und verbreitet haben.Foto: Dirk Bauer

Dortmund.   Im PCB-Skandal kämpfen nun 47 Menschen darum, dass ihre Gesundheitsschäden als Berufskrankheit anerkannt werden. Es geht um Einzelfallentscheidungen, denn nicht die PCB-Vergiftung als solche kann als Berufskrankheit anerkannt werden, nur daraus resultierende Beeinträchtigungen.

47 Menschen ringen darum , dass die gesundheitlichen Schäden, die sie nach der Arbeit bei Envio nun ertragen müssen, als Berufskrankheit anerkannt werden. Christian Sprotte, Pressesprecher der Berufsgenossenschaft „Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ geht davon aus, dass Ende Mai, Anfang Juni die ersten Entscheidungen getroffen werden.

Video
Wie stark ist die PCB-Belastung der Fische nach dem Envio-Skandal? Tests sollen es zeigen.

Einzelfallentscheidungen – denn nicht die PCB-Vergiftung als solche könne als Berufskrankheit anerkannt werden. „Aber daraus kann eine Krankheit entstehen, die eine Berufskrankheit ist“, sagt Sprotte. Er geht zudem davon aus, dass „durchaus einige dabei sein werden“, bei denen eine Berufskrankheit attestiert wird.

„Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse“ hat die Envio-Mitarbeiter bislang federführend für alle anderen Berufsgenossenschaften betreut. Diese haben die Aufgabe, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten zu verhüten. Beschäftigte, die einen Arbeitsunfall erlitten haben oder an einer Berufskrankheit leiden, werden durch die Berufsgenossenschaften medizinisch, beruflich und sozial rehabilitiert.

Die Giftfirma
Der PCB-Skandal bei Envio

Der Giftskandal um die Dortmunder Entsorgungsfirma Envio ist die bundesweit größte PCB-Katastrophe der letzten Jahrzehnten. Hier gibt's Informationen, Dokumente, Hintergründe, Videos und Fotos zum PCB-Skandal im Dortmunder Hafen auf einen Blick!

16 Wohnungen gereinigt

Die Envio-Mitarbeiter, bei denen eine erhöhte PCB-Belastung nachgewiesen wurde, sind in einem Betreuungsprogramm, das lebenslang angelegt sei, so Sprotte. Einmal jährlich werden sie weiterhin untersucht.

Zudem habe die Berufsgenossenschaft in 18 Wohnungen PCB-Messungen durchgeführt, 16 seien gereinigt worden. Für die Messungen und Reinigungen seien im Schnitt 3039 Euro, für den Ersatz für Bekleidung, Teppiche sowie Möbel, etc. seien durchschnittlich 4052 Euro ausgegeben worden.

Envio-Skandal vor Gericht

Christina Römer


Kommentare
30.05.2012
03:08
@GregHouse | #12
von vaikl2 | #13

Ihre "einfachen Bürger" (also die Standard-Entschuldigung für "eigentlich weiß ich zum Thema nix Richtiges zu sagen") wären nicht in der Lage, eine Envio GmbH und eine Envio AG aus einer maroden Firmenmasse zu gründen, den Fiskus und die Umweltauflagen zu bescheißen und dann noch mit Lügen an der Börse Anleger zu täuschen. Man sollte schon einige Jahre Management-Erfahrung in einem ehemals von der NRW-SPD verhätschelten Schweizer Konzern wie ABB mitbringen, um die Mechanismen zur Verar...e richtig zu erlernen.

Was die unkritische Industriefreundlichkeit aus 60 Jahren SPD-Dominanz in NRW mit "Demokratie" zu tun haben soll, dürfen Sie sich dann selbst beantworten.

1 Antwort
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von GregHouse | #13-1

Danke für die Belehrung, schlauer Mann :-)

29.05.2012
08:55
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von GregHouse | #12

Es ist unglaublich, wie sich Unternehmen und Behörden aus der Verantwortung stehlen, da sie am längeren Hebel sitzen. Da werden teure Anwälte und Gutachten wahrscheinlich belegen, daß die kranken Mitarbeiter noch Entschädigung zahlen müssen. Und wieder ein klarer Fall von "Demokratie". Einfache Bürger hätten schon längst eine dicke Geldbuße am Hals.

29.05.2012
05:55
xxyz | #9-1 hört sich eher wie jemand an
von meigustu | #11

an der Stimmung gegen die Opfer machen will.

Es ist widerlich wie die Verantwortlichen die Betroffenen auch noch öffentlich verhöhnen.

#9-2 ja bitte welche Zwischentöne gibt es denn wenn dir gesagt wird, entweder schleppst du ein 80 Kiloteil oder du fliegst samt passender Meldung an die ARGE ? Deine Maske völlig untauglich zum lackieren ist und du im halbdunklen durch die Kabine tapern sollst. Ich lerne gerne.

Aber das scheint natürlich noch Gold gegen Envio wo du noch nicht einmal weisst mit was du es zu tun hast.

1 Antwort
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von HansiwurstI | #11-1

wer bei solchen lächerlichen Drohungen gleich klein bei gibt, hat es nicht anders verdient. Dann fliegt man eben raus - und? Aber der starke Mann möchte beweisen, daß er seine Arbeit kann... selber Schuld.

28.05.2012
22:51
@xxyz | #9-1
von vaikl2 | #10

Ihr Unwissen in einem solch großen Skandal direkt vor der eigenen Haustür ist schon sehr befremdlich.

Die einzige Möglichkeit für die größtenteils fachfremden und auch für andere Arbeiten eingesetzten Fremdarbeiter, Ihren sog. "Selbstschutz" auszuüben, wäre eine Verweigerung der Entsendung zu Envio gewesen.

Wissen Sie eigentlich, welche Mengen und Varianten von PCB in Ihrem Wohnumfeld noch zu entsorgen wären? Sie sollten sich glücklich schätzen, dass Sie es *nicht* wissen.

2 Antworten
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von xxyz | #10-1

Welche Alternative zu einer Verweigerung, eine Arbeit anzunehmen, gibt es denn, wenn ich mein Gesundheitsrisiko für zu hoch einschätze und dies objektiv der Fall ist?

Es kann doch nicht sein, dass der Wettbewerb in Deutschland durch einen Wettbewerb im Unterbieten von Arbeitsschutzregeln bestimmt wird. Dass hierbei sicherlich in manchen Bereichen übertrieben wird (z.B. Prüfung von Elektrogeräten, Kontrolle von Haushaltsleitern), ist eine andere Seite der Medaille. In den USA finde ich bspw. den Augenschutz durch Schutzbrillen für "normale" Arbeiten übertrieben.

Zum PCB-Fall in Dortmund:
Die WDR-Fernsehreportage hat doch klar gezeigt, dass man sich nicht auf Behörden und den Arbeitgeber verlassen sollte.
Dass es bisher insbesondere in den Behörden keine Konsequenzen gab, ist der Skandal. Auf das Ergebnis der Gerichtsverhandlungen warten wir ja.



@ xxyz
von vaikl2 | #10-2

Die zig-tausenden Kommentare zum Envio-Skandal haben gezeigt, dass kaum Jemand in der Bevölkerung in der Lage ist, das PCB-Gesundheitsrisiko richtig einzuschätzen, u.A. weil das Zeug zwar seit 30 Jahren verboten, aber trotzdem noch überall zu finden ist - was auch nur Wenigen bewusst war. Wie soll ein einfacher Arbeiter dann bitte solch eine Entscheidung über sein Einkommen fällen, wenn selbst die Berufsgenossenschaften keine Regeln (sog. "Grundsätze") speziell für die Arbeit in einem PCB-Trafo-Recyclingbetrieb haben?

Wenn Sie die wirklich nötigen Kenntnisse zur Beurteilung der Gefährlichkeit dieser Stoffe besitzen, benötigen Sie solche Jobs nicht, um Ihre Familie abzusichern. Und Niemand hat die WDR-Beiträge *vor* Arbeitsantritt bei Envio sehen können.

Ihren "Wettbewerb" führen nicht die Arbeitnehmer, sondern Diejenigen, die für die Information ihrer Mitarbeiter, den Arbeitsschutz und die PSA verantwortlich sind, weil das gerade im Entsorgungsbereich die Basis des Wettbewerbs ist.

28.05.2012
19:52
#7 in welchem kindlichen Lesebuch sind denn Sie zu Hause
von meigustu | #9

wer den Arbeitern die Verantwortung zuschiebt will nur die wirklich Verantwortlichen schützen.

Nehmen wir mal eine Lackiererei irgendwo an der schönen Ruhr. Der Ex-H4ler der am ersten Arbeitstag anmerkt, dass 80 Kilo schwere Teile nur mit Hilfsmitteln bewegt werden dürfen, das er in der Kabine einen Mundschutz benötigt und das dort auch mehr als eine Lampe leuchten sollte, hat keine 2 Stunden später ein Personalgespräch: Klappe halten und arbeiten oder Rauswurf mit einem passenden Vermerk den die ARGE nur mit eine Sperre beantworten kann.

Nein so kommen wir nicht weiter. Aus gutem Grund wurde jede Verantwortung für die Einhaltung aller Vorschriften auf die Leitungsebene verschoben. Eben um solche Dinge auszuschließen. War in besseren Zeiten auch selbstverständlich. Da gab es eine Abmahnung wenn sie ohne Hilfsmittel ein zu schweres Teil bewegten.

Was bei der momentanen Skrupellosigkeit fehlt ist eine mobile Einsatztruppe, die nach einer anonymen Meldung sofort vor Ort ist.

2 Antworten
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von xxyz | #9-1

Es geht nicht um Verantwortung, sondern um Selbstschutz!

Natürlich sind Arbeitgeber und Behörden verantwortlich, aber kann ich mich darauf verlassen, dass beide Gruppen mich schützen?
Natürlich ist der Staat auch für Sicherheit verantwortlich. Die Kriminalitätsstatistik zeigt, dass sich der Bürger nicht darauf verlassen kann.

Man muss sich selber kümmern. Das ist traurig, aber leider ist es so. Dass es die schwächsten trifft ist auch meistens leider so.

Wie sieht es eigentlich mit der Verantwortung von Leihfirmen aus? Auch hier sollten sich die Arbeitnehmer doch darauf verlassen können, dass sich die Firmen und die Geschäftspartner kümmern.

Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von Eduard79 | #9-2

Zwischen der Aufstellung einer Mängel- und Beschwerdenliste am ersten Arbeitstag und der völligen Abwesenheit von Eigenverantwortung gibt es auch noch Zwischentöne!

28.05.2012
19:44
@xxyz | #7
von vaikl2 | #8

Erklären Sie "Sicherheitsexperte" uns völlig Unbedarften doch bitte mal, wie ein Leiharbeiter, der noch nie in einem Altöl-Recycling-Betrieb gearbeitet hat, ohne Kennzeichnung am Alttrafo-Schauglas eins von über 200 PCB-Kongeneren und die damit konkret verbundene Gesundheitsgefährdung erkennen und daraus ohne Referenzwerte sowohl Kontaktmengen als auch Luft-MAK-Werte ableiten soll.

Selbst der kriminelle Chef hatte noch vor der Offendeckung des Skandals zugegeben, dass eine genaue Stoffbestimmung bei Trafo-Einlieferung *nicht* stattfand und dass dies auch nirgends gesetzlich geregelt ist.

1 Antwort
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von xxyz | #8-1

In einer innovativen Gesellschaft gibt es viele Bereiche, die nicht durch konkrete Gesetze geregelt sind.
Wenn ich hochgiftigen Schrott, wo sich selbst Chaos-Länder nicht an die Entsorgung heranwagen, nach Deutschland anschleppe, habe ich auch ohne Gesetze eine Verantwortung.

28.05.2012
18:20
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von xxyz | #7

@5: Arbeitsschutz mag Sache des Arbeitgebers sein. Es gibt aber Beispiele, die zeigen, dass Arbeitsschutz dem Arbeitgeber egal ist und dass die Behörden es irgendwie schaffen, auch die deutlichsten Hinweise zu ignorieren.

Im Endeffekt sollte man seinen Instinkten trauen und auch bspw. im Internet recherchieren, welche Stoffe in welchen Umgebungen zum Einsatz kommen. Es ist leider so, dass man den vielen Auszeichnungen etc nicht trauen kann.

Irgendwann fängt aber auch die Verantwortung der Arbeiter an. Wenn bspw. mit Chemikalien ohne Schutz gearbeitet wird, die deutlichste Hinweise auf Schutzkleidung haben, sollte auch der Arbeiter an sich denken (Beispiel aus einer aufstrebenden Industriemacht).

2 Antworten
ist doch mein Reden
von HansiwurstI | #7-1

man muss als Arbeiter sagen: "das mache ich nicht ohne Schutzkleidung". Fertig. Hinterher zu jammern, bringt überhaupt nichts.

Aber eben GENAU DIESE LEUTE halten nicht nur das Maul, sondern greifen auch noch Kollegen an, die sich um Sicherheit kümmern. Als "Unruhestifter". Und hinterher wollen se dann die Opfer sein.

@HansiwurstI | #7-1
von vaikl2 | #7-2

Dass man *Sie* wegen Ihrer übersteigerten Arroganz angreifen würde, glaube ich Ihnen aufs Wort. Wenn Sie trotz mehr als ausreichender Informationen immer noch nicht kapiert haben, was bei Envio vorging, hilft Ihnen auch keine PSA mehr.

28.05.2012
17:39
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von meuer4 | #6

Hier wurden gezielt die Leiharbeiter, also das schwächste Glied der Kette, benutzt!

28.05.2012
13:54
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von DrDr | #5

Lieber Hansiwursti,

Arbeitsschutz ist vor allem Aufgabe des Arbeitgebers. Insofern klingt ihr Kommentar nicht nur zynisch, sondern er ist es auch.

2 Antworten
...
von HansiwurstI | #5-1

...und wenn sich der Arbeitgeber nicht an die Vorschriften hält, muß man die Einhaltung als Arbeiter eben fordern - oder die Arbeit verweigern. Wo ist das bitteschön zynisch?

!!!
von vaikl2 | #5-2

Woher wollen Sie Schlaumeier wissen, ob sich ein Arbeitgeber an die Vorschriften hält, wenn wie bei Envio der PCB-Gehalt im Altöl für den Arbeiter an der PER-Anlage nicht erkennbar und chemische Laboruntersuchungen bei Einlieferung eben *keine* Vorschrift ist?

Ihre Kommentare bleiben wg. Unwissen weiter zynisch...

28.05.2012
11:26
Wie Envio-Mitarbeiter um Anerkennung kämpfen
von vaikl2 | #4

Lieber ETEM-Pressesprecher Sprotte, es mag für Ihre Bilanzen sinnvoll sein, wenn Ihre BG Ausgaben verweigert, deren Ursachen - vor allem der gewerbsmäßige Umgang mit derart großen PCB-Altölmengen wie bei Envio - nicht in Ihren Grundsätzen abgedeckt sind.

Allerdings sollten Sie sich zum Einen schon mal auf eine Prozesswelle nach den Urteilen in der Strafsache Neupert+Co. einstellen und zum Anderen nicht unterschlagen, dass auch die massiv festgestellte Kontamination mit PER zu einer neuen Bewertung der ETEM-Entscheidungen führen kann.

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