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Interview

Wie ein Hausbesitzer die Münsterstraße erlebt

26.03.2016 | 02:11 Uhr
Hauseigentümer Jörn Schulte, im Hintergrund die Münsterstraße: "In acht Monaten vier Mieter verloren."
Hauseigentümer Jörn Schulte, im Hintergrund die Münsterstraße: "In acht Monaten vier Mieter verloren."Foto: Peter Bandermann

Dortmund.  Hauseigentümer aus dem Münsterstraßen-Viertel beklagen Leerstände. Alteingesessene Einzelhändler berichten über Umsatzeinbußen. Wir sprachen mit dem Vermieter Jörn Schulte (54) über die Zustände in dem Quartier.

Ich habe in den vergangenen acht Monaten vier Mieter verloren. Sie fühlten sich hier nicht mehr wohl. Eine Mieterin hat mir geschrieben, dass sie abends nur noch mit Angst nach Hause kommt. Sie wohnt jetzt in der Kaiserstraße. Andere Vermieter berichten von ähnlichen Problemen. Langjährige und anständige Mieter, die für die Nordstadt wichtig sind, ziehen einfach weg. Die fehlen uns. Es ist nicht einfach, geeignete Nachmieter zu finden.

Die Nordstadt ist ein Karussell, in dem sich die Probleme weiterdrehen. Aber niemand löst sie.

Das wird drei oder vier Monate oder auch ein ganzes Jahr lang gut gehen - und dann?

Ich stimme dem Polizeipräsidenten teilweise zu, wenn er sagt, dass die Polizei die Probleme alleine nicht lösen kann. Aus meiner Sicht muss die Zusammenarbeit mit der Justiz besser werden.

Von der Polizei hören wir, dass sie einen Straftäter nach dem anderen fängt und dass die Justiz die dann wieder laufen lässt. Die Justiz sagt, dass ihr die fürs Durchgreifen passenden Gesetze fehlen und die Politik gefordert sei. Sprechen wir mit Politikern, sagen die uns, dass Strafverfolgung eine Sache der Polizei sei. Wir befinden und also wieder am Anfang der Diskussion.

Ich habe da noch niemanden gesehen.

Die Polizei nimmt einen uns Anwohnern längst bekannten Drogenhändler fest und ihm irgendwelche Päckchen ab. Nach einer Stunde steht er wieder an der Ecke und verkauft seine Drogen. Es passiert also nichts, was die Situation entlastet. Das Karussell dreht sich weiter.

Ich wohne seit 22 Jahren hier. Seit 15 Jahren ärgere ich mich über das Thema. Seit drei Jahren wird es immer schlimmer. Wir begeben uns hier gerade in ein Problem hinein, aus dem wir nur schwer wieder herauskommen, wenn sich das so weiter entwickelt. Ich vergleiche das mit dem Brunnenviertel. Dort ist zu lange zu wenig gegen die Kriminalität getan worden. Bis zu leichten Verbesserungen ist viel Zeit vergangen. Wenn in der Münsterstraße nicht etwas passiert, läuft es auf das Gleiche hinaus.

Ein sehr gut organisierter Drogenring, hinter dem viel Geld steckt. Mit Multikulti hat das übrigens nichts zu tun. Das sind einige wenige Nationalitäten, die sich das Geschäft untereinander aufteilen. Das ist ein abgeschottetes Umfeld, das für mich nicht zugänglich ist. Deutsch hört man da wenig. Was kein Problem wäre, wenn wir es nicht mit Kriminellen zu tun hätten. Die nehmen sich hier Freiheiten heraus, die sie in ihren Heimatländern nicht haben. Dort kennen sie auch ein ganz anderes Vorgehen der Polizei.

Das kriminelle Umfeld schadet auch den Zugewanderten, die hier mit viel Arbeit und Mühe etwas Gutes aufzubauen versuchen. Die werden mit in den Schmutz gezogen. Das ist nicht gut fürs Klima und das ist einfach nicht fair.

Wir sind stolz auf das Roxy-Kino und gehen behutsam damit um. Aber auch das ist eine finanzielle Frage. Geht die Kundschaft aus, kann ich alleine das Roxy nicht halten.

Der vorherige Pächter der Kneipe im Erdgeschoss hat bereits aufgehört, weil die Kundschaft ausgeblieben ist. Und das Verhalten der Kundschaft kann ich verstehen.

... ich an einem Abend selbst unten bei einem Glas Bier am Tisch gesessen habe, als die Dealer mit Stangen und Knüppeln aufeinander losgegangen sind. Ein Gast nach dem anderen ist ins Taxi gestiegen und davon gefahren. Das ist nicht gut fürs Geschäft.

Wenn auf der Straße mal wieder etwas los ist, ist die Polizei innerhalb kürzester Zeit mit mehreren Fahrzeugen da. Noch viel schneller verschwinden die Typen von der Straße in diese Geschäften. Genauso schnell sind sie auch wieder draußen, wenn wieder was los ist.

Die Nordstadt hat viele Vorteile. Die Nähe zur Innenstadt, man braucht kein Auto und kann viel mit dem Fahrrad erledigen. Dann ist hier diese große kulturelle Vielfalt. Wir haben schöne Geschäfte. Die Mieten sind günstig.

Sicherheit. Das hier ist kein gutes Umfeld für Kinder. Wir haben viele Schulen in der Nähe. Kinder gehen täglich an Drogenhändlern vorbei.

Ich bin für härteres Durchgreifen. Wenn der Handel mit Drogen strafbar ist, dann erwarte ich, dass ein festgenommener Drogenhändler wie ein Straftäter behandelt wird und nicht nach einer Stunde wieder weitermachen kann.

Peter Bandermann

Kommentare
27.03.2016
18:15
Wie ein Hausbesitzer die Münsterstraße erlebt
von libudafan | #6

Ich habe früher , und das als Schalker, oft in der Münsterstrasse gearbeitet . War eine tolle Zeit . Wäre prima , wenn mir jemand mitteilen würde, was...
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Wie ein Hausbesitzer die Münsterstraße erlebt
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2016-03-26 02:11
Dortmund