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Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert

21.05.2013 | 19:00 Uhr
So sieht „Echte Liebe“ aus: Man sieht die Stadt vor lauter Fußball nicht mehr - bei der Meisterschaft 2012.Foto: dpa

Dortmund.   Vom Höhenflug des BVB profitiert auch seine Heimat. Die Zahl der Touristen in Dortmund hat sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre verdoppelt. Und Fernsehteams aus aller Welt suchen nach dem Mythos Borussia Dortmund.

Klar, der Mann ist Wiener und von Hause aus Anhänger eines Kicker-Ensembles, von dem man im Ruhrgebiet entfernt schon mal gehört hat: Austria Wien. Zwei Eigenschaften also, die Hartmut Holzmüller eigentlich zu einer gänzlich neutralen Stimme in allen Fragen rund um den BVB und seine Bedeutung für Stadt und Region qualifizieren müssten. Doch 15 Jahre Dortmund, die haben bei dem Werbe-Experten aus Österreich Spuren so tief wie die Täler seiner Alpenheimat hinterlassen.

Keine Frage: Das schwarz-gelbe Fußball-Fieber hat auch den Wissenschaftler und Lehrstuhlinhaber für Marketing an der TU Dortmund befallen. „Ich war bei jedem Champions-League-Heimspiel im Stadion dabei“, gesteht der Professor. Wieder nix mit der unabhängigen Expertenmeinung!

In der Tat ist es ein Ding der Unmöglichkeit, auch nur eine einzige ernstzunehmende distanzierte Bemerkung über die Strahlkraft des aktuellen Fußballrummels in Dortmund herauszukitzeln. Wo sollte die auch herkommen? Selbstverständlich gibt es das, was Marketing-Fachmann Holzmüller dann doch ganz wissenschaftlich „positive Abstrahleffekte“ nennt. Die sportlichen Erfolge der Borussen, die sympathische Mannschaft, der charismatische Trainer – all das färbe auf die Stadt ab. Und natürlich steigt der Bekanntheitsgrad. „Dortmund spielt ja international auf Augenhöhe mit den ganz großen Vereinen“, so Holzmüller. Und die kommen halt überwiegend aus den ganz großen europäischen Metropolen: Dortmund in einem Atemzug mit Madrid, Barcelona, London, Amsterdam.

Auf der Suche nach dem Mythos

Champions League-Finale
BVB gegen FCB - Das deutsche Champions League-Finale

Fußball-Deutschland wartet gebannt auf den 25. Mai 2013. Zum ersten mal in der Geschichte der Uefa Champions League werden sich an diesem Samstag zwei deutsche Mannschaften im Finale gegenüberstehen. Die Protagonisten: Borussia Dortmund und der FC Bayern München.

Neulich, da war ein Sportsender aus Israel in der Stadt – auf der Suche nach dem Mythos BVB und der speziellen schwarz-gelben Fankultur. „Der Redakteur hat gefragt, an welcher Stelle in der Stadt denn BVB-Fans zu finden seien“, erzählt Sigrun Späte vom Dortmunder Tourismusbüro, wo man sich hingebungsvoll um auswärtige Reporterteams kümmert. „Da habe ich ihm gesagt: überall. Das wollte der erst gar nicht glauben.“

Dortmund und der BVB: Das kann man eine heiße Liaison nennen. Ein Lebensgefühl. Etwas, was sich nur schwer in Worte fassen lässt und noch schwerer in Zahlen. „Der BVB ist der größte Imageträger der Stadt. Die Begeisterung für den Verein durchdringt die ganze Bevölkerung“, gibt Reinhard Schulz denn auch recht allgemein zu Protokoll. Belastbare Rechenbeispiele über den BVB als Wirtschaftsfaktor kann der Hauptgeschäftsführer der Dortmunder Industrie- und Handelskammer zwar nicht präsentieren. Aber wozu braucht es Zahlen, wenn man resümieren kann: „Unter den weichen Standortfaktoren ist der BVB ein ganz, ganz harter.“

Ein glasklarer Standortfaktor

BVB
Ein Spiel Sperre für Dortmunds Torwart Weidenfeller

Borussia Dortmund muss den ersten Spieltag der nächsten Bundesliga-Saison ohne seinen Torwart Roman Weidenfeller bestreiten. Das Sportgericht des DFB sperrte den Schnapper, weil er am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison gegen 1899 Hoffenheim Rot gesehen hatte.

Weicher Standortfaktor? Vonwegen, sagt Dieter Ulbricht. Für den Dortmunder Hoteldirektor münzt sich der internationale Höhenflug der Borussia glasklar in harte Euros um. Neulich, beim letzten Champions-League-Heimspiel, bezog Real Madrid gleich eine ganze Etage des 200-Betten-Hotels der Radisson-Blu-Kette, das strategisch günstig liegt zwischen Stadion und dem benachbarten Westfalenpark. 40 Zimmer belegten Stürmerstar Cristiano Ronaldo & Co. Eine besondere Ehre, sicher. Aber keine Seltenheit in einer Stadt, die sich anschickt, neben München zur zweiten Großmacht des deutschen Fußballs zu werden. „Regelmäßig nächtigen Fußballteams bei uns. Aus der Bundesliga, aber auch internationale“, verrät Ulbricht ganz allgemein, ohne indiskret über seine noblen Gäste zu werden.

Hotels und Gaststätten gehören zu den großen Nutznießern der Fußball-Euphorie. An Champions-League-Spieltagen sind Dortmunds rund 5500 Hotelbetten regelmäßig ausgebucht. Nicht von ungefähr will die französische Accor-Kette demnächst zwei weitere Häuser in der Stadt eröffnen. Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich die Zahl der Übernachtungen in Dortmund von 500 000 auf knapp eine Million verdoppelt. „Der Zugewinn geht zu einem großen Teil auf das Konto des BVB“, ist sich Dortmunds Wirtschaftsförderungschef Udo Mager sicher. Etwa 80 bis 110 Euro gibt jeder Besucher zusätzlich zur Übernachtung in Dortmund aus. Pro Tag.

Fans feiern den BVB

Ein kritisches Wort findet Marketing-Experte Holzmüller dann doch zum Wechselspiel BVB – Dortmund. „Wir haben eine tolle Außenwirkung durch den Fußball. Aber es wird zu wenig anderes über die Stadt damit transportiert“, so der Wissenschaftler. Das Stadtmarketing sei insgesamt auf einem guten Weg. Doch Dortmund fehle es noch an einer „Kernstory“, die man mit dem Fußball verkaufen könne. Dortmund als dynamischen Wissenschafts- und Hightech-Standort hinzustellen, sei nicht tragend genug für die ganze Stadt. „Vor allem nicht bei zwölf Prozent Arbeitslosenquote.“

Michael Kohlstadt



Kommentare
23.05.2013
14:33
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von Nordstaedtler | #8

Als in Dortmund lebender Nicht-Borusse kann ich nur festhalten, dass ich die Stadt Dortmund trotzdem fantastisch finde. Es gibt wunderbare Wohnviertel mit toller Bausubstanz, großartige Ausgehmöglichkeiten sowie eine tolle Innenstadt. Zudem haben sich insbesondere im Dienstleistungsbereich gute Adressen angesiedelt. Die Industriekultur ist ebenfalls wunderschön.

Das Grundgerüst ist also sowieso da. Ein erfolgreicher BVB kann neben seiner eigentlich Zugkraft dafür stehen, diese Aspekte der schönen Stadt Dortmund in seiner Gesamtdarstellung mit aufzunehmen. Genauso wäre ein öffentlich stärkeres Ankämpfen gegen Missstände wie übermäßig vorhandenes rechtes Gedankengut eine gute Sache.

Insgesamt tut der BVB der Stadt gut, könnte sein Image aber sicher noch besser nutzen.

23.05.2013
00:27
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von Karlot | #7

Jetzt müsste nur das Land NRW ihr Lieblingskind wieder so fördern und bevorzugen, wie es das früher getan hat.

22.05.2013
22:28
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von DerHeerener | #6

Zitat: "Doch Dortmund fehle es noch an einer „Kernstory“, die man mit dem Fußball verkaufen könne. Dortmund als dynamischen Wissenschafts- und Hightech-Standort hinzustellen, sei nicht tragend genug für die ganze Stadt. „Vor allem nicht bei zwölf Prozent Arbeitslosenquote.“ "
Der BVB ist nun mal die Einzige von ehemals vier tragenden Säulen, die diese Stadt ausgemacht haben; der Wegfall von Kohle, Stahl und im weitesten Sinne auch Bier hat aber den BVB allein als wirklich massen-kompatibel übrig gelassen.
Die vielen Menschen, die in den genannten Industrien Arbeit hatten, kann man eben nicht so mal eben umschalten auf den Modus "Fachkraft im Telekommunikationswesen" etc. !
Woher soll die allgemeine Anerkennung, bzw. Begeisterung für die neuen Technologie- und Forschungsstandorte auch kommen, wenn nur die wenigsten derer, die schon immer Dortmunder waren, davon profitieren können ?
Da wird wohl noch einige Zeit ins Land gehen müssen...!

22.05.2013
17:21
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von Chris.GE | #5

Die Aussage des Berichts ist positiv, die Kommentare hier jedoch ziemlich destruktiv. Kann es sein, dass den Menschen im Ruhrgebiet ein gewisser Bürgerstolz fehlt? Mein Eindruck ist, dass grundsätzlich negativ gedacht wird, auch wenn es positive Entwicklungen gibt. Alles wird runter, klein oder zerredet. Vielleicht sind die Kommentare nicht repräsentativ, ich fürchte aber doch, und ich glaube, dass es mittlerweile in ganz Deutschland so ist. Seltsame Mentalität.

1 Antwort
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von DerHeerener | #5-1

2 von 4 Kommentaren kommen garantiert nicht aus Dortmund, bzw. von BVB-Fans...

22.05.2013
14:54
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von skyway | #4

Wie jetzt...in DO können Toristen die Stadt sehen???? Bo ej...dann fahre ich da mal hin.
Villeicht sehe ich ja ein paar von diesen DO - VOLLPFOSTEN.
DIe alle mit gesenkten Hauptes aus England wiederkommen weil sie VERSAGT haben.... HEHEHEHEHEH

22.05.2013
14:49
Das Finale.........
von renibert | #3

Macht nicht so ein großes Tam Tam um das Spiel, die Bauern verlieren, Uli geht nach Stadelheim und Schmuggel Kalle kann mit Glatzen Sammer Trübsal blasen.

22.05.2013
14:31
Wie die Stadt Dortmund vom Höhenflug des BVB profitiert
von buntspecht2 | #2

Mein Gott was passiert nur wenn die verlieren sollten wird dann in England Asyl beantragt ?

22.05.2013
13:26
"Da habe ich ihm gesagt: überall. Das wollte der erst gar nicht glauben."
von vaikl2 | #1

Anstatt so einem Reporterteam echte Hinweise zu z.B. Fanclubs und entspr. Kneipen zu geben, möchte die "hingebungsvolle" Sigrun Späte lieber auf unbedarften Straßenkasper ala "Kannze kucken wo de willz" machen.

Wer bezahlt dieses stadteigene Tourismusbüro nochmal? Der BvB sicherlich nicht...

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