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Nazi-Demo

Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird "jugendlicher"

04.09.2011 | 18:27 Uhr
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird "jugendlicher"
Viele junge Gegendemonstranten formierten sich bei Sitzblockaden zwecks Protestes gegen Rechtsradikalismus. Zugleich waren viele Gewaltbereite aus dem linken Lager ebenfalls sehr jung. Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.Es war sein erstes Mal – und es war schneller vorbei, als es ihm lieb war. „Ein Anfängerfehler“, seufzt Sam Baron. Er wollte Flagge zeigen. Wutbürger sein. „Den Nazis klarmachen, dass sie hier nichts zu suchen haben“, wie er selbst sagt. Doch er kam zu spät – und musste sich mit den letzten 200 Metern des Protestzuges zufrieden geben.

Sam Baron, 16 Jahre, aus Herne ist Demo-Neuling. Einer, das fällt ins Auge, von vielen an diesem Samstag in Dortmund. Der Widerstand gegen Rechts wird jünger. Trotz Freibadwetters.

Sam ist ein intelligenter junger Mann. Kein Randalierer, keiner dieser vermummten Jugendlichen, die kurz zuvor Steine auf Polizisten warfen. „Ich renn’ da nicht rein wie ein Blöder“, sagt der Elftklässler, „aber auch nicht weg.“ Bei seinen Schulkollegen vermisst er diese Haltung. Manchmal vermisst er sogar überhaupt eine. „Manche finden es lustig, Hitler-Witze zu machen“, sagt er kopfschüttelnd und fügt hinzu: „Es ist schade, dass Politik uncool geworden ist.“ Schuld sei aus seiner Sicht: die Politik selbst. Sie stelle sich einfach zu langweilig dar.

In Dortmund wird sie indessen greifbar: Polizisten in Sturmmasken, positionierte Wasserwerfer und Panzerfahrzeuge – „das schüchtert ein, das ist bedrohlich“, sagt Sam. Fasziniert ist er jedoch vielmehr vom Wir-Gefühl bei seiner Demo-Premiere: „Man hat eine Meinung und propagiert diese. Erst gedämpft, dann immer lauter. Es hat mich sehr überrascht wie stark so eine Gemeinschaft werden kann.“ Und diese ist groß: 10 000 Bürger sind im Namen der Demokratie auf den Straßen unterwegs.

Demo-Neuling Sam Baron (16 Jahre alt).

„Zwei mehr ist am Ende besser als zwei zu wenig“, erklärt Sam, warum er erst am Tag zuvor mit seinem Kumpel entschieden hatte, nach Dortmund zu fahren. Sein Kumpel, 14, will seinen Namen nicht in der Zeitung lesen. Er sei nämlich in Essen shoppen, flunkerte er daheim. Die Sorge der Eltern, dass ihm bei der Demo etwas zustoßen könnte, war schlicht größer als das Wissen um die Richtigkeit seines Vorhabens. „Meine Eltern meinten, sie hätten auch demonstriert. Sie konnten es mir also gar nicht verbieten“, sagt Sam.

Friedlicher Protest

Sein Fazit: „Es war richtig, hierher zu kommen.“ Er wird deshalb wiederkommen. Dann auch pünktlich.

Dennis Betzholz

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Kommentare
05.09.2011
21:02
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von AHoeh | #15

@14
Die Alt-68-Verblendung begründet sich mit den Lehren der Frankfurter Schule und Namen wie Adorno, Horkheimer, Mitscherlich u.a. sowie Philosophien der antiautoritären Lebensweise und der APO-Bewegung, Grundlage der späteren RAF und Bürgerbewegungen, die letztlich in den Grünen mündete. Man kann es auch unter Kulturbolschewismus und gesellschaftlicher Zersetzung subsummieren.

Was wir seitdem für eine BRD haben, beschreibt der Spiegel Redakteur Fleischauer in Unter Loinken (http://unterlinken.de/) Lesens - und der Film - sehenswert.

05.09.2011
20:03
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von Stefan2 | #14

Was genau, Sogesehen, meinen Sie eigentlich mit 68er-verblendet? Können Sie das einmal genauer ausdrücken?

05.09.2011
19:09
Blockierter Kommentar.
von sogesehen | #13

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.09.2011
17:59
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von xxyz | #12

Die hier beschriebene Rolle der Beobachter ist erbärmlich. Eine klare Distanzierung von der Gewalt fehlt überall und außer Sonntagsreden passiert nichts, um Extremismus und Gewalt einzudämmen. Polizisten kosten ja Geld.

Dass die Politik zurzeit uncool ist, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Jugend hat die Möglichkeit das internationale politische Geschehen mit einer nie vorher verfügbaren Quellenvielfalt zu erleben (Internet, SAT-Fernsehen, Wikileaks). Ferner gibt es genügend Vereine und Organisationen, in denen man sich engagieren kann. Probleme gibt es schließlich genug.

05.09.2011
17:41
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von Stefan2 | #11

Spekulation. Sie können niemandem in den Kopf sehen und seine Absichten wissen. Dass die RN so etwas berichten, macht es aus meiner Sicht nicht wahrscheinlicher.

05.09.2011
17:24
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von AHoeh | #10

@9
Die parlamentarischen Beobachter (MdL, MdB) der Linken haben sehr wohl Kinder und Jugendliche in die Konfliktzonen gegen die Polizei dirigiert und sich dann vornehm unter Zeigen ihres Parlamentsausweises und unter Berufung auf die parlamentarische Immunität entfernt. Das ist dokumentiert! Die RN berichten auch bereits darüber.

05.09.2011
17:14
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von Stefan2 | #9

Sie glauben doch wohl nicht allen Ernstes, dass diese Kinder und Jugendlichen irgendjemand schicken musste?

05.09.2011
16:23
Blockierter Kommentar.
von AHoeh | #8

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

05.09.2011
14:39
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von Stefan2 | #7

Ich finde es schön, dass sich so viele und schon so junge Menschen gegen Neofaschismus engagieren. Es deckt sich auch mit meinen Eindrücken des Tages.

05.09.2011
14:21
Widerstand gegen Nazis in Dortmund wird jugendlicher
von Elfentraum | #6

Schön, dass die Gegendemonstranten jünger werden ... auch die Nazis haben ja Nachwuchs, den sie sich dann gerne in Sommerlagern ideologisch auf Linie trimmen lassen ...
******* waren die Aktionen der Radikalen (man sagte, es seien Linksradikale gewesen, waren es wirklich Linke ? Oder rechte Provokateure ?) gegen die Polizei.

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