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Westfalenhalle feiert 60-Jähriges - Die „gute Stube“ ist ein Wahrzeichen von Dortmund

01.02.2012 | 20:31 Uhr
Westfalenhalle feiert 60-Jähriges - Die „gute Stube“ ist ein Wahrzeichen von Dortmund
Damals „Käseglocke“, heute Wahrzeichen: Am 2. und 3. Februar wurde die neue Westfalenhalle Dortmund eröffnet. Foto: Archiv Westfalenhallen

Dortmund.   Eine Geschichte voller Superlative: Dortmunds Westfalenhalle feiert am 2. Februar 2012 ihr 60-jähriges Bestehen. Die Historie reicht von Pferden und Radlern über Nazis und Bundesliga-Gründung bis hin zu aktuellen Messe-Entwicklungen. Eine Übersicht der wichtigsten Daten von Dortmunds „guter Stube“.

60 Jahre Dortmunder Westfalenhalle - wo anfangen, wo aufhören? Bei der historischen Wahrheit, dass eigentlich 2025 das 100-jährige Bestehen der ersten/alten Halle gefeiert werden müsste? Einen Zwischenstopp einlegen in der dunklen, braunen Nazizeit? Oder den Fokus auf die Zukunft legen? Versuchen wir einen (natürlich unvollständigen) Mix aus allem.

Am Anfang war das Pferd. Für eine Versteigerungs- und Auktionshalle wurde in den 1920-er Jahren für das zu klein gewordene Warendorf ein neuer Standort gesucht, an dem auch Radrennen, Reit- und Fahrturniere sowie die Hengstekörung stattfinden können. So entstand 1925 am Stahlstandort Dortmund ein 10.000 Quadratmeter großer und 180.000 Kubikmeter fassender Holzbau, die Westfalenhalle. Sie bot etwa 12.000 Zuschauern Platz und war damit zu jener Zeit Europas größte Sporthalle.

Nach siebenmonatigen Bauarbeiten und der Eröffnungsfeier am 28. November 1925 stand schnell der Radsport im Mittelpunkt, wie etwa am 4. März 1926 beim ersten Dortmunder Sechs-Tage-Rennen in der Westfalenhalle . Noch ein paar Zahlen: Von 60 Veranstaltungen 1925/26 gehörten 37 dem Sport, darunter 20 Mal Radrennen. Erster Direktor war Franz „Ferry“ Ohrtmann, angeregt hatte den Bau der damalige Stadtbaurat Hans Strobel. Erster sportlicher Höhepunkt war der EM-Boxkampf des siegreichen Max Schmeling am 19. Juni 1927.

Bombenangriff zerstörte 1944 alte Westfalenhalle

1932 besuchte Adolf Hitler im Rahmen seines Wahlkampfes die Westfalenhalle. Nach dessen Machtergreifung nutzten die Nazis sie für ihre Propagandazwecke (etwa bei der Braunen Messe), die Wehrmacht errichtete hier ein Lager für Kriegsgefangene, die wiederum in Dortmunds Schwerindustrie arbeiten mussten. Ein Gedenkstein vor der Halle 3B erinnert heute an die Gefangenen, die 1944 dem Bombenangriff auf das dabei vollständig zerstörte Gebäude schutzlos ausgeliefert waren. Nach dem Bombenhagel in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 1944 war das Gelände lange Zeit Trümmerlandschaft.

Der Wiederaufbau gestaltete sich schwierig und kamen erst 1948 richtig in Gang. Finanzprobleme standen an erster Stelle, doch ein Blick auf die Gruga-Konkurrenz in Essen und die Aufbruchs-Symbolik für den Wiederaufbauwillen sorgten schließlich für die Realisierung. Dortmunds Stadtrat stimmte am 16./17. Mai 1950 zu. Ein Darlehen von 10,5 Millionen DM, Gelder von Dortmunds großen Stahl- und Brauerei-Firmen sowie Landesmitteln ermöglichten schließlich den Bau, der für die Halle, Rosenterrassen und Wirtschaftsbetriebe 13 Millionen Mark verschlang.

Verglaste Stahlkonstruktion als „Käseglocke“ verspottet

Gebaut wurde nach bemerkenswerten Plänen des Architekten Walter Höltje, der nicht mehr wie bei der alten Halle ein Rechteck ansetzte, sondern - passend zur 200 Meter langen Radrennbahn - den Grundriss als Ellipse entwarf. Die Betonbauer feierten am 7. Februar 1951, die Stahlbauer am 23. Juni 1951 Richtfest. Äußerst modern war die freitragende Dachkonstruktion, die der Halle aber von den Dortmundern in der Anfangszeit den liebevoll-respektlosen Beinamen „Käseglocke“ einbrachte.

12.000 Kubikmeter Stahlbeton, 1680 Tonnen Stahl, 100 Meter lang, 80 Meter breit, 32 Meter hoch: Die verglaste Stahlkonstruktion mit damals Europas größter Hallenkuppel erregte weltweit architektonisches Aufsehen. Knapp 14.000 Zuschauer passten hinein. Logisch, dass die Westfalenhalle als Dortmunds „gute Stunde“ längst zur Denkmalliste der Stadt gehört.

Eröffnungsfeier mit Bundespräsident Heuss und Zuschauermassen

Zwei Tage lief nach 18 Monaten Bauzeit die Eröffnungsfeier am 2./3. Februar 1952, zu der auch Bundespräsident Theodor Heuss anreiste. 25.000 Zuschauer sahen die Feierlichkeiten zum Motto „Olympia ruft“, was sich kurz darauf noch steigerte. Zum zehnten Sechs-Tage-Rennen vom 15. bis 21. Februar kamen kurz darauf ca. 117.000 Besucher. Auch andere Veranstaltungen brummten gleich: Die Messe „Blumenparadies“ zählte von 1952 bis 1960 annähernd 300.000 Gäste, die erste Westfälische Hotel- und Gaststätten-Fachschau lockte 120.000 Interessierte nach Dortmund.

Video
Der Umzug der Stadtmeisterschaft in die Westfalenhalle war für die Veranstalter ein voller Erfolg.

An der Spitze der Westfalenhallen stand nach Wilhelm Wortelmann, der am 27. Januar 1952 den Goldsaal einweihen konnte, ab 1953 bis 1972 der sprintende Olympia-Medaillengewinner Helmut Körnig. Unter seiner Geschäftsführung kamen weitere Hallen hinzu, wurden 1956 das Rollschuh- bzw. Eisstadion (1972 überdacht) und 1959 das Hotel eröffnet. Am 1. Februar 1980 wurde die nach ihm benannte Leichtathletik-Halle gegenüber der Westfalenhalle eröffnet. Den Aus- und Neubau weiterer Hallen führte Geschäftsführer Hermann Heinemann von 1971 bis 1985 fort. Kennzeichen dabei: Jede der neun Hallen ist maximal 200 Meter vom Haupteingang entfernt.

Musik tat sich schwer

Ein historisches Datum führte den Deutschen Fußball-Bund am 28. Juli 1962 in den Goldsaal: Hier wurde die Gründung der Fußball-Bundesliga beschlossen. 1968 kam das berühmte U der Union-Brauerei auf das Dach der Westfalenhalle. Bis heute fanden in den Hallen bereits mehr als 30 Welt- sowie mehr als 50 Europameisterschaften statt, unzählig beinahe die Kongresse und Messen.

Während Sport- und Messeveranstaltungen als auch Shows wie Holiday on Ice von Beginn an ihr Publikum fanden, blieb die Musik zunächst dahinter zurück. Erst eine Schlagerparade ließ 1954 das Eis etwas auftauen, wilde Rockkonzerte folgten erst später wie am 31. März 1967, als die Rolling Stones 13.000 anlockten. Fast unvorstellbar für jene, die heutzutage bei der Mayday oder anderen Großpartys ekstatisch abfeiern.

Besucherkönig Maffay und legendäre Konzerte von Pink Floyd

Auch auf diesem Sektor holte die Westfalenhalle auf: Bis heute gaben mehr als 1000 Künstler ein Konzert in der Westfalenhalle. Besucherkönig ist Peter Maffay , zu dessen 13 Tabaluga-Aufführungen 1994 mehr als 113.000 Zuschauer strömten. Er löste damit Pink Floyd ab, deren legendäre sieben „The Wall“-Konzerte 1981 etwa 80.000 anlockte. Während u.a. James Last, Udo Jürgens, Freddy Quinn und Otto Waalkes die Auszeichnung „Goldene Westfalenhalle“ erhielten, stellten Konzerte in Dortmund für Marius-Müller Westernhagen und Chris de Burgh den Karrieredurchbruch dar.

Zusammenfassend lassen sich die 80-er Jahre als Zeit des Ausbaus bezeichnen. Die 90-er standen im Zeichen der Rekorde, 2009 kam der 100-millionste Besucher . Nach der Jahrtausendwende ist eine Internationalisierung zu beobachten. So zählen etwa einige der jährlich ca. 50 Messen wie Jagd & Hund, die Creativa, Intermodellbau oder die Inter-tabac europa-, wenn nicht gar weltweit zu den Branchenführern. Und für den BVB ist in der „guten Stube“ (wie auch neuerdings für Dortmunds Fußball-Stadtmeisterschaften) immer ein Platz frei, sei es zur 100-Jahr-Feier 2009 oder bei der Meisterfeier 2011 in und vor der Halle , wo auch immer wieder Livekonzerte stattfinden.

Umbruch

Wo Licht ist, kann Schatten nicht weit sein. 2009 verkündeten die Westfalenhallen das Aus für das legendäre Sechs-Tage-Rennen, 2011 begann dann zwecks Kapazitätserweiterung gar das Abmontieren der ruhmreichen Radrennbahn. Auch als im letzten Jahr auf der Rückseite des U der Buchstabe C einer Versicherung ergänzt bzw. ausgetauscht wurde, wär mancher Dortmunder (Traditionalist) der Geschäftsführung gerne aufs Dach gestiegen. Die wechselte übrigens ebenfalls 2011, nach 26 Jahren Ludwig Jörder steht nun mit Sabine Loos erstmals eine Frau an der Spitze .

Dennoch ist und bleibt die Westfalenhallen GmbH mit ihren drei Tochtergesellschaften Messe, Kongress/Hotel/Catering (KHC) sowie Veranstaltungszentrum natürlich ein äußerst wichtiger Faktor für Dortmund. Nicht nur als Arbeitgeber und Steuerzahler, sondern in erster Linie als Imageträger und Aushängeschild. Viele freuen sich auf Messen und Konzerte wie jenes von Black Sabbath in diesem Jahr , die Tischtennis-WM, das erste Turka-Festival , Public Viewing zur Europameisterschaft (sowie vielleicht auch bei einem BVB-Titelgewinn) und vieles mehr.

60 Jahre Westfalenhalle

Kurzum: Herzlichen Glückwunsch zum 60-jährigen Bestehen.

Steffen Gerber

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Kommentare
02.02.2012
15:49
Westfalenhalle feiert 60-Jähriges - Die „gute Stube“ ist ein Wahrzeichen von Dortmund
von dieterborussia | #1

Diese Halle hat Charme.
Sie ist mir lieber als so manche Seelenlose und austauschbare Arena der Neuzeit.

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