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Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?

22.02.2010 | 12:18 Uhr
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?

Dortmund. Dortmunds 2010-Vorzeigeprojekt, der U-Turm, wird teurer als geplant - und wohl auch später fertig. Nun steht zu befürchten, dass der Kultursektor auf Dauer selbst die Zeche zahlen soll. Musste das sein? Und wie sollen wir damit umgehen? Eine Betrachtung.

„Den U-Turm mit kreativen Inhalten zu füllen, war allein schon ein kreativer Akt”. Mit diesem eleganten Seitenhieb auf die damals mühsam ausgebremste Nur-Museums-Lösung von Ex-OB Gerhard Langemeyer garnierte Ministerpräsident Jürgen Rüttgers süffisant die Freigabe der lang ersehnten Fördermillionen für Dortmunds 2010-Leuchtturm. Das war am 26. Februar 2008.

Kosten laufen aus dem Ruder

Heute, fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der medienwirksam zelebrierten Schecküberreichung in der Düsseldorfer Staatskanzlei, stellt sich die Frage nach der Kreativität am U ganz neu. Die Kosten laufen aus dem Ruder. Und die Zeit bis zur geplanten Eröffnung im Mai rinnt zwischen Dauerfrost und morschem Betongebälk dahin, was den Baufortschritt in dem fast 90 Jahre alten Gemäuer derzeit zu einer Art Roulettespiel macht.

Nun ist es ja keine wirkliche Überraschung, dass mit Vorliebe Baumaßnahmen der öffentlichen Hand 1. immer teurer werden und 2. stets länger dauern als ursprünglich geplant. Unter diesem Vorbehalt kann man die ebenfalls vor zwei Jahren ausgegebene Losung von U-Architekt Prof. Eckhard Gerber, der Umbau werde Januar 2010 vollendet sein, sogar als nicht weit neben der Wahrheit liegend hinnehmen - immer vorausgesetzt, der Mai als Eröffnungsmonat für den Turm bleibt.

Und selbst die von Jörg Stüdemann, als Kämmerer und Kulturdezernent beim U derzeit in doppelter Verantwortung, in der Ratssitzung am Donnerstag auf Druck von CDU und Grünen offengelegte Teuerungsrate - in der Summe 7,5 Mio Euro bei einem ursprünglichen Gesamtvolumen von 55 Mio Euro - überrascht zumindest diejenigen kaum, die wissen, wie knapp öffentliche Investitionen anfänglich kalkulierten werden, um sie politisch besser durchsetzbar zu machen.

Scheitern hätte unabsehbare Folgen

Entsprechend rat- und letztlich widerstandslos nahm das Stadtparlament die Ausführungen Stüdemanns hin. Wirklich in Frage stellt den U-Turm niemand. Ein Scheitern des Projektes hätte unabsehbare Folgen. Den Imageschaden einer Investitionsruine mitten in der City ausgerechnet im Kulturhauptstadtjahr mag man sich gar nicht ausmalen. Deshalb sind die Summen, mit denen Dortmunds oberster Kassenwart in Sachen U-Turm derzeit hantiert, schon fast beliebig. Zu hoffen bleibt, dass Stüdemann dabei eher zu hoch als zu niedrig greift.

Doch irgendwer wird die Zeche am Ende zahlen müssen, auch die ebenfalls auf wundersame Weise angestiegenen Betriebkosten des Turms (von 2,6 auf sechs Mio Euro). Die Zeiten der Dortmunder Sonderkonjunktur jedenfalls gehören nach dem Ende der Ära Langemeyer und der durch die Wirtschaftskrise verschärften und offengelegten Strukturprobleme des städtischen Haushaltes endgültig der Vergangenheit an. Zu fürchten steht, dass sich der Kultursektor auf Dauer selbst kannibalisieren muss, um den U-Turm leuchten zu lassen. Darauf weisen erste Vorschläge hin, etwa im Hinblick auf die Internationalen Kulturtage. Dies muss den Bürgern erklärt werden - von der Verwaltung und der Politik. Aber auch das wird allein schon ein kreativer Akt.

Michael Kohlstadt

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Kommentare
24.02.2010
20:04
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von vaikl | #27

Schön, dass es den WDR gibt;-) Grade durfte Prof. Gerber dort seine Erklärung für die Verzögerungen und damit verbundenen Kostensteigerung ins Mikro trällern.

Danach hätte man im Vorfeld schon die Möglichkeit gehabt, z.B. die Beschaffenheit des Betons genau abzuklären, damit man beim Bau nicht überrascht gewesen wäre. Aber die dazu erforderlichen Gutachten hätten viel mehr Zeit erfordert und so habe man sich entschieden, ohne diese essentiellen Daten einfach mal loszulegen. Letztendlich dauere es auf diese Art nun genauso lange wie mit ausführlichen Gutachten.

Die Planung war also keine Planung, sondern ein Würfelspielchen zur Gesichtswahrung unserer Großkotz-Elite und dieses Verzocken zahlt wie immer - na, wer?

23.02.2010
16:02
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von denkfaulem Arbeitsgemüse | #26

Ich noch mal: Mal ne Frage fürs Verständnis: Wem gehört der U-Turm zur Zeit? Meines Wissen nach dem : Sondervermögen „Grundstücks- und Verwaltungsfonds Dortmund“, man sollte denken dies gehöre der Stadt? Wenn Ja, warum muss die Stadt denn Miete für den U-Turm zahlen??? Kann das mal jemand erläutern? Bei DO 91,2 hies es die Stadt wolle es da rauskaufen, aber es gehört ihr doch schon oder krieg ich da was nicht auf die Reihe? Wenn es nicht der Stadt gehören sollte, warum zahlt man als Nichteigentümer eine Renovierung nur um dann Miete zu zahlen???

23.02.2010
14:40
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von denkfaulem Arbeitsgemüse | #25

Meiner Meinung nach braucht eine Stadt gewisse Prestigeobjekte. Was mich aber wurmt ist, das hier mit Millionen um sich geworfen wird als ob es kein Morgen gibt. Das der Umbau teurer wird, war ja schon irgendwie zu erwarten, aber mal eben jährliche Betriebsmehrkosten von 4 Mio. Euro. Das sind in 10 Jahren 60 Mio. Euro. Betriebskosten. Wie kann man sich so verkalkulieren? Machen sie das mal in der Privatwirtschaft, da würden bei so einer Fehlkalkulation Köpfe rollen...

22.02.2010
13:56
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von vaikl | #24

@#13

Falls Sies vergessen haben sollten - wir befinden uns im 21. Jahrhundert und die Stadt steht kurz vor der Haushaltssicherung durch die Kommunalaufsicht. Das bedeutet im Klartext Einfrieren von Fördermitteln für Projekte, die keine Grundversorgung sichern.

Ohne diese Fördermittel aber werden unsere Leuchttürme als unfertige Baustellen ohne erhoffte Umsätze dem Bürger und den Auswärtigen nur den Eindruck des Nix-Könnens vermitteln, anstatt zum Metropolenglanz beizutragen.

Es hängt nun mal weit mehr mit dem lange verschwiegenen Haushaltsloch zusammen als nur eine kleine Wiederholungswahl.

22.02.2010
13:35
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von DenkSchlächter | #23

Tja, wer braucht das „U“ und wozu?
Es ist schon über 20 Jahre her, daß mir ein Tiefbauamtsleiter einer mittleren Stadt in Dortmunder Nähe klagte, daß die Kanalisation so schlecht sei, daß den Leuten bald die ******* im Keller stehe, aber der xy-Platz müßte nach neuestem Ratsbeschluß für mehrere 100 TDM neu hergerichtet werden.
Mit einem neuen Kanal können man ja schließlich nicht beim Wähler angeben…
Dasselbe Prinzip gilt noch heute.
Was stören einen da Schlaglöcher, ruinierte Schulen mit unzureichender materieller und personeller Ausstattung, edukativer Kampf gegen rechtes Gesindel und Vieles mehr?
Diejenigen, die sich für die „Elite“ halten kratzt das nicht im geringsten. So ein „Aushängeschild“ oder besser Denkmal braucht man eben und diejenigen, die zahlen sollen, haben gefälligst das Maul zu halten. So volksnah ist man eben.
Bevor sich da falsche Claqueure zu früh freuen: Das ist parteiübergreifend….

22.02.2010
13:35
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von Anna Schwarz | #22

Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?

Ja natürlich der Steuerzahler !!

Wer denn sonst.

Als Privater dreht man vorsichtig jeden Cent 2-mal um.

Als Kommune, Land oder Bund kannst du dagegen Gelder verpulvern ohne Gnade ohne dafür gerade stehen zu müssen.

Dafür gibt es dann den Steuermichel.

22.02.2010
13:17
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von Kulturkenner | #21

Das ist nicht nur ein Dortmunder Problem:In vielen Städten wird erst mal gebaut und ordentlich Geld verpulvert - man bekommt ja Fördergelder -, um dann festzustellen, dass man nun gar kein Geld mehr hat, das Projekt inhaltlich zu füllen.

Beispiele: Umbauten der Zechen (Zollverein Zweckel etc), Philharmonie Essen, Folkwangmuseum Essen, U-Turm Dortmund .....

Das Schlimme ist, dass die Städte weiterhin nicht von dem Unsinn lassen und diese Fehler weiterhin begehen. Zum Glück konnte die Bochumer Philharmonie gestoppt werden, obwohl - und das ist dann mal wieder typisch - die lokalen Fürsten immer noch nicht die Finger davon lassen wollen.

22.02.2010
13:17
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von theotron | #20

@ Doisses: das wort basics versteht hier niemand.

22.02.2010
12:59
Blockierter Kommentar.
von Moderation | #19

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

22.02.2010
12:31
Wer zahlt die Zeche für den teuren U-Turm?
von der Aufrichtigkeit | #18

@#2
Investieren bedeutet ja auch, später mal zu ernten

Heute investiert in Projekte für elitäre Gruppen - gleichzeitig der breiten Öffentlichkeit entzogen (wenn auch nur 20% Eigenanteil + Betriebskosten) - der erntet in der Zukunft vielleicht Vorzeigebauwerke, aber die bestehen aus Beton und haben keine Moral. Würde mehr Geld in Menschen investiert (vor allem in junge), würde die Moral wachsen und humane Nachrichten könnten für unsere Stadt werben.

Der Faktor Mensch und Menschlichkeit ist eine Investition wert und wächst und wächst über Generationen - Investitionen in Beton sind teuer und werden später oftmals wieder eingerissen...

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