Wenn uns Kevin und Cheyenne regieren
30.07.2009 | 18:10 Uhr 2009-07-30T18:10:00+0200Helmut, Horst und Norbert. Das waren noch Namen. Da verbargen sich noch echte Typen dahinter. Die hatten Klang.
Helmut „Boss” Rahn, der uns mit seinem Tor 1954 wieder wen werden ließ. Der allzu früh verstorbene - in diesem Zusammenhang immer wieder gern verwendetes Adjektiv - Horst Tappert, der als Inspektor Derrick in der international erfolgreichen TV-Serie quasi allein dafür sorgte, dass die Deutschen im Ausland ihr Image als knallharte und humorlose Mantelträger verloren und fortan als eher lockere, humorvolle und blendend aussehende Menschen angesehen werden. Und natürlich Norbert. Der Name steht im Germanischen für Kraft und Glanz. Wie passend für den ehemaligen Bundesarbeitsminister Norbert Blüm, der allen Rentnern in diesem Land eine Zukunft in den strahlendsten Farben voraussagte. Eine Legende. Obwohl ein hessischer Gnom, ein Mann für die Regierung.
Auch Gerhard eignet sich hervorragend für die Position ganz vorn im Land und in der Stadt. Aus dem altdeutschen übersetzt, verbindet Gerhard die Begriffe Speer und Härte. Dieses unnütze Wissen im Hinterkopf, und wir können uns erklären, warum Gerhard Schröder auch als „Basta-Kanzler” galt und wie es Gerhard Langemeyer in Dortmund gelungen ist, sämtliche Argumente der Gegner seiner Leuchtturmprojekte wie U-Turm und Phoenix-See aufzuspießen und wegzuschleudern.
Dennoch: der Glanz dieser Namen und der Männer, die sie tragen und getragen haben, ist verblasst. Mit Ausnahme natürlich der bunten Helmut-Schilder, die lustig im Führerhäuschen eines 40-Tonners vor sich hinblinken. Vergeblich sucht man in diesen Tagen solche Vornamen in den Geburtsanzeigen. Sie geraten in Vergessenheit. Neue Erdenbürger heißen heute anders. Also nicht bloß schwedisch Anders, sondern ganz anders. Wir müssen uns daran gewöhnen, in den nächsten Dekaden von Justin-Jeromes, Connor-Dylans und Cindy-Cheyennes regiert zu werden. Mit Angela (bei allem Respekt, Frau Merkel) ist das erste Kind bereits in den Brunnen geplumpst. Dieser Gedanke erfüllt mich mit einem gewissen Unbehagen. Eine Kanzlerin, die denselben Namen trägt, wie die Damen, die in Zeitungsanzeigen annoncieren, dass sie ständig zu allem bereit seien, könnte international für Irritationen sorgen. Außerdem: weiß mein Verteidigungsminister Kevin Prince Zablonski 2025 wirklich, dass er nach einem versemmelten Auslandseinsatz im Kaukasus nicht wie bei Nintendo ein neues Spiel beginnen kann?
Na ja, zumindest auf kommunaler Ebene wird mindestens für die kommenden sechs Jahre ein historisch beziehungsweise theologisch klangvoller Vorname die Kirmes oder das Pfefferpotthastfest am Bierfass eröffnen. Egal, wer Oberbürgermeister wird. Sorry, Mario Krüger, aber für die Grünen wird's wohl noch nicht langen. Ullrich Sierau (SPD) trägt in seinem Vornamen die besten Voraussetzungen für eine prosperierende Zukunft dieser Stadt. Denn der bedeutet, aus dem Althochdeutschen übersetzt, Heimat und Reichtum. Andererseits befindet sich der bürgerliche Kandidat Pohlmann vor dem Hintergrund seines Vornamens Joachim (Hebräisch: von Gott aufgerichtet) anscheinend auf einer himmlischen Mission...Das könnte im bibelfesten Dortmund entscheidende Stimmen bringen.
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