Wenig PCB im Hafenstaub – Zweite Quelle fraglich
12.10.2010 | 19:57 Uhr 2010-10-12T19:57:00+0200
Dortmund.Die Ergebnisse der jüngsten Staubniederschlagsmessungen im Hafen lassen nicht mehr den Schluss zu, dass neben der Giftfirma Envio eine zweite PCB-Quelle im Hafen existieren muss.
Zwar wies der Messpunkt am Container-Terminal Dortmund (CTD) auch in der fünften Kontrollperiode – von Ende Juli bis Ende August – die höchsten PCB-Werte auf. Doch im Vergleich zum Spitzenwert im Vormonat sank die dortige Belastung nun um fast 70 Prozent – von 7,09 auf 2,45 Nanogramm pro Quadratmeter.
Arnsberg rudert zurück
Die Bezirksregierung hatte die damalige Konzentration als „eindeutige Bestätigung“ dafür gewertet, dass es – neben der Skandalfirma Envio – einen Zweitsünder gebe. „Es muss zumindest noch einen weiteren PCB-Emittenten geben“, hieß es. Als heißer Kandidat geriet seinerzeit der Schrottverwerter Interseroh ins Visier. Angesichts der gesunkenen Werte rudert Arnsberg jetzt deutlich zurück. „Nach wie vor geben die Ergebnisse Anlass zu einer vertieften Prüfung, ob weitere relevante Quellen im westlichen Teil des Hafens vorliegen oder dies auszuschließen ist“, meint nun Behördensprecher Jörg A. Linden.
An zwölf Messpunkten hatte das Landesumweltamt (LANUV) den Staubniederschlag auf PCB, Dioxine und Furane überprüft. An elf Stationen gingen die Werte zurück, zum Teil erheblich. Insgesamt liegen die ermittelten Konzentrationen auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der Messungen Ende März.
Bessere Luft im Garten
Das Untersuchungsprogramm wird fortgesetzt, das Messnetz ab Oktober mit zwei zusätzlichen Punkten verdichtet. Beide liegen im Bereich der bisher auffälligsten Station am Container-Terminal.
Auch die Luftkonzentrationsmessungen, die das Landesumweltamt an der Kleingartenanlage Hafenwiese durchführt, ergaben für den Monat August niedrigere Schadstoffwerte als im Vormonat. Die PCB-Werte lagen mit einem Mittel von 2,5 Nanogramm pro Kubikmeter im Bereich des durchschnittlichen städtischen Hintergrundes im Ruhrgebiet.
Die Summe der Dioxine und Furane sowie der gefährlichen hochchlorierten PCB-Verbindungen wurde mit 32 Femtogramm pro Kubikmeter ermittelt. Ein Femtogramm entspricht einem Billiardstel Gramm. Zur Beurteilung könne der Zielwert für die Luftreinhalteplanung von 150 Femtogramm pro Kubikmeter herangezogen werden, hieß es gestern. Und: „Dieser Wert wird deutlich eingehalten.“ Auch die Luftuntersuchungen laufen weiter.
11:07
Mich hätte ehrlich gesagt auch ganz stark gewundert, wenn in unsererm, so gut adminstrierten Heimatland irgendeine, wie auch immer geartetete Gefährdung von einem ausgezeichnetem Entsorgungsfachbetrieb für seine Angestellten und seine Umgebung ausgegangen wäre.
Sowas ähnliches stand doch hier letztens schon mal.
Wo ist der Kommentar hin?
Verstieß der auch gegen die AGB oder geltendes Recht?
20:42
Heutzutage kann man Gefahrstoffe wie PCB gut ermitteln. Wie war das denn vor Jahren, als es noch Stahlwerke, Kokereien und sonstiges in Dortmund gab? Nach envio kommt bestimmt noch mehr........Der Beitrag am Mittwoch im WDR macht mit ganz schön Angst und Kummer von dem Kollegen und den Aussagen der Ärzte.
22:38
Sorry, @ #3 natürlich;-)
22:38
@ #2
Unlogisch wäre es nach den aktuellen Erkenntnissen, Envio als Emittent auszuschließen, nur weil der Betrieb dort stillgelegt ist. Nichts Anderes habe ich geschrieben.
Die Windrichtungs-Messungen vom LANUV sind höchstens Anhaltspunkte, aber keine stichhaltigen Beweise für eine exakte geographische Herkunft. Schon in den Jahren vor der Stilllegung wurden *auch* stark erhöhte Staubniederschlagswerte *westlich* vom Envio-Gelände festgestellt, obwohl die vorherrschende Windrichtung über Jahre gemittelt schon immer West/Südwest war.
Wenn Sie schon die aktuellen LANUV-Messungen zitieren, sollte Ihnen aber auffallen, dass gerade im August, in dem auch die Messwerte am besagten CTD stark zurückgingen, der Wind *im Vergleich* zum gesamten Jahr viel stärker aus WSW wehte.
Also wäre die Annahme, bei *mehr* Wind aus WSW würde eine weit *geringere* Konzentration in den Proben auf einen Verursacher im Westen von Envio hindeuten, unlogisch.
Aber wie gesagt: summierte und gemittelte Windstärken und -richtungen sind keine Indizien, höchstens Anhaltspunkte.
22:02
@2
Mit Verlaub: auch das ist unlogisch. Denn nach dem Bericht des LANUV (im Internet nachzulesen), war die Hauptwindrichtung in der Untersuchungszeit West und Südwest. Falls von Envio weiter PCB-Staub herumweht, müsste also an Messstationen im Osten mindestens genauso viel angekommen sein, wie im Westen. Ist aber nicht. Also muss es auch eine Quelle im Westen geben. Auch wenn es Herrn Brandt nicht passt. Dem Skandal bei Envio tut das selbstverständlich keinen Abbruch.
16:39
@ #1
Solange die Sanierungsarbeiten weder abgeschlossen sind noch richtig begonnen haben, scheidet Envio nicht als Quelle aus, siehe die Bodenkontaminationen im Außenbereich. Wobei das Wort Quelle an sich schon völliger Blödsinn ist, weil nirgendwo PCB in den genannten Konzentrationen aus dem Nichts blubbern, ohne dass Irgendjemand davon Kenntnis hat.
Ob so Jemand diese Kenntnisse preisgibt oder lieber klammheimlich die Ursache abschaltet, ist halt die Frage, der auch Arnsberg und das LANUV weiter nachgehen müssen.
Ich sehe solche Meldungen aber eher als Teil des Spiels, welches jetzt in Vorbereitung von Anklagen und Prozessen gegen Envio läuft.
Neupert möchte schon länger belegen, dass es auch noch andere Verursacher geben kann (obwohl das für die Funde auf seinem Gelände und die Schädigungen seiner Arbeitnehmer keine Rolle spielt), Brandt möchte das natürlich nicht und die Bezirksregierung sitzt zwischen allen Stühlen - selbstverschuldet.
14:57
So ein dummes Zeug. Kapiert der Schreiber das nicht oder will er nichts kapieren? Wieso ruderrt Arnsberg zurück? Wenn jetzt sogar zwei neue Messstationen angelegt werden, deutet das darauf hin, dass das LANUV weitere Quellen vermutet. Denn Envio ist als Quelle bekanntlich ausgeschaltet. Und die werden wohl kaum Geld ausgeben, wenn nicht weitere Quellen in Frage kommen. Aber Brandt scheint in seinem Wahn gegen alle Ämter und Behörden langsam blind zu werden.