Welche Chancen hat Tim Wiese als Wrestler?

WWE-Europa-Chef Stefan Kastenüller, Hoffenheims Towart Tim WieseWrestling, WWE-Europa-Chef Stefan Kastenüller (l.), Fußball-Torwart Tim Wiese (TSG Hoffenheim 1899).
WWE-Europa-Chef Stefan Kastenüller, Hoffenheims Towart Tim WieseWrestling, WWE-Europa-Chef Stefan Kastenüller (l.), Fußball-Torwart Tim Wiese (TSG Hoffenheim 1899).
Foto: WWE
Was wir bereits wissen
Am 17. April geben sich Top-Wrestler wie Cesaro in Dortmund die Ehre. Die Branche boomt. Doch noch fehlt ein deutsches Gesicht. Wir fragten nach.

Dortmund/München.. In der Dortmunder Westfalenhalle geben sich am Freitag, 17. April, starke Männer die Ehre: die erste Wrestling-Liga. Mit dabei ist der einzige Europäer, der zu den weltweiten Top 30 gehört: Claudio Castagnoli, besser bekannt als Cesaro. Hinter den dramatischen Show-Kämpfen steckt ein kluger Kopf: Stefan Kastenmüller. Mit dem Europa-Chef des Wrestling-Veranstalters WWE sprach Jürgen Overkott. Dabei interessierte ihn auch, welche Bedeutung ein Bundesliga-Held wie Tim Wiese für die wilden Männer hat.

Wie sind Sie ans Wrestling gekommen?

Stefan Kastenmüller: Ich bin von einem Headhunter angesprochen worden – und man hat mich engagiert als Geschäftsführer für die WWE in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

...weil Sie früher schon mal etwas mit Sportmanagement zu tun hatten...

Stefan Kastenmüller: Nein, weil ich einen Hintergrund habe im Entertainment und Medienmanagement. WWE ist eine Sport-Entertainmentmarke, die global aufgestellt ist. In den USA zählt sie zur Familien-Unterhaltung. Die WWE macht so etwas ähnliches wie Disney oder Marvel. Dazu zählen Live-Events, TV-Übertragungen und Merchandising, aber auch digitale Vermarktung auf allen Plattformen wie Games & Co.

In Deutschland hat Familien-Unterhaltung immer etwas mit Jugendschutz zu tun. Was ist bei WWE-Angeboten erlaubt, was nicht?

Kastenmüller: Bei Live-Events gibt es Regelungen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Im Prinzip gibt es Altersbeschränkungen: In Dortmund ist es so, dass Kinder unter sechs keinen Zutritt haben, Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 16 dürfen in Begleitung ihrer Eltern rein.

Was gibt’s zu sehen?

Kastenmüller: Die WWE ist eine gescriptete Soap.

Die Show folgt einer Dramaturgie.

Kastenmüller: Der Böse tritt gegen den Guten an. Das Ganze wird oft auch mit Dialogen zwischen den rivalisierenden Superstars aufgebaut. Dann gibt es die eingebauten, hochathletischen Kämpfe im Ring.

Ein sportorientiertes Drama.

Kastenmüller: Jeder Superstar verkörpert seinen eigenen, speziellen Charakter. Er entwickelt sich zu der jeweiligen Story. Das ist auch so in unserer Hauptfernsehsendung „Raw“, die auf Tele 5 donnerstags läuft, 52 Wochen im Jahr, ohne Unterbrechung. Im Übrigen ist „Raw“ die am längsten laufende Soap in der Fernsehgeschichte.

In Dortmund gibt es quasi „Raw“ live.

Kastenmüller:: Genauso ist es. Das Besondere an dem Live-Event in Dortmund ist, wie bei allen der jährlich 320 Veranstaltungen weltweit, dass die Original Superstars aus den USA auftreten – und eben nicht zweite oder dritte Liga.

Wie hat sich der Wrestling-Markt in Deutschland entwickelt?

Kastenmüller: Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg. Wir haben in den letzten anderthalb Jahren eine Menge Boden gutgemacht – wir sind wieder Stadtgespräch. Unsere Sendungen haben steigende Marktanteile. Wir haben inzwischen Marktanteile, die weit über dem Durchschnitt von Tele 5 liegen. Woche für Woche sind über 350.000 Zuschauer dabei. Wir haben in Deutschland inzwischen wieder vier Live-Events. Wir werden es noch steigern. Wir wollen wieder auf das Niveau der 90er kommen: Damals hatten wir in Deutschland acht Veranstaltungen. Dazu kommt, dass unsere Marke bei 40 Prozent der deutschen Bevölkerung bekannt ist – Tendenz steigend.

Wie erklären Sie den neuen Erfolg?

Kastenmüller: Der wesentliche Grund liegt darin, dass wir aus dem Bezahlfernsehen raus sind. Sky hat sich zwar gut entwickelt, aber das frei empfangbare Fernsehen hat eine deutlich größere Reichweite. Uns war wichtig, dass unsere Programme „Raw“ und „Smackdown“ unverschlüsselt zu sehen sind. Dazu kommt, dass unsere Pay-per-view-Angebote wie „Wrestlemania“ bei Maxdome für jeden zugänglich sind; auch das war früher anders.

Welche Rolle spielt Tim Wiese?

Kastenmüller: Sein Auftritt bei einer WWE-Veranstaltung hatte ein Riesenecho, er hat ja sogar den Sprung in die Abendnachrichten des Fernsehens geschafft. Inzwischen gibt es sogar aus der Kultur ein Interesse daran, dass Phänomen Wrestling tiefer zu ergründen. Das ist ja nicht nur in der USA so, sondern inzwischen auch andernorts. Sehen Sie, ein Topstar wie John Cena hat inzwischen 35 Millionen Facebook-Fans.

Aber noch mal zu Tim Wiese: Braucht die deutsche Wrestling-Szene ein prominentes deutsches Gesicht?

Kastenmüller: Fürs Wrestling ist es, wie für jeden Markt, ein Glücksfall, wenn es einen lokalen Superstar gibt. Nehmen Sie Cesaro, er ist Schweizer, und für unsere Auftritte in der Schweiz haben wir ein unglaubliches Presse-Echo. Cesaro ist ja inzwischen in der Top 30 der WWE. Aber natürlich wäre es gut, wenn es ein Deutscher ebenfalls in die Top 30 schaffen würde. Wir haben eine Nachwuchsserie im Fernsehen, die „NXT“ heißt. Und ich habe gehört, dass es dort den einen oder anderen Deutschen gibt, der in die engere Wahl für einen Aufstieg in die Top-Ränge kommt.

Wie groß sind die Chancen von Tim Wiese?

Kastenmüller: Schwer zu beantworten. Er steht bis 2016 bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag. Er ist Wrestling-Fan, das hat uns gefreut, aber mehr können wir im Augenblick nicht sagen.