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Weg des Biers von Frauenhand in Männermund

29.06.2012 | 12:00 Uhr
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Weg des Biers von Frauenhand in Männermund
Ehrenamtler Horst Duffe ist begeistert über das Modell der Bierwaschanlage – ein exklusives Geschenk an das Museum.

Dortmund.   Das Brauereimuseum lädt zur Sonderschau „Vom Braumeister zum Bierkutscher“. Von Samstag, 30. Juni an zeigt das Haus den Wandel des Gewerks und beleuchtet auch die Rolle der Frau im von Männern dominierten Brauhandwerk.

Die Welt der Braumeister, Bierkutscher und -trinker ist männlich. „Stimmt nicht!“, weiß Dr. Heinrich Tappe, Kurator des Brauereimuseums . Das Museum beleuchtet die Arbeitswelt der Brauerei in einer Sonderschau und im hellen Schein der Archivlampen kamen zahlreiche Dokumente zutage, die Frauen an Fässern und Flaschen zeigen.

„Vom Braumeister zum Bierkutscher“ heißt die Ausstellung, die von Samstag an bis zum 30. Dezember zu sehen ist. An einer Schautafel zeigen Zeichnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und Fotografien aus den 1920er Jahren Frauen bei der Arbeit.

Landbier aus Frauenhand

Auf den Drucken aus der Frühen Neuzeit sind eine Braumeister-Gattin mit den Insignien des Braugewerbes zu sehen und eine Magd, die einen Wagen mit dicken Bierfässern zieht. „Früher war die Braukunst Frauenarbeit“, erklärt Heinrich Tappe. „Gerade auf Höfen brauten sie für den eigenen Gebrauch. Erst mit der Industrialisierung wurde das Brauen zum Gewerbe und damit zur Männersache.“ Genau wie das Biertrinken im 19. Jahrhundert.

Modell einer Fassreinigungsanlage
Originales Modell einer Fassreinigungsanlage

Ein echtes Schätzchen kann das Brauereimuseum nun sein Eigen nennen: das originale Modell einer Fassreinigungsanlage der Firma Oscar Bothner.

Zwischen 1909 und 1911 meldete die Leipziger Maschinenfabrik die Anlage zum Patent an. Sie verband die automatische Außen- und Innenreinigung der Bierfässer. „Nur am Ende stand jemand und prüfte, ob die Pechschicht im Fass beschädigt war. Wenn nicht, konnten die Fässer sofort wieder befüllt werden“, erklärt Friedhelm Rautenberg, Ehrenamtler beim Museum.

Das einzigartige Modell schenkte der letzte Inhaber der Firma, Jochen Drechsler, dem Museum.

Die schwere Arbeit, der Schichtbetrieb – das war den Frauen nicht zuzumuten. Meinten die Männer. Erst während des Ersten Weltkrieges, als die Männer in den Schützengräben nach Bier verlangten und es flaschenweise an die Front geliefert werden musste, durften die Frauen erneut Brauhausluft schnuppern. Danach ging alles ganz schnell: Als die Frauen in den 50er Jahren wieder ein Drittel der gewerblichen Arbeitnehmer in den Dortmunder Brauereien ausmachten, wandelte sich das Gewerbe rapide.

"Technischer Wandel hat Arbeitsplätze kaputt gemacht"

In den 60er Jahren wuchs die Branche auf 6800 Beschäftigte in der Stadt an. Dazu zählten längst nicht nur Braumeister. Die Betriebe waren bestrebt, alles in Eigenregie zu regeln. So gab es Maurer, Maler, Schmiede, Elektriker und Küfer (Fassmacher), die den Betrieb vom Braukeller bis zum Dach in Schuss hielten.

Heute betreuen zwei Mann/ Frau pro Schicht die Herstellung von 1300 Hektolitern Bier pro Sud und 16 Suden pro Schicht – in einem vollautomatischen Werk. „Der technische Wandel hat viele Arbeitsplätze kaputt gemacht“, sagt Kurator Tappe. „Aber diese Knochenarbeit würde auch niemand mehr gerne machen wollen.“

Maike Rellecke

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