WDR-Stadtgespräch zu Rechten in Dortmund aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich

Das WDR-5-Stadtgespräch zum Thema "Dortmund wehrt sich gegen Neonazis" verlegte der Sender aus Sicherheitsgründen vom Rathaus in ein nicht-öffentlich zugängliches WDR-Studio.
Das WDR-5-Stadtgespräch zum Thema "Dortmund wehrt sich gegen Neonazis" verlegte der Sender aus Sicherheitsgründen vom Rathaus in ein nicht-öffentlich zugängliches WDR-Studio.
Foto: Volker Hartmann
Was wir bereits wissen
Zuerst sollte das WDR-5-Stadtgespräch zum Thema "Dortmund wehrt sich gegen Neonazis: Was stoppt rechte Hetze?" mit Zuschauerbeteiligung im Rathaus stattfinden. Doch es wurde verlegt - aus Sicherheitsgründen.

Dortmund.. Das WDR-5-Stadtgespräch am Donnerstagabend (18. Juni 2015) mit dem Thema "Dortmund wehrt sich gegen Neonazis: Was stoppt rechte Hetze?" sollte eigentlich im Dortmunder Rathaus stattfinden. Doch nach Beratungen mit der Stadt und der Polizei entschied der WDR, die eigentlich als Diskussion mit Zuschauern geplante Veranstaltung aus Sicherheitsgründen in ein nicht näher benanntes WDR-Studio zu verlegen und ohne Zuschauer stattfinden zu lassen.

WDR-Sprecher Uwe-Jens Lindner erklärt, wie es zu der Verlegung der Radiosendung kam: "Die Sicherheitslage in der Stadt hätte das nicht zugelassen. Hintergrund ist die Zuspitzung der Konfrontation zwischen Linken und Rechten in Dortmund." Konkrete Befürchtungen will der WDR nicht äußern. "Darüber wollen wir nicht spekulieren", so Lindner. Die Sendung solle jedoch inhaltlich die gleiche sein, nur dass die Beteiligungwege andere seien. Statt persönlich vor Ort bei der Diskussion, könnten sich Interessierte nun per Telefon oder Internet einklinken.

WDR lud alle Ratsmitglieder ein

Laut WDR-Sprecher Lindner gab es um die 200 namentlichen Voranmeldungen für das Stadtgespräch im Rathaus. Ohne Ausnahme seien alle im Rat der Stadt Dortmund vertretenen Mitglieder eingeladen worden. Das heißt: Auch die Ratsmitglieder der NDP und der Partei "Der Rechte" haben Einladungen erhalten.

Rassismus Wo Stadtgespräche zu brisanten Themen stattfinden, kommt immer auf die jeweilige Situation an. Uwe-Jens-Lindner: "Es ist ein besonderes Thema an einem besonderen Ort."

Die Polizei Dortmund gibt an, dass sie die Veranstaltung jederzeit hätte schützen können - von außen wohlgemerkt, im Bürgersaal des Rathauses wäre der WDR als temporärer Hausherr für die Sicherheit zuständig gewesen.

Die Stadt Dortmund bedauert in einer Stellungnahme die Verlegung der Veranstaltung, in ihr heißt es: "Oberbürgermeister Ullrich Sierau hätte die andere Option, also die Ausladung der Rechtsextremisten, bevorzugt, um der Stadtgesellschaft im Rathaus die Möglichkeit zu geben, sich über das wichtige Thema auszutauschen."

Grüne fordern Rücknahme der Absage

Die Grünen schreiben in einem offenen Brief, dass sie die Entscheidung des WDR mit "Bestürzung zur Kenntnis genommen" hätten. Sie sei ein "verheerendes Zeichen", da sie besage: "Eine öffentliche Veranstaltung - noch dazu von einer öffentlich-rechtlichen Medienanstalt wie dem WDR- zum Thema 'Rechte Hetze in Dortmund' ist nicht durchführbar."

Die Grünen fordern den WDR auf, die Entscheidung zur Absage der Veranstaltung wieder rückgängig zu machen, ansonsten würde der Sender "der Auseinandersetzung mit der Nazi-Hetze in unserer Stadt, dem demokratischen Widerstand dagegen sowie dem öffentlichen Ansehen der Stadt Dortmund einen Bärendienst" erweisen.

Piraten: Dieses Verhalten ist eine Bankrotterklärung

Ähnlich sehen das die Piraten. In einer Pressemitteilung schreiben sie, dieses Verhalten sei eine Bankrotterklärung, Menschen in Dortmund müssten Tag für Tag mit Drohungen und Gewaltaktionen leben. In dem Text heißt es weiter: "Aber unsere Stadtspitze und der WDR fühlen sich nicht in der Lage, eine öffentliche Livesendung zu dem Thema in unserer Stadt abzuhalten. Dazu fällt uns nur noch folgendes ein: Was stoppt rechte Hetze? - Das nicht!"