Was Hänschen nicht lernt... – Chancen durch frühe Förderung
22.10.2012 | 17:53 Uhr 2012-10-22T17:53:00+0200Hier liegt die Armut auf dem (Präsentier-) Teller: Wenn Kinder ohne Frühstück aus dem Haus gehen, kein warmes Mittagessen bekommen, nicht mehr wissen, wie frische Lebensmittel schmecken, ist das Defizit offensichtlich. Hier setzen Kindertafeln und Frühstücksinitiativen an. Aber, sagt Anja Butschkau vom AWO Unterbezirk Dortmund: „Satt machen alleine reicht nicht“.
Ein gesunder Start in den Tag: 600 Portionen Frühstück an vier Tagen in der Woche zaubern engagierte Eltern der Libellengrundschule für die Kinder. Am fünften Tag bleibt die Küche kalt – in der Hoffnung auf den Lerneffekt zu Hause. Das ist eine von vielen Initiativen, die Nachhaltigkeit zum Ziel hat, sagt Butschkau. Hier setzt auch das neuste Projekt an, das die AWO im Zusammenspiel mit Fabido auf den Weg bringt. Eine Kinderstube, die auf ein niederschwelliges Angebot frühkindlicher Förderung setzt. Denn arm ist auch, wer nicht teilhaben kann – weil er z.B. die Sprache nicht beherrscht. Neun Kinder aus acht Nationen sind angemeldet – das spiegelt das Bild im Brunnenstraßenviertel.
Die knappe Sozialanalyse: In keinem Stadtteil in Dortmund leben so viele Familien mit Kindern wie dort. 40 Prozent der Bevölkerung sind Hilfeempfänger; die geschätzte Arbeitslosenquote liegt bei über 28 %. Mehr als 20 % der Menschen sind unter 18 Jahre; 2011 wurden 152 Kinder unter drei Jahren gezählt; über 50 % haben einen Migrationshintergrund. Auffälligkeiten im Bezirk: Die Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung lag 2006 bei über 50 %. Gesundheitliche Befunde wie Übergewicht, Sprachstörungen, Koordinationsprobleme sind häufig. Nur 14,1 % der Kinder waren bei der Schuleingangsuntersuchung ohne Befund. Erhöhter Förderbedarf wurde festgestellt in den Bereichen Sprache (74,5 %), mathematische Kenntnisse (61,5 %), optische Differenzierung (66,8 %), auditive Differenzierung (70,3 %), Motorik (36,4 %).
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr: Alles, was in dem entwicklungsentscheidenden Alter bis drei Jahre nicht aufgenommen wird, kann später nie vollständig nachgeholt werden, heißt es im Konzept zur Spielstube Brunnenstraße. Sprich: Diese Kinder werden immer hinterherhinken. In der Kita, in der Schule, im Beruf, im Lebensumfeld. Hier steuert die Kinderstube gegen: Versucht, Kinder und Eltern zu binden, einen fließenden Übergang in eine Kindertageseinrichtung zu schaffen. Für mehr Chancengleichheit. Und weniger Armut.
09:18
Das von der Bundesregierung geplante Betreeungsgeld wird es schon richten. Dann können die verantwortungsbewußten Eltern ihre gesamte "erzieherische Kompetenz" auf die Kinder konzentrieren. Mir wird jetzt schon ganz anders, wenn ich an die Folgen denke.