Warum Mütter für fremde Babys Milch spenden sollen

Das Klinikum Dortmund öffnet Anfang August eine Muttermilchspendenbank - als erstes Krankenhaus in NRW. Frauen können hier ihre überschüssige Muttermilch abgeben. Davon profitieren zu früh geborene Säuglinge, deren eigene Mütter oft noch keine Milch produzieren.

Dortmund.. Bisher waren die Frühchen im Perinatalzentrum des Klinikums, der Spezialabteilung für schwierige Geburten, auf Muttermilch von Spenderinnen aus Leipzig angewiesen. "Ursprünglich waren die Spendenbanken in der ehemaligen DDR sehr verbreitet und sind auch heute in Ostdeutschland noch häufig zu finden", sagt Klinikum-Sprecher Marc Raschke.

Aus Leipzig bezog das Perinatalzentrum etwa 20 Liter im Jahr. Benötigt würden aber bis zu 100 Liter pro Jahr, so Prof. Dr. Dominik Schneider, Klinikdirektor des Westfälischen Kinderzentrums. Diese Lücke konnte bisher nur über den Bezug industrieller Milch gedeckt werden.

Muttermilch ist gesund

Die Idee hinter einer Milchspendenbank: Mütter, die Frühchen auf die Welt bringen, sind meist aufgrund der frühen Geburt noch nicht in der Lage, selbst Muttermilch zu produzieren. Muttermilch ist aber sehr gesund, schützt gerade Säuglinge, die bei ihrer Geburt unter 1500 Gramm wogen, vor Infektionen und Allergien. Auch wirke sich Muttermilch positiv auf die geistigen Fähigkeiten des Kindes aus, so Prof. Schneider. Deshalb soll künftig überschüssig produzierte Milch von anderen Müttern für diese Frühchen zur Verfügung gestellt werden.

Zu früh geborene Säuglinge benötigten in den ersten Tagen etwa 10 bis 20 Milliliter Milch am Tag, sagt der Chef der Kinderklinik. Schneider erinnert sich an eine Mutter im Perinatalzentrum, die am Ende der Woche tatsächlich 16 Liter Muttermilch an Überschuss hatte. Wäre die Spendenbank schon am Start gewesen, hätten viele Frühchen davon profitieren können.

Anonyme Spende

"Für uns ist das Angebot eine Hilfe zur Selbsthilfe. Von Mutter zu Mutter. Die Spenderin bleibt anonym, das eigene Kind geht immer vor. Die Mutter muss selbst in unserem Perinatalzentrum gewesen sein, ihre überschüssige Milch wird penibel untersucht, pasteurisiert und erst eingefroren", so der Klinikdirektor.

Er freut sich über die unbürokratische Unterstützung durch NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Sie habe schnell den Kontakt zu den Genehmigungs-Behörden, darunter das Umweltministerium, hergestellt.