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Warum Dortmund noch immer eine Neonazi-Hochburg ist

16.08.2012 | 18:53 Uhr
Neonazi-Demo im März dieses Jahres: Geht es um Rechtsextremismus, geht es um Dortmund.Foto: WR/Knut Vahlensieck

Essen.   Dortmund ist die Stadt mit den meisten rechtsextremen Straftaten in NRW. Warum? In der Stadt wurde zu lange weggesehen und verharmlost, sagt der Neonazi-Experte Johannes Radke. Und die „Autonomen Nationalisten“ werden immer selbstbewusster.

Geht es um Rechtsextremismus, geht es um Dortmund . Seit Jahren belegt die Stadt in NRW die traurige Spitze bei den Statistikern, die von rechts motivierte Straftaten zählen.

Erst Anfang der Woche vermeldete das Landeskriminalamt, dass Dortmunder Bürger mit 131 Delikten in der ersten Hälfte dieses Jahres fast drei Mal so oft von rechten Delikten wie Volksverhetzung, Sachbeschädigung und Körperverletzung betroffen waren wie die Menschen im ähnlich strukturierten Essen. Laut Innenministerium liegt Dortmund auch bei den antisemitischen Straftaten an der Spitze in NRW.

Dortmund hat als Hort für eine Neonazi-Truppe, die ganze Stadtviertel „besetzt“, deren Mitglieder selbst vor Mord nicht zurückschrecken und jedes Jahr am 1. September beim Antikriegstag die Stadt unsicher machen, traurige Berühmtheit erlangt.

Das passiert, wenn Politik, Polizei, Gesellschaft wegsehen

„Die Stadt ist das beste Beispiel dafür, was passiert, wenn Politik, Polizei und auch die Gesellschaft wegschauen und die Vorkommnisse als ‘Gewalt von rivalisierenden Jugendbanden’ abtut“, sagt Johannes Radke der WAZ. Seit Jahren ist der Journalist unterwegs, um die Entwicklungen innerhalb der Neonazi-Szene unter die Lupe zu nehmen. Was ihn derzeit besonders beunruhigt: „Die Aktivisten werden immer aggressiver.“ Seine Einschätzung teilt auch Verena Schäffer, Innenexpertin der Grünen im Düsseldorfer Landtag.

Protest gegen Naziaufmarsch

Nicht nur in Dortmund, sondern bundesweit haben Behörden rassistische Übergriffe lange Zeit nicht ernst genommen – was in den Ermittlungspannen um den Nationalsozialistischen Untergrund gipfelte. Nachdem der NSU-Skandal im November 2011 aufgeflogen war, mühte sich die Politik redlich, Schaden zu begrenzen; so verabschiedete der Bundestag einen Entschließungsantrag mit dem Ziel, Gruppen zu stärken, die gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus kämpfen.

Neonazi-Gegner haben es schwer

Auch wenn der Verfassungsschutz endlich genauer bei von rechts motivierten Straftaten hinsieht und der neue Dortmunder Polizeipräsident Norbert Wesseler härter durchgreifen will: Leichter haben es Gruppen gegen rechts nicht, klagt Neonazi-Experte Radke.

 

Razzia bei Nazis in Dortmund

Untermauert werden seine Beobachtungen von einer aktuellen Studie der Amadeo-Antonio-Stiftung. „Opfer rechter Gewalt, Beratungsstellen und Opfervereine kämpfen bundesweit gegen eine Mauer aus Ignoranz und Verharmlosung an“, beschreibt darin die Publizistin Marion Kraske die Szenerie und erzählt von einem alternativen Kulturzentrum in Wismar, wo die Betreiber und Besucher nahezu schutzlos Gewalt und Vandalismus der rechten Szene ausgeliefert seien: „Die gerufenen Beamten stehen mit den Nazis da, begrüßen die Angreifer mit Handschlag oder erzählen Türkenwitze.“

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Warum Dortmund noch immer eine Neonazi-Hochburg ist
Warum Dortmund noch immer eine Neonazi-Hochburg ist
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/warum-dortmund-noch-immer-eine-neonazi-hochburg-ist-id6991092.html
2012-08-16 18:53
Rechtsextremismus, Nazis, Dortmund, Islamistischer Terrorismus, NSU, Verbrechen
Dortmund