Warum die Ambulanz der Kinderklinik in Dortmund überlaufen ist

Thorsten Froese aus Dortmund mit Töchterchen Lena, die an Lungenentzündung leidet und nach dreieinhalbstündiger Wartezeit endlich stationär aufgenommen wurde. Lena ist kein Einzelfall, wie Froese im Gespräch mit anderen Eltern erfahren hat.
Thorsten Froese aus Dortmund mit Töchterchen Lena, die an Lungenentzündung leidet und nach dreieinhalbstündiger Wartezeit endlich stationär aufgenommen wurde. Lena ist kein Einzelfall, wie Froese im Gespräch mit anderen Eltern erfahren hat.
Foto: Stephan Schütze
Was wir bereits wissen
Ein Vater ist stinksauer. Drei Stunden lang musste Thorsten Froese mit seiner an einer Lungenentzündung erkrankten Tochter Lena in der Ambulanz der Kinderklinik in Dortmund warten. Doch seine Tochter ist kein Einzelfall. Wir erklären die Hintergründe.

Dortmund.. Familie Froese aus Dortmund geriet mit ihrer kranken Lena in eine Zwickmühle: einerseits eine Erkältungswelle im Kinder- und Jugendbereich mit sehr hohem Patientenaufkommen und andererseits eine mangelhafte Gegenfinanzierung ambulanter Leistungen in den Kinderkliniken.

Damit steht die Familie nicht allein. Beim stundenlangen Warten in der Kinderklinik erfuhren die Froeses von einer Krankenschwester, vor kurzem sei dort ein Kind aufgenommen worden, das sechs Stunden auf seine Behandlung habe warten müssen. Der Vater einer neunjährigen Tochter findet es traurig, dass "unsere Kinder" gesundheitlich nicht mal normal zu betreuen seien, ohne dass sie leiden müssten.

Lungenentzündung und 40 Grad Fieber

Das war geschehen: Am Freitagabend fuhren die Froeses ihre Tochter Lena in die Kinderklinik an der Beurhausstraße. Am Vormittag waren sie mit der Neunjährigen noch beim Hausarzt, der eine Lungenentzündung feststellte, ein Antibiotikum verschrieb, das Lena allerdings wiederholt ausspuckte. "Kurz bevor wir dort waren, musste sie sich erbrechen und hatte noch 40 Grad Fieber. Sie war sehr schwach, wir mussten sie dorthin tragen. Die Parkplatzsituation vor der Klinik ist auch für Notfälle katastrophal", schrieb Thorsten Froese an diese Redaktion.

Es folgte eine nicht enden wollende Wartezeit. Lenas Eltern sprachen auch mit anderen Eltern und dem Pflegepersonal. Es soll am Abend nur eine Kinderärztin da gewesen sein, ab 23 Uhr dann noch eine weitere. Zwischendurch seien aber vier Rettungswagen mit Kindern eingetroffen, und Thorsten Froese wunderte sich über die schmale personelle Besetzung. Auch wenige Wochen alte Babys hätten stundenlang warten müssen, kritisiert der Vater.

Das sagt das Klinikum

Sprecher Marc Raschke bestätigt, der Freitag sei einer der "heißeren Abende" gewesen: "Wir befinden uns in Dortmund gerade auf dem Höhepunkt einer Erkältungswelle bei Kindern und Jugendlichen." Zur Zahl der Ärzte aber sagt Raschke: "In der Kinderklinik haben im genannten Zeitraum fünf Ärzte gleichzeitig gearbeitet. In den infekt-/erkältungsreichen Wintermonaten wird der ärztliche Dienst seitens der Kinderklinik verdoppelt. Damit tut das Haus aktiv etwas, um die Wartezeit möglichst kurz zu halten. Am Wochenende, Samstag/Sonntag sind zudem noch zwei niedergelassene Kinder- und Jugendärzte im Wartebereich unterwegs."

Notdienststandorte Der Sprecher des Klinikums räumt aber ein, dass in Notaufnahmen das Patientenaufkommen unkalkulierbar sei. In den Wintermonaten Januar und Februar sowieso. Auch vergangenen Freitag habe die Kinderklinik wieder akute Notfälle im Haus gehabt, so Raschke. Kinder mussten kurzfristig operiert und auf die Intensivstation gelegt werden: "Das bindet dann an einem solchen Abend zusätzlich Ressourcen."

Nur 32 Euro erstattet

Das Westfälische Kinderzentrum (Kinderklinik) in Dortmund deckt jährlich 50.000 ambulante Fälle ab, die Mehrzahl davon in Notfallambulanzen. Diese Ambulanzen sind im hohen Maßen unterfinanziert, wie alle Kinderambulanzen und die Pädiatrie insgesamt in Deutschland. Ein Fall in der Notaufnahme kostet im Bundesdurchschnitt knapp 130 Euro, dem Krankenhaus werden aber nur 32 Euro erstattet.