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DFL-Sicherheitskonzept: Mehr Chancen als Risiken

13.12.2012 | 11:20 Uhr

Dortmund.  Unter den Fans rumort es, nachdem die DFL das Konzept "Sicheres Stadionerlebnis" verabschiedet hat. Doch richtig angewandt, birgt das Konzept mehr Chancen als Risiken. Eine Analyse.

Es waren die Bilder von den pyrotechnischen Schein-Exzessen beim Relegationsspiel in Düsseldorf, die bei Innenpolitikern in Deutschland einen Beißreflex ausgelöst haben. Plötzlich wurden Szenarien über Zustände in deutschen Stadien gemalt, die in der Realität so nie existiert haben. Innenminister wie Hans-Peter Friedrich, Lorenz Caffier oder Ralf Jäger nahmen urplötzlich den Fußball in Geiselhaft für über Jahrzehnte anhaltende Versäumnisse der Politik. Die Liga mit ihren Milliarden-Umsätzen sollte von nun an richten, was die Politik durch drastische Kürzungen von Mitteln bei der Jugendarbeit nicht gepackt hat: die Gewalt bekämpfen.

Der Berg kreißte monatelang und gebar am Ende eine Maus in Form des Papiers "Sicheres Stadionerlebnis", das nun kontrovers diskutiert wird . Die Fans fühlten sich übergangen und pauschal kriminalisiert, sie protestierten mal laut, mal leise, in der Regel jedoch kreativ und friedlich. Sie schafften es sogar bis auf einige bekloppte Ausnahmen, auf Pyrotechnik zu verzichten. Sie erreichten, dass das Konzept überarbeitet wurde. Und jetzt liegt ein Papier vor, mit dem eigentlich jeder leben kann, was aber noch niemand wahrhaben will.

Beschlüsse waren zum Teil überfällig

Denn das, was da beschlossen wurde, ist zum großen Teil entweder überfällig oder schon längst Realität. Ordnungsdienste sollen professionell aufgestellt werden . Wer kann da widersprechen? Die Videoüberwachung soll intensiviert werden, um Straftäter feststellen zu können - hat sich in Dortmund im Falle des Nazi-Banners auf der Südtribüne schon bewährt . Stadien sollen also noch sicherer werden als sie ohnehin schon sind.

Das Problem, das viele Fans dennoch mit dem Papier haben, ist: Sie fühlen sich jetzt nicht sicherer. Im Gegenteil.

Demo für die Fankultur

Die DFL hat mit der Verabschiedung des Papiers einen Elfmeter verschossen. Sie hätte den Schulterschluss mit den Fans eingehen können. Mit Kutten, Trikots, Normalos und mit einem Großteil der Ultras, nämlich mit der besonnen Mehrheit, die durchaus bereit ist, auf Pyrotechnik zu verzichten. Sie hätten der Politik ein Signal senden können: Alles ist gut! Wie gut alternative Stilmittel jenseits von Pyrotechnik aussehen können, haben die Fans von Borussia Dortmund beim Spiel gegen den VfL Wolfsburg mit einem beeindruckenden Konfettiregen gezeigt.

Beruhigungspille für die Politik

Der Politik hat die DFL die Beruhigungspille hingeworfen , dass Vereine nun mehr oder weniger im Alleingang entscheiden können, welche Spiele sie als so riskant einstufen, dass das Kontingent an Gästekarten reduziert werden kann und die Einlasskontrollen deutlich verschärft werden können. Jeder Verein, der einen halbwegs tauglichen Kontakt zu seinen Fans pflegt, wird einsehen, dass es nichts Unvernünftigeres geben wird als ausgerechnet diese Karte auszuspielen. Wer ein Gästekontingent halbiert, sperrt ausgerechnet die Fans aus dem Stadion aus, die eigentlich willkommen sind.

Video
Dortmund, 08.12.12: Rund 2000 Fans von Borussia Dortmund nahmen an der Demo für den Erhalt der Fankultur teil. Dabei zogen sie vom Platz der alten Synagoge am Stadtgarten zum Max-Ophüls-Platz in Richtung Stadion.

Immer und immer wieder wurden die Selbstreinigungskräfte auf den Tribünen beschworen. Gemeint war, dass gemäßigte Ultras auf ihre hitzköpfigen Kollegen einwirken sollten. Und sie taten es und hatten Erfolg. Aber mit der Art und Weise, wie nun bei der Verabschiedung des Konzepts agiert wurde, hat die Liga ausgerechnet ihrer gemäßigten Selbstreinigungskolonne das wichtigste Putzmittel genommen: ihre Glaubwürdigkeit. Die muss nun wiederhergestellt werden, die Kommunikation mit den Fans und innerhalb der Fanszenen darf nicht abreißen.

Konzept bietet Chance für ständigen Dialog

Fans und Vereine standen im Dialog miteinander, doch nun glauben die Anhänger zu erkennen, dass es ein Scheindialog war. Wasser auf die Mühlen der Hardliner, die sich in ihrer Ansicht bestätigt fühlen, dass sie auf offizieller Seite ohnehin niemand ernst nimmt. Wie die (Trotz-?)Reaktion ausfällt, wird sich möglicherweise am Wochenende zeigen. Bis dahin müssen alle Vereine schnellstmöglich den Dialog mit den Fans suchen und vermitteln, wie sie das Papier interpretieren werden. Vor allem wird es darum gehen, den im Papier erwähnten Dialog mit Fanvertretern in geregelte, verbindliche Bahnen zu lenken. Das ist die große Chance, die in diesem Konzept steckt.

Warum geben sich die Vereine nicht eine Art Fanbeirat oder ein Fanparlament? Die Proteste der vergangenen Wochen haben gezeigt, dass es viele kluge Köpfe in den Fanszenen gibt. Die Vereine müssen sich für Mitsprache und Mitbestimmung öffnen, ohne dass Fans sich immer als Bittsteller fühlen müssen.

Stefan Reinke

Kommentare
16.12.2012
20:56
DFL-Sicherheitskonzept: Mehr Chancen als Risiken
von klingsor11 | #5

Wenn sich die Fans so benehmen würden wie in der letzten Etappe der Hinrunde, würde man keine DFL Sicherheitsmaßnahmen brauchen. Das ist aber nur die...
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DFL-Sicherheitskonzept: Mehr Chancen als Risiken
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http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/warum-das-dfl-sicherheitskonzept-mehr-chancen-als-risiken-birgt-id7389398.html
2012-12-13 11:20
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