Parteien präsentieren...
Wahlwerbung in 140 Zeichen
07.05.2009 | 17:37 Uhr 2009-05-07T17:37:00+0200Vor den Wahlen bringen sich die Parteien in Position: auf Plakaten, in Debatten und im Twitter. Vor allem Jugendorganisationen der Parteien nutzen das Web 2.0. Sie twittern oder präsentieren sich in sozialen Netzwerken wie Facebook.
„Politik darf nicht im eigenen Saft schmoren”, erklärt Alexander Wuttke, Vorsitzender der Jusos Dortmund, sein Auftreten im Twitter. „Wir wollten nicht erst anfangen, wenn der Wahlkampf beginnt.” Deswegen twittern er und vier Parteikollegen seit einem halben Jahr. Etwa 250 Follower lesen die Tweets regelmäßig. Ihre Podcasts seinen beliebter, Videos würden zum Teil über 1000 Mal angeklickt. „Das Internet ist einer der Schwerpunkte unseres Wahlkampfes”, sagt Wuttke.
Auch drei Mitglieder der Grünen Jugend zwitschern, „weil das für uns eine prima Möglichkeit ist, zu zeigen, wo wir aktiv sind”, sagt Sebastian Neumann. Etwa 80 Leute haben seine Meldungen abboniert. „Ich würde das zwischen Information und Mitgliederwerbung einsortieren.”
Daniel Poznanski, Bundestagskandidat der FDP, zwitschert für 193 Follower. Für ihn ist das eine „schnelle, einfache und unmittelbare Möglichkeit”, mit Wählern in Kontakt zu kommen, er wolle aber auch andere Medien auf sich aufmerksam machen. Zwar schätzt er, dass 90 Prozent seiner Nachrichten politisch wären, aber „eine ernste Botschaft kann man in 140 Zeichen nicht kommunizieren. Das kann nur neugierig machen.”
Der Meinung sind auch Wuttke und Neumann. Dennoch sei das Angebot wichtig. „Es ist einfacher, sich von zuhause zu informieren, als zu einem Wahlkampfstand zu gehen. Das erfährt im Zweifelsfall auch keiner”, erklärt Neumann. Dadurch sei die Hemmschwelle für Interessierte niedriger. Das kann auch zum Problem werden: Durch die Anonymität sei „die Hemmschwelle für Beleidigungen niedriger”, stellt Wuttke fest.
Nicht nur den Dialog mit potentiellen Wählern suchen die Parteien. Twitter diene „auch der Vernetzung untereinander”, so Wuttke. Und „um zu sehen, was die politische Konkurrenz macht.”
Die Junge Union ist bisher noch nicht beim Kurznachrichtendienst vertreten. Spätestens Mitte Juni soll es aber so weit sein, plant Steffen Kanitz. „Twitter wird eine große Rolle spielen.” Vor allem will er damit „Bürgernähe schaffen und kontroverse Diskussionen anstoßen.” Er selbst hält junge Menschen nicht für unpolitisch, man müsse sie nur erreichen. „Und die Erreichbarkeit im klassischen Wahlkampf ist gering.” Infostand und Plakate soll das Online-Geschwätz jedoch nicht ersetzen, sind sich die Parteien einig. „Man kann in 140 Zeichen keine Grundsatzprogramme vorstellen”, sagt Wuttke. Daher könnten sie „nur ein Einstieg ins Gespräch sein.”
„Politik bedarf der Erklärung”, findet auch Kanitz Ein Vorteil von Twitter sei, es mache „kampagnenfähiger. Man kann kurzfristig Menschen in großer Zahl erreichen.” Dennoch plant er nicht, ständig über sein Tun Auskunft zu geben. „Man muss es dosiert einsetzen, damit es die Ernsthaftigkeit behält”, findet er.
„Das Web 2.0 ist Leitmedium geworden”, meint Alexander Wuttke. „Bei den nächsten Wahlen wird kein Kandidat an sozialen Diensten vorbeikommen”, prophezeiht er. Deswegen wollen er und seine Partei „eine Vorreiterposition einnehmen” und investieren bis zu 20 Stunden pro Woche.
Die Linksjugend dagegen will nicht twittern. „Das ist für Jugendliche, die sich nicht mit Politik auskennen unübersichtlich. Klare Forderungen sind eher unsere Sache”, erklärt Sprecherin Mona Bünnemann. Außerdem sei das Gezwitscher noch nicht sehr verbreitet. Neue Mitglieder wollten sie über Facebook gewinnen. „Die meisten Jugendlichen, die zu uns kommen, haben uns im Internet entdeckt”, sagt Bünnemann.
08:28
Wen interessiert eigentlich die Worthülsenmenge der Politiker noch? Auf das Phrasegedresche kann man nun wirklich verzichten. Es geht denen lediglich um die Posten, sprich Pfründe und Macht.
17:14
@Horst
Nach den erwähnten 3 Zeilen habe ich nicht mehr weitergelesen. Deswegen ist Ihre Wahlwerbung für irgendwelche Webseiten auch spurlos an mir vorbeigegangen;-)
15:14
Hallo Vaikl,
ich finde es wichtig über Plakate die Menschen zum Wählen zu motivieren. Am liebsten würden wir als SPD das gesammte Wahlprogramm präsentieren, weil es wirklich schlagkräftig geworden ist. Nur Sie können sich gar nicht vorstellen, wie hoch das Desinteresse daran ist einen Text zu lesen, der länger ist als 3 Zeilen. Da ist es schwer mehr als knappe Botschaften zu senden.
Die pol. Jugendorganisationen schaffen das aber schon ganz gut. Die Webseite der grünen Jugend Dortmund http://www.gruene-jugend.de ist echt gelungen, genauso, wie die der Jusos: http://www.jusos-dortmund.de. Auch gefällt mir sehr der neue YouTube Channel von uns namens Rote Welle Dortmund http://www.youtube.com/user/JusosDortmund.
Die Seite der Jungen Union: http://www.ju-dortmund.de ist sehr konservativ gehalten und ist an vielen Stellen noch eine Baustelle zudem find ich die Artikel, wie die solidarisierung mit den Mißfelder-Statements unter aller Sau.
Liebe Grüße,
Horst
02:39
Wenn die Parteien dann irgendwann komplett auf Plakat- und TV-Werbung zugunsten Twitter verzichten, wäre das endlich mal eine gelunge, fortschrittliche Wendung.
Die platten Wahlsprüche sind nämlich wie geschaffen für Twitter und den restlichen Web2.Hohl-Kram und ich muss mir den ganzen Sprüchemüll dann nicht mehr auf der Straße oder vorm Fernseher antun.