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Wagner-Jahr — Parsifal im Konzerthaus frenetisch gefeiert

22.01.2013 | 00:13 Uhr
Wagner-Jahr — Parsifal im Konzerthaus frenetisch gefeiert

Dortmund. Glanzvoller Auftakt des Wagner-Jahres im Konzerthaus Dortmund: Die konzertante Aufführung von Wagners Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ wurde am Sonntag in der Brückstraße frenetisch gefeiert. Zu Recht.

Das am 26. Juli 1882 im Festspielhaus Bayreuth uraufgeführte Werk dauerte über vier Stunden. Das erfordert Sitzfleisch. Wenn aber eine Interpretation durch Orchester und Solisten so spannend gelingt wie am Sonntag, dann vergeht die Zeit wie im Fluge.

Allen voran zu nennen ist hier nicht der Titelheld, den Simon O’Neill mit hellem, in der Höhe bisweilen stählernem Tenor kreierte, sondern Frank van Hove: Der deutsche Bass ist ein schneidiger Gurnemanz, in jedem Augenblick präsent und mit exzellenter Textartikulation. Lediglich im dritten Akt wird er am Ende der einen oder anderen Phrase einmal vom Orchester zugedeckt.

Angela Denoke spürt der zwiespältigen Gestalt der Kundry in allen Nuancen nach: Verwirrte und Büßerin im ersten und letzten Akt, besticht sie hier mit kraftvollem, aber schlankem Brustregister, als Verführerin im zweiten Akt hat sie lyrische Töne parat, die der Figur manchmal sogar mädchenhafte Züge verleihen.

Matthias Goerne versieht den Amfortas mit samtigem, weichem Ton, bleibt, der Rolle des verwundeten Gralshüters angemessen, vor allem im ersten Akt oft sotto voce und verfügt über eine mühelose Höhe und eine ungeheuer suggestive Kraft, so dass dem Hörer in der entsprechenden Szene im ersten Akt tatsächlich der Gral vor dem geistigen Auge erscheint. Victor von Halem mit sonorem Bass gestaltet einen überzeugenden Titurel, während man sich bei Johannes Martin Kränzles Klingsor vielleicht noch etwas mehr Dämonisches gewünscht hätte.

Der Balthasar-Neumann-Chor ist nicht nur als Gesamtheit ein homogenes klangliches Erlebnis, auch diverse Soli (Ritter, Blumenmädchen) lassen aufhorchen, ebenso wie der Knabenchor der Chorakademie (Einstudierung Jost Salm), der mit glockenhellen und vor allem sehr rein intonierenden Sopranen besticht.

Das um etliche Musikerinnen und Musiker aufgestockte Balthasar-Neumann-Ensemble, das man sonst vor allem als auf Barock spezialisierte Truppe kennt, musiziert sehr differenziert, klanggewaltig ist der Marsch zum Heiligen Gral, aber auch zarte, filigrane Passagen vermisst der Hörer nicht. Nur selten ist einmal ein Bläsereinsatz nicht ganz präsent oder tritt eine leichte rhythmische Irritation ein, was aber bei über vier Stunden durchaus verzeihlich ist.

Martina Lode-Gerke

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Kommentare
01.02.2013
12:42
Wagner-Jahr — Parsifal im Konzerthaus frenetisch gefeiert
von ulli910 | #1

Hat da eigentlich jemand dirigiert???

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