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Landgericht

Vorbestrafter Gewalttäter soll angeblich Prostituierte aus dem Fenster geworfen haben

13.06.2012 | 17:56 Uhr
Vorbestrafter Gewalttäter soll angeblich Prostituierte aus dem Fenster geworfen haben
Der Angeklagte Chrostopher P., hier mit seinem Verteidiger Dr. Detlev Binder.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Laut Anklage hat er eine Prostituierte aus dem Fenster geworfen, muss sich dafür jetzt wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht verantworten. Am Mittwoch verkündete der Angeklagte Christopher P. dem Gericht in Dortmund, wie er sich selbst sieht – und zwar immer als Opfer.

Mit 20 Jahren rammte Christopher P. seiner Freundin (14) ein Messer in den Hals, kassierte dafür über vier Jahre Haft. Jetzt sitzt er auf der Anklagebank, weil er am 17. August 2011 eine Prostituierte in der Nordstadt von Dortmund aus dem Fenster geworfen haben soll. „Ich habe in meinem Leben Probleme immer mit Gewalt gelöst“, ließ er das Schwurgericht am Mittwoch wissen.

Doch wer meint, in diesem Satz befinde sich auch nur ein winziger Funke von Selbstreflexion, der irrt. Der heute 25-Jährige zerfließt vielmehr in Selbstmitleid. Mehrere Seiten lang ist das Schreiben, in denen er allen möglichen Menschen und natürlich der Gesellschaft im allgemeinen die Schuld an seiner Entwicklung gibt. Nur nie sich selbst.

Der böse Stiefvater habe ihn in die Obdachlosigkeit getrieben

Da ist der böse Stiefvater, vor dem er regelrecht aus dem Haus geflohen sei. „Mein Vater wollte mich verprügeln, ich bin auf der Arbeit mehrmals zusammengebrochen.“ Auch habe der Bösewicht sein Konto leergeräumt und ihn somit in die Obdachlosigkeit getrieben.

Dann ist die Familie seiner damals 14-jährigen, von ihm schwer verletzten Freundin an der Reihe. Deren Eltern waren vor allem wegen des Altersunterschieds nicht gerade begeistert von der Beziehung. „Die haben mich verprügelt und angegriffen, ich hatte sogar mal ein blaues Auge“, liest Christopher P. weiter aus seinem mehrseitigen Brief vor. Ganz zu schweigen von den Anzeigen „wegen Körperverletzung, Vergewaltigung, und alles völlig zu Unrecht“.

„Die Polizei sprang äußerst krass mit mir um“

Er habe sich ja in Eving kaum noch auf die Straße getraut, überall sei „Schlimmes“ über ihn erzählt worden. Als dann noch „die Polizei äußerst krass mit mir umsprang“, da sei er „psychisch völlig fertig“ gewesen. Es kommt der weinerliche Satz: „Ich sagte dann, dass auch ich Grenzen habe.“

Auch im Gefängnis gab es immer nur Ärger

Selbst bei seiner späteren Tournee durch diverse Gefängnisse in NRW sei ihm eine Welle von „Drohungen, Beleidigungen und Mobbing“ entgegengeschlagen. Ob in Siegburg, Werl oder Dortmund – überall habe man ihm Böses gewollt, überall habe er sich beschweren müssen...

Auch die Prostituierte Temenuzka Y. (25) soll ihn im Morgengrauen des 17. August provoziert haben, bevor sie von selbst aus dem Fenster stürzte – so seine Aussage. Am Freitag wird ein Gutachter gehört, der das Tatgeschehen rekonstruiert.

Kathrin Melliwa



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