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Vorbereitet auf den Pflegefall

22.08.2012 | 11:00 Uhr
Vorbereitet auf den Pflegefall
In einem Pflegetagebuch sollte genau notiert werden, wieviel Hilfe nötig ist,Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   „Viele leisten die Pflege selbst und finanzieren diese auch selbst, obwohl sie Hilfe bekommen könnten“, weiß Christine Gilbert vom Seniorenbüro. Was ist zu tun, wenn der Pflegefall eintritt? Wir geben Tipps.

Erst wenn sie überfordert sind, führt ihr Weg ins Seniorenbüro. Sie haben ihre Angehörigen gepflegt bis zur Erschöpfung . „Viele leisten die Pflege selbst und finanzieren diese auch selbst, obwohl sie Hilfe bekommen könnten“, weiß Christine Gilbert vom Seniorenbüro Innenstadt West. Was die Pflegekasse leistet, wie eine Pflegestufe und somit eine finanzielle Unterstützung beantragt werden kann – bei diesen Fragen helfen die Seniorenbüros und die Pflegestützpunkte, die von der Stadt unter anderem in den Seniorenbüros eingerichtet wurden.

„Viele Menschen wenden sich auch an uns, wenn durch eine Erkrankung plötzlich ein Pflegefall eintritt“, erzählt Gilbert. Auch in diesem Fall sei es wichtig, sich Beratung zu holen. Am besten schon, bevor der Notfall eintritt. Die Mitarbeiterinnen des Seniorenbüros und Stefanie Bange, Pflegeberaterin bei der AOK Nordwest, haben Tipps zusammengestellt, was zu tun ist, wenn der Pflegefall eintritt.

Antrag stellen

Um finanzielle Unterstützung zu bekommen, muss bei der Pflegekasse ein Antrag auf eine Pflegestufe gestellt werden. Die Pflegekasse ist in der Regel über die Krankenversicherung zu erreichen. Der Antrag kann formlos gestellt werden. Die Pflegekasse schaltet daraufhin den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) ein, der den Pflegebedürftigen zu Hause besucht und den Pflegeaufwand einschätzt. „Spätestens innerhalb von fünf Wochen muss der Termin zur Begutachtung stattfinden“, weiß Nicole Rekittke vom Seniorenbüro.

Pflegetagebuch führen

In einem Pflegetagebuch sollte vor dem Besuch des MDK genau notiert werden, wobei der Pflegebedürftige Hilfe braucht, wann genau der Hilfebedarf auftritt, wie er aussieht und wieviel Zeit die Hilfe in Anspruch nimmt. „Das Tagebuch sollte so genau wie möglich geführt werden“, rät Stefanie Bange von der AOK.

Genau informieren

Was genau fragt der MDK? Was sind pflegerelevante Kriterien? Was ist pflegeerschwerend? „Über alle Fragen kann man sich vor dem Termin mit dem MDK gut informieren“, sagt Christine Gilbert. Zum Beispiel sei es wichtig zu wissen, dass zum Beispiel eine zittrige Hand den Pflegebedarf erhöht. „In dem Fall sollte genau notiert werden, wann und wie oft das Zittern auftritt“, rät Stefanie Bange.

Ehrlich sein

„Wer gibt schon gerne zu, dass er Hilfebedarf hat?“ – Stefanie Bange von der AOK kennt solche Fälle. Am dem Tag, an dem der Gutachter vom MDK zu Besuch ist, geht es dem Patienten gut, er versichert, dass er alles ganz gut hinkriegt. „Viele schämen sich“, weiß Bange. Aber das verzerrt das Bild. „Hinterher ist leider kein Pflegebedarf festgestellt worden.“

Vorher zum Arzt gehen

Liegt eine Demenzerkrankung vor? „Es ist wichtig vor dem Besuch des MDK eine genaue Diagnose vom Arzt einzuholen“, betont Christine Gilbert. Und beim MDK-Besuch Arztberichte vorzuhalten.

Weitere Finanzierungen?

Ist dennoch keine Pflegestufe 1 oder mehr ermittelt worden, können Senioren, die unter einer bestimmten Einkommensgrenze liegen, einen Antrag beim Sozialamt auf Hilfen zur Pflege stellen. Aber auch die freie Finanzierung eines Pflegedienstes sei oft nicht so kostspielig wie vermutet. „Zwischen 18 und 22 Euro kostet eine Stunde“, informiert Gilbert.

Von Christina Römer


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