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Von Superdesks und Newscafés

28.01.2010 | 21:00 Uhr
Von Superdesks und Newscafés

Superdesk, 3D-Welten oder Newscafé - es gibt viele Möglichkeiten der digitalen Mediennutzung und reichlich Ideen ausländischer Zeitungsverlage. Einige davon präsentierte ein internationales Trio von Medienwissenschaftlern: Prof. Dr. Susanne Fengler, Prof. Dr. John Pavlik und Bruno Ingemann

Prof. Dr. Susanne Fengler, TU Dortmund

Nur 40 Prozent der deutschen Journalisten nutzt Blogs als Recherchequelle. Die amerikanischen Journalisten seien da schon offener, sagt Susanne Fengler in ihrem Vortrag. 90 Prozent der schreibenden Zunft in den USA recherchiert in Blogs, filtert Ideen und geht damit viel intensiver auf die neuen Informationskanäle ein. Gleichzeitig demonstrierte Fengler, dass in angelsächsischen Ländern auf die Recherche mehr Zeit verwendet wird als im heimischen Journalismus. Nur 21 Prozent des Aufwands fließt hier in die Recherche, in den USA sind es 44 Prozent und in Großbritannien sogar 48 Prozent. „In Deutschland wird viel stärker auf Agenturen zurückgegriffen“, sagt Susanne Fengler, Professorin für Internationalen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund.

Newscafés in Tschechien

Der Lokaljournalismus im Wandel – auch Susanne Fengler glaubt, dass neue Geschäftsmodelle und Ideen unerlässlich sind. So hat etwa der Verlag PPF Media in Prag Newscafés in kleineren Städten eingerichtet. Dort können sich Bürger aktiv an der Gestaltung der Zeitung beteiligen. „Die Redaktion ist Bestandteil des Gemeindelebens“, sagt Susanne Fengler. Wie sich ein solches Modell finanziert, darauf hat auch Fengler keine hundertprozentige Antwort parat. Allerdings glaubt sie, dass man Möglichkeiten entwickeln sollte, auch im lokalen Anzeigenbereich vermehrt auf innovative Medienformen zu setzen. Hier würden sich neue Chancen für Einnahmequellen bieten.

Video
RZ-Chefredakteur Christian Lindner interviewt Medienfachleute auf dem Forum Lokaljournalismus in Dortmund. Schnitt: Markus Hündgen

Bei John Pavlik, Professor an der Rutgers Universität, spielt sich die Zukunft in 3D ab. Ob Studentenrevolten anno 1968 oder eine virtuelle Übersicht der Campus-Gebäude in New York, Pavlik illustrierte den Teilnehmern in der Expertenrunde, wie Geschichten in der 3-D-Welt erzählt werden können. Auch auf den Lokaljournalismus ließen sich virtuelle Konzepte anwenden: Pavlik denkt da etwa an eine virtuelle Tageszeitung, ähnlich wie bei Harry Potter, dessen magische Tageszeitungsbilder eher einer Videosequenz gleichen. Den Arbeitsplatz des Lokaljournalisten sieht Pavlik komplett digital ausgestattet, stets am Ort des Geschehens und nicht in der Redaktion.

Superdesk in Norddänemark

Die Redaktion ist für den Dänen Bruno Ingemann, Medienberater, dagegen ein Superdesk: TV, Radio, Print und Online vereint an einem Schreibtisch. Ein Zukunftsmodell, das die „Nordjyske“ bereits umgesetzt habe und damit 90 Prozent der Bevölkerung erreicht. Das Modell gibt es seit 2003. Seitdem wurden alle Redakteure in TV-, Radio- und Internetjournalismus geschult. Das sei nicht einfach gewesen, gibt Ingemann zu. „Es müsste ein Umdenken in den Köpfen der Redakteure, die teilweise 20 Jahre nur Print gemacht haben, stattfinden.“ Im Mittelpunkt stehe die Geschichte, nicht das Medium, indem sie publiziert werde, so Ingemann. „Wir wollen zurück zum Geschichtenerzähler“, sagt Bruno Ingemann.

Kerstin Wördehoff und Jessica Buschmann

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