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Anne-Frank-Gesamtschule

Von der Schulbühne ins echte Leben

14.11.2012 | 07:00 Uhr
Von der Schulbühne ins echte Leben
Schreien, laufen, Tiere nachmachen – das Training für „Mein erstes Mal“ startete gestern in der Anne-Frank-Gesamtschule.Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.  Das Theaterfestival Favoriten lädt Schüler ein, mitzumachen. 15 Jugendliche der Anne-Frank-Gesamtschule lassen sich auf ein gewagtes Theaterprojekt ein und erobern kreativ die Stadt.

„Theater ist nicht langweilig! Man sitzt nicht einfach da wie im Kino. Da sind Menschen und die wollen dir etwas sagen“, schwärmt Ruken Celik. Die 15-jährige Schülerin der Anne-Frank-Gesamtschule weiß, wovon sie spricht. Schließlich hat sie im Wahlpflichtfach „Darstellen und Gestalten“ schon an mehreren Theaterstücken mitgewirkt. Beim Theaterfestival Favoriten geht sie einen Schritt weiter: Ins echte, wahre Leben außerhalb von Bühne und Schule. Gestern begann das Training.

Für die Theaterinszenierung, an der sie teilnehmen wird, verlangt Theaterpädagoge Stefan Blank den 15 Schülerinnen – und einem Schüler – der Stufe neun eine Menge ab. Zusammen mit sieben Sozialwissenschafts-Studenten der Technischen Universität hat er das Konzept entwickelt. „Wir möchten mit der Hälfte von euch eine Quatsch-Reiseführung durch die Innenstadt machen“, erklärt Rebecca Standish-Leigh. „Wir werden euch Sachen zu Dingen erklären, die eigentlich nicht wichtig sind, wie Bordsteine und sowas. Ihr staunt dann richtig übertrieben und macht Fotos.“ Die andere Hälfte der Schüler wird einen fiktiven Tatort mit Leben füllen.

„Was machen wir, wenn uns die Leute für blöd halten und anmachen?“, fragt Ruken. So ganz geheuer scheint es ihr nicht, Quatsch auf der Straße zu veranstalten. „Ignorieren“, murmelt jemand und „weggehen“. Aber das findet Ruken nicht gut. „Wir könnten alle klatschen, dann sind die irritiert“, findet sie selbst die Antwort.

Dass die Schüler aber grundsätzlich keine Scheu vorm Quatsch-Machen haben, beweisen sie sofort: Sie sollen lustige Gangarten und Tiere nachmachen, ihre Mitschüler anfeuern oder begrüßen, als ob sie lang verschollene Freunde wären – auch die Studenten. Niemand zögert. „Das ist eine tolle Gruppe“, lobt Projektleiter Stefan Blank. „Die scheinen alle theaterbegeistert zu sein und können auch schon einiges.“

Patenschaft für Theaterbesuch

Neben dem ungewöhnlichen Schauspiel haben die Jugendlichen ihren Zuschauern noch etwas anderes zu bieten: eine Theaterpatenschaft. Sie können neugierige Passanten zu einem Theaterbesuch beim Favoriten-Festival einladen und dann zusammen zur Vorstellung gehen. Weil vor allem Leute eingeladen werden sollen, die bisher wenig Erfahrung mit Theater haben, heißt das Projekt „Mein erstes Mal – beim Theater.“

Blerta Limani freut sich darauf, ihr Hobby jemand anderem nahe zu bringen. „Beim Theater versteht man auch was. Letztens ging es um Mobbing und wie das für die Leute ist“, sagt die 15-Jährige. Das möchte sie ihrem Paten erklären. Am Freitag kann man ihr und den anderen in der Innenstadt und am Borsigplatz begegnen.

Maike Rellecke



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