Vom TV-Sportstudio in den TU-Hörsaal
04.05.2008 | 17:30 Uhr 2008-05-04T17:30:00+0200Als "ideale Vorbereitung auf meinen Beruf" bezeichnet Michael Steinbrecher sein Journalistik-Studium in Dortmund. So jedenfalls steht es auf der Internet-Seite des populären TV-Journalisten und ZDF-Sportstudiomoderators.
Das Bekenntnis erhält nun einen neuen Dreh: Steinbrecher will zurück an "seine" Uni - als Professor. Der 42-Jährige steht in der Runde der letzten vier Bewerbe um die Stelle eines ordentlichen Professors am Institut für Journalistik. Erhält Steinbrecher den Zuschlag, darf er sich ab dem kommenden Wintersemester als Professor der Besoldungsgruppe W3 (Grundgehalt ca. 4900 Euro) forschend und lehrend der "crossmedialen Entwicklung des Journalismus" widmen.
Bereits am kommenden Montag werden die wissenschaftlichen und pädagogischen Qualitäten des Fernsehjournalisten und Grimme-Preisträgers auf den Prüfstand gestellt. Im Rahmen des üblichen Bewerbungsverfahrens muss der gebürtige Dortmunder im Institut für Journalistik einen 15-minütigen Vortrag mit anschließender Lehrprobe halten - so wie seine drei Mitbewerber auch.
Steinbrecher, dem Auftritte vor Publikum vertraut sein dürften, wird dabei nicht hinter verschlossenen Türen begutachtet. Ausdrücklich hat die Institutsleitung alle Journalistikstudenten eingeladen, dem Berufungsverfahren beizuwohnen. "Die Berufungskommission würde sich über eine rege Beteiligung auch von Seiten der Studierenden freuen", heißt es in einer Rund-Mail an alle Nachwuchsjournalisten, die der WAZ vorliegt. Schließlich handele es sich um eine Stelle, die gerade für die praktische journalistische Ausbildung von zentraler Bedeutung sei. Der bisherige Stelleninhaber Prof. Ulrich Pätzold geht Ende des Sommersemesters in den Ruhestand.
Der Doktorhut wartet schon
Steinbrecher steht ein wissenschaftlich starkes Bewerberfeld gegenüber. Seine drei Konkurrenten Sonja Kretzschmar, Klaus Meier und Thorsten Quandt können Promotion und Habilitation vorweisen. Doch obwohl entgegen landläufiger Meinung derartige Qualifikationen für die Berufung zum Professor nicht zwingend erforderlich sind, hat Michael Steinbrecher noch einmal selbst zur akademischen Feder gegriffen und - in Dortmund - erst kürzlich seine Dissertation eingereicht. Thema der Arbeit: Die Olympischen Spiele von 1996 bis 2006 im Blickwinkel der Medien. Das Promotionsverfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Den Doktorhut darf Steinbrecher erst ab Ende Mai aufsetzen.
Zu sprechen war der frühere BVB-Jugendspieler und Drittligist bei Westfalia Herne für unsere Redaktion gestern nicht. Steinbrecher stecke "mitten in den Vorbereitungen für die Lehrprobe", sagte eine Mitarbeiterin seiner Produktionsfirma Stonebreaker TV GmbH. Auch TU-Sprecher Ole Lünemann legte sich äußerste Zurückhaltung auf: "Wir sagen nichts. Wir wollen das laufende Verfahren nicht gefährden."
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