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Vom Knöllchen-Frust zur "blöden Kuh"

26.10.2007 | 22:00 Uhr

Das Knöllchen am Scheibenwischer lässt den Adrenalin-Pegel schlagartig ansteigen. Die Politesse wird zum Blitzableiter für den Wutausbruch. Beschimpfung, Beleidigung und neuerdings auch Bedrohung. Amtsleiter Ortwin Schäfer: "Die Mitarbeiter müssen sich ni

"Du blöde Kuh" - das zählt zu den gängigen Beleidigungen auf der Straße. Ob sie nichts Richtiges gelernt habe?, müssen sich Politessen fragen lassen, wenn der Strafzettel für Zornesröte sorgt. "Nerven behalten und die Ohren auf Durchzug stellen", empfiehlt der Leiter des Ordnungsamtes seinen Mitarbeitern im Außendienst ein dickes Fell. Lass ihn schimpfen, ansonsten droht eine Situation zu eskalieren. Das werde in Schulungen mit einer Trainerin sogar eingeübt.

"An verbalen Attacken müssen sich die Kolleginnen einiges über sich ergehen lassen", weiß Schäfer zu berichten. Wenn's unter die Gürtellinie geht , schrecken die Politessen nicht davor zurück, sich juristisch zu wehren. Dann kann ein Knöllchen auch einige hundert Euro kosten.

Politessen versuchten in den Regel, einen ertappten Falschparker vom Fehler seines Tuns zu überzeugen. Aber die Einsicht sei oft begrenzt, wenn die Parkzeit überschritten oder der Wagen behindernd abgestellt wurde.

Viele Fahrer sehen erst einmal Rot, wenn sie die Zahlkarte am Auto entdecken. Wenn die Amtsperson bei verbalen Attacken die kalte Schulter zeigt, dreht mancher erst recht durch. Der Fall eines aufbrausenden Südländers, der eine Politesse angriff, ist Schäfer noch lebhaft präsent. Die Verwaltungsfrau hatte sich damals nur noch mit dem sogenannten "Neandertalerknochen", wie das Eingabegerät wegen seiner Form genannt wurde, wehren können. Der Fall sei vom Amtsrichter geahndet worden.

Genauso wie die Attacke eines anderen Autofahrers, der sich ans Steuer setzte und die Politesse anfuhr, die ihn gerade aufgeschrieben hatte. Auch in diesem Fall kannte das Gericht kein Pardon.

Wenn Politessen die Polizei holen

Das Klima auf der Straße wird rauer. 200 000 klassische Knöllchen werden jedes Jahr geschrieben. In Brackel ging ein Zeitgenosse zum Angriff über. Das Gericht brummte ihm 15 Tagessätze a 100 Euro zusätzlich auf.

"Die Kolleginnen beklagen sich, dass Beleidigungen und Bedrohungen zugenommen haben", berichtet Schäfer. "Wegelagerei" und "Schweinerei" wird ihnen zugerufen.

Übergriffe und Tumulte hat es auch schon bei der Verkehrsüberwachung gegeben. Der Amtsleiter schildert den Fall einer Radarkontrolle in der Kuithanstraße. Dort war das Tempolimit von 50 auf 30 km/h heruntergesetzt worden. Als mehrere Autos geblitzt wurden, setzten die Fahrer zurück und beschimpften die Insassen des Radarwagens. Die fühlten sich derart bedroht, dass sie sich im Auto verschanzten und die Polizei riefen.

Von Gerald Nill

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