Vom Heiligen zum bärtigen Draufgänger
15.11.2007 | 21:58 Uhr 2007-11-15T21:58:40+0100Nikolaus war ein guter Mann. Ob das so stimmt und wie sich der Heilige zur Werbefigur entwickelte, das zeigt die neunte Weihnachtsausstellung im Museum für Kunst und Kulturgeschichte (MKK). Titel: "Morgen kommt der Weihnachtsmann..."
Santa Claus, Nikolaus, Weihnachtsmann - wer diese Titel heute hört, hat meist das Bild eines dickbäuchigen Bärtigen mit roten Bäckchen und Gewand vor Augen. Das aber war nicht immer so: "Wir schlagen den Bogen vom historischen Menschen zum colatrinkenden, auf dem Schlitten sitzenden Mann", sagt Wolfgang E. Weick, Museumsdirektor des MKK.
Legenden ranken sich nämlich schon seit dem sechsten Jahrhundert um den guten Herrn: In der historischen Figur des Nikolaus' verschmilzt die Geschichte zweier Männer, des Bischofs Nikolaus von Myra aus Vorderasien sowie Abt Nikolaus von Sion, wie Kuratorin Dr. Manuela Borkenstein Neuhaus erklärt. Welche Bedeutung der Heilige in der orthodoxen und katholischen Kirche hat, zeigen russische Ikonen aus dem 18. Jahrhundert sowie sowie eine große Holzskulptur aus Süddeutschland (um 1750). Als Schutzpatron der Seeleute und Kaufleute verehrt, raubten italienische Piraten 1087 die Gebeine des Nikolaus' von Myra und brachten sie nach Bari. Ihre Ankunft wird dort noch immer gefeiert - wie kleine Figuren in der Schau zeigen.
Ohnehin ist die Schau eine, die vor allem durch ihre Hintergründe an Spannung gewinnt. Die Exponate selbst dienen eher zur Verlebendigung.
Eine skurrile Geschichte etwa steckt hinter dem Glauben, dass der Nikolaus die Geschenke bringt: So soll ein verarmter Adeliger seine drei Töchter zur Prostitution abgeschrieben haben - bis der Nikolaus zur Ehrenrettung Goldklumpen in das Haus warf. Und so stellten Kinder schon vor 500 Jahren vor die Tür, was ihnen eben in die Finger kam: Papierschiffchen, Schuhe, Teller.
Persönlich vorbei kam der Nikolaus ab dem 17. Jahrhundert - inklusive finsterer Begleiter. Wer Knecht Ruprecht begegnete, hatte noch Glück. Der Krampus im Alpenländischen trat meist in Scharen auf, hatte Teufelshörner und eine rasselnde Kette, wie Formen und Postkarten zeigen.
Der Weihnachtsmann derweil hat auch eine fast 200-jährige Tradition. Das MKK zeigt eine Zeichnung von Thomas Nast 1881 aus dem amerikanischen Journal "Harpers Weekly": Von einem rundbäuchigen, bärtigen Mann - ganz ohne Cola. Die gab es da nämlich noch nicht.
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