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Doppel-Übernahme

Volmarstein übernimmt Bethanien und Lüdo

01.02.2012 | 18:27 Uhr
Volmarstein übernimmt Bethanien und Lüdo
Ev. Krankenhaus Lütgendortmund.

Dortmund. Die beiden evangelischen Krankenhäuser Lütgendortmund und Bethanien in Hörde sind von der Evangelischen Stiftung Volmarstein übernommen worden. Damit hat der Übernahme-Poker ein Ende gefunden.

Die beiden evangelischen Krankenhäuser Lütgendortmund und Bethanien in Hörde sind von der Evangelischen Stiftung Volmarstein übernommen worden. Damit hat der Übernahme-Poker ein Ende gefunden.

Gestern wurde die Belegschaft über den neuen Träger informiert. Nach Auskunft des Stiftungsvorstandes und neuen Geschäftsführers, Markus Bachmann, habe die Belegschaft die Nachricht „sehr, sehr positiv aufgenommen“. Die Mitarbeiter seien „hochgradig zufrieden“.

Für die 650 Beschäftigten in den beiden Häusern gebe es eine Arbeitsplatzgarantie bis 2013. Mit einer Ausnahme: Die rund 150 Servicekräfte, also Reinigung und Wäscherei, dürfen nur bis Ende des Jahres sicher bleiben. „Das gehört nicht zu unserem Kerngeschäft“, deutete Bachmann an, dass das Servicepersonal in eine Privatgesellschaft ausgegliedert werde, das allerdings räumlich noch in Lütgendortmund angesiedelt bleibe.

Die Schließung einer Abteilung werde ausgeschlossen, so der neue Geschäftsführer. Im Gegenteil: Der Umsatz soll um 10 bis 20 Prozent gesteigert werden. „Das Krankenhaus hat im Verhältnis zu seiner Größe zu wenig Patienten“, forderte Bachmann eine höhere Fallzahl und auch qualitativ mehr Patienten, die Einnahmen bringen. Den Mitarbeitern wurde in der Belegschaftsversammlung angekündigt, dass sie einen „steinigen Weg“ vor sich hätten, um die Krankenhäuser in Hörde und Lütgendortmund profitabel zu machen.

Die Häuser seien in einer „schwierigen wirtschaftlichen Lage“, so Bachmann. Es gebe ein Millionen-Defizit. Deshalb habe bei der Übernahme auch nicht der Kaufpreis im Vordergrund gestanden, über den Stillschweigen vereinbart wurde.

Vielmehr sei es das Konzept zur medizinischen Weiterentwicklung, was für den neuen Träger gesprochen habe. Wie berichtet, hatte sich auch eine Schweizer Krankenhaus-Kette für die beiden Dortmunder Häuser interessiert.

Die beste Nachricht, die die Stiftung Volmarstein gestern geben konnte, ist eine Investitionsabsicht in Höhe von zehn Millionen Euro für die näch-sten fünf Jahre. Damit sollen die Standorte Hörde und Lütgendortmund fit für die Zukunft gemacht werden. Unter anderem sollen hochmoderne Medizingeräte angeschafft werden.

Neben ihren Funktionen als Krankenhaus der Nachversorgung sollen beide Kliniken ihre Schwerpunkte stärker als bisher besser herausarbeiten. Für das Bethanien ist es die Orthopädie. Hier soll Hörde vom enormen Know-how der bekannten Volmarsteiner Kliniken profitieren.

Im Falle Lütgendortmund soll vor allem auf die Gerontologie, also die Altersmedizin, gesetzt werden. Im Übrigen sollten hier Diagnostik und Therapie stärker verzahnt werden.

Der neue Krankenhaus-Träger hat Erfahrungen mit Krankenhaus-Übernahmen. 2006 wurde das Evangelische Krankenhaus Hagen-Haspe übernommen. Laut Bachmann gab es dort seitdem keine betriebsbedingten Kündigungen.

Synergien, das heißt Einsparungen, sieht die Stiftung Volmarstein vor allem in den Bereichen Verwaltung und Beschaffung. Bei Verhandlungen mit Lieferanten und Kostenträgern habe eine große Gemeinschaft eine stärkere Position. Mit dem bisherigen Geschäftsführer der evangelischen Häuser werde aktuell verhandelt. In der Geschäftsführung werde Ubbo de Boer aber definitiv nicht bleiben.

KOMMENTAR

Es ist schon ein paar Jahre her, da hieß es , dass jedes vierte Krankenhaus im Land schließen müsse, weil es teure Überkapazitäten gibt. Seitdem ist in Dortmund keine einzige Klinik über die Ruhr gegangen. Aber die Medizin-Landschaft ist dennoch gewaltig in Bewegung geraten.

Die Luft ist für die kleinen Häuser dünner geworden. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, wann das Bethanien in Hörde und das Ev. Krankenhaus in Lütgendortmund übernommen werden. Spekuliert wurde darüber schon lange. Jetzt vermelden die kirchlichen Träger eine kirchliche Lösung. Aber was heißt das in diesen Zeiten? Auch die Kirche muss an unschönen Stellschrauben drehen. Die treffen als erstes die Beschäftigten am unteren Ende der Gehaltsskala. Sie werden vermutlich zum Jahresende ausgegliedert und dürfen sich dann bei einem privaten Arbeitgeber für ein paar Euro weniger verdingen.

Aber die Übernahme soll nicht verteufelt werden. Dass der neue Träger zehn Millionen Euro mitbringt und in die Zukunft der beiden Dortmunder Kliniken bringt, ist nicht selbstverständlich. Wie häufig geht es doch bei Übernahmen nur darum, dass der Übernommene ausgebeutet wird.

Dass ein gutes Management einen Wackel-Kandidaten durchaus am Markt und überaus wettbewerbsfähig aufstellen kann, hat unlängst das Klinikum bewiesen. Auch dort wurde ein „steiniger Weg“ beschritten. Am Ende stand das Haus gesundet da.

Gerald Nill



Kommentare
02.02.2012
08:17
Wie bitte soll ich das verstehen müssen ?
von hamicha | #1

"... Neben ihren Funktionen als Krankenhaus der Nachversorgung ..." .
Meine persönliche Erfahrung nach 2 Op´s vor kurzer Zeit in LüDo ist die,daß dieses Krankenhaus sich gerne einer Nachsorge verschließt und diese auf den Haus-/Facharzt zu übertragen versucht,damit ist ja auch kein Geschäft zu machen infolge der Gesundheitsreformen.
Wesentliche Teile des "Kerngeschäftes" in der Chirurgie sind ja m.W. bereits ausgelagert worden. Trotzdem war ich mit der mit der Chirurgie zufrieden. Wenn ich jedoch jemals wieder auf die "Innere" müßte würde ich dieses Haus auf jeden Fall meiden.

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