Vier Tage Streik an der Kinokasse im Cinestar Dortmund - Vorstellungen ausgefallen
09.01.2012 | 15:29 Uhr 2012-01-09T15:29:41+0100
Dortmund. Die Dortmunder Cinestar-Mitarbeiter streiken für einen Tarifvertrag.
„Ziemlich beste Freunde“ – die aktuelle Kinokomödie passt gerade nicht auf das Verhältnis zwischen Dortmunds Cinestar-Theaterleiter Carsten Gülker und einem Großteil seiner Mitarbeiter. Die kämpfen für einen Haustarifvertrag und sorgen mit Streiks für den ein oder anderen Filmriss.
Für die insgesamt 120 Beschäftigten des Cinestar Dortmunds regelt zurzeit kein Tarifvertrag ihre Arbeitsbedingungen und Entgelte. Der Stundenlohn bei Ticketverkauf, Kartenabriss und Popcornverkauf fängt bei 6,20 Euro an – „das ist viel weniger als vergleichbare Kinounternehmen ihren Beschäftigten zahlen“, bemängelt Verdi-Verhandlungsleiter Frank Schreckenberg.
Eben diese Verhandlungen sind im Dezember in der ersten Runde gescheitert. Das Angebot der Arbeitgeberseite, eine „Ergebnisbeteiligung“, hatte die Gewerkschaft abgelehnt. Schreckenberg: „Eine solche erfolgsabhängige Zahlung ist in Managementkreisen üblich, im Niedriglohnbereich jedoch völlig absurd“.
Theaterleiter Carsten Gülker bezieht auf Arbeitgeberseite Stellung: Die angesprochenen Stundenlöhne seien das Entgelt für ungelernte Teilzeitkräfte und Aushilfen in der Probezeit. Vollzeitangestellte erhielten einen Stundenlohn von bis zu 13,04 Euro – zuzüglich Nacht- und Feiertagszuschlag sowie einer jährlichen Sonderzahlung. Die vorgeschlagene Ergebnisbeteiligung hätte, so Gülker, eine weitere Einmalzahlung von bis zu 600 Euro möglich gemacht.
Vorstellungen fielen aus
Geschäftsführung und Gewerkschaft sind in einem jeweils anderen Film, auch was die Wahrnehmung der Streikfolgen betrifft. Die organisierten Mitarbeiter des Cinestar gingen nämlich statt an ihren Arbeitsplatz auf die Straße. Bis dahin standen an manchem Streiktag auch die Warteschlangen vor den Kassen. Alle Hände voll zu tun hatten laut Kinobesuchern Aushilfen, Sicherheitspersonal und auch Mitglieder der Geschäftsführung, die die Löcher stopften. Was an vier aufeinanderfolgenden Tagen mehr schlecht als recht gelang. Gestreikt wurde von Donnerstag bis Sonntag, jeweils zur Hauptgeschäftszeit. Am Sonntag fielen die Frühvorstellungen aus.
Man habe „den Betrieb ohne nennenswerte Störungen aufrechterhalten“ können, sagt Gülker und führt die langen Schlangen auf „die Ferienzeit und das starke Filmangebot“ zurück. Überall im Servicebereich sei es an allen Tagen zu erheblichen Engpässen gekommen, widerspricht Norbert Szepan (Verdi). Das lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tarifauseinandersetzung – und mittlerweile, so Szepan, seien die Dortmunder Vorreiter auch für andere Cinestarhäuser, zum Beispiel in Kassel, Osnabrück, Frankfurt.
22:32
Ich finde gut, dass über die Streikaktion berichtet wird. Aber es sind einige Dinge noch zu erwähnen:
Etwa 75 Prozent der Beschäftigten haben einen Stundenlohn von definitiv unter 7 Euro. 13,04 Euro verdient wenn überhaupt nur ein sehr geringer Bruchteil der langjährig Beschäftigten. Frau Schröder zitiert zwar nur den Theaterleiter, allerdings lässt sie diese unrealistische Zahl auch dann einfach so da stehen.
Es ist auch ein eigenartiger Fakt, dass diese niedere, von ungelernten Kräften ausgeführte Arbeit in Bochum, also bloß 20 km weiter, mit 2-3 Euro mehr pro Stunde entlohnt wird. Man sieht also, wem guter Service und ein gut gepflegtes Kino mehr wert sind.
Die langen Schlangen wären im Normalfall ganz sicher schneller geschrumpft, da die Mitarbeiter wesentlich routinierter an ihren Arbeitsplätzen sind, als eingesprungene Security-Leute oder die Geschäftsführung.
und @Dortmund4Life:
Ein Student hat ohnehin kaum eine Familie, die er ernähren möchte, sondern eher ein Leben, das er erst mal finanzieren möchte. Dass es Studenten bloß um Kundenkontakt und freien Eintritt gehe, ist ein Vorurteil. Der Student kann den Vermieter nicht mit ins Kino einladen, sondern braucht Geld, um seine Miete zu zahlen. Mit Freikarten kann man sich keine Brötchen kaufen.
16:13
LINKE-Gewerkschafter solidarisch mit Cinestar-Beschäftigten
Die örtliche Arbeitsgruppe Betrieb und Gewerkschaft der Partei DIE LINKE erklärt sich solidarisch mit dem Kampf der Cinestar-Beschäftigten.
Der erfolgreiche Abschluss eines Tarifvertrages würde nicht nur höhere Stundenlöhne bedeuten,sondern auch sichere Regelungen z.B. in Bezug auf Überstundenvergütung und Beschäftigungssicherung.
"Gute Arbeit und gute Löhne", diesen Film wollen die Gewerkschafter sehen,hoffentlich auch bald im Cinestar Dortmund.
02:43
Vielleicht sollte Frau Schröder einfach mal nachhaken, wieviele Vollzeit- und wieviele Teilzeit-/ ungelernte Angestellte/Aushilfen es dort gibt. Sind ein paar kleinste Zahlen auf einem Zettel Papier oder dem iPod, könnten aber so manche Ungereimtheit erklären. Wenn man denn seinen Job als Journalist ernst nimmt.
22:09
Das ist lustig... ich war am Donnerstag im Kino. Beim Knabberkauf hieß es auf einmal "wir streiken jetzt" - lustigerweise konnte der Angestellte selbst nicht erklären warum, verdi hätte das angeordnet. Die Mitarbeiter verschwanden, eine blieb übrig, die nun eine riesige Schlange bedienen durfte.
Vielleicht seh ich das alleine so, aber die meisten Niedriglöhner im Kino sind doch Studenten, die einfach froh sind ne Arbeit mit viel Kundenkontakt zu haben und ab und zu ein paar Freikarten abzustauben (beim Kartenpreis von 6,80 am Kinotag(!) lohnt sich selbst das alleine schon). Von 6,20 €/h wird ja niemand versuchen, eine Familie zu ernähren.