Viel Kraft und viel Telekom – Reaktionen aufs neue FDP-Logo

Kraftvoll und frisch: FDP-Chef Christian Lindner stellt das neue Logo seiner Partei vor.
Kraftvoll und frisch: FDP-Chef Christian Lindner stellt das neue Logo seiner Partei vor.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Das alte Logo der FDP war substanzlos, meinen Experten. Jetzt kommt kräftiges Magenta dazu – aber die Farbe bietet viel Raum für Telekom-Vergleiche.

Berlin.. Mit Gelb und Blau zu 18 Prozent! Bei der Bundestagswahl 2002 war die FDP voller Hoffnung, Selbstvertrauen und Elan. Aber das "Projekt 18" scheiterte. Am Ende kletterte die FDP nur von 6 auf 7,4 Prozent. Aber: Die Bilder bleiben im Kopf. Da immerhin war die Strategie erfolgreich – die Idee, mit neuen Kommunikationsmitteln auf sich aufmerksam zu machen. Die gelbe "18" unter Westerwelles hochglanzpolierten Schuhen. Das "Guido-Mobil". Und das neue Logo.

Jetzt also Magenta. Die Farbe und ihren Namen kennt man eigentlich erst seit 1996: Die Telekom läutete damit ihren Börsengang ein. Schon das lief nicht besonders: Mitten in der Börsenblase hatte das Bonner Unternehmen mit seiner Aktie Pech. Aber wofür steht Magenta eigentlich? Und wie wirkt die Farbe?

Magenta als alte Farbe der Macht

"Magenta ist die oberste Farbe des Farbenkreises, auf die sich alle Farben hinbewegen", erklärt Diplompsychologe und Autor Klausbernd Vollmar („Das große Buch der Farben“/Verlag Königsfurt-Urania). Zudem sei es früher die teuerste Farbe gewesen – und stand daher für Macht: "Von Rom, wo nur Konsuln und Senatoren einen Magentastreifen an der Toga tragen durften, bis zu romantischen Bildern späterer Herrscher im Purpurmantel drückte Magenta stets Macht aus."

Allerdings sei Magenta in Deutschland auch eine unbeliebte Farbe, so Vollmar. "Magenta drückt, wie alle Violetttöne, etwas Wankelmütiges aus, wie Goethe schrieb. Es kann sich nicht zwischen Rot und Blau entscheiden. Deshalb lehnten Künstler wie Kandinsky und alle Bauhaus-Künstler Magenta ab. Das auf die FDP zu beziehen, wäre nicht gerade charmant."

Der alte Farbklang war einfach kraftlos

Prof. Jörg Winde von der FH Dortmund erklärt die Farbwahl aus Sicht von Marketing-Experten: "Magenta steht für Frische, Leben und Lebendigkeit", weiß der Professor für Werbefotografie. Damit habe Magenta viel mit dem Rot der SPD gemein, wirke aber leichter und weniger aggressiv.

Der alte Farbklang aus Blau und Gelb sei kontrastlos gewesen, so Winde. Substanzlos und ein wenig entrückt. Im Zusammenspiel mit Magenta wirke das Logo auf einen Schlag viel kraftvoller und auch jünger. "Es war richtig, die Farbe dazuzunehmen", meint er.

Ein weiterer Unterschied zum alten Logo liegt in der Schriftart: Die neuen Buchstaben haben Serifen, also kleine Striche an den Enden. Das mache eine Schrift besser lesbar, wirke aber klassisch und tradiert, so Winde.

Neues Logo spricht junge und traditionelle Wähler an

Wäre er derjenige, der der FDP das neue Logo verkaufen müsste, dann würde er es so ausdrücken: "Der Farbklang aus Blau, Gelb und Magenta wirkt frisch und verjüngend – die Rückkehr zur Seriphen-Schrift dagegen spricht klassische Traditionswähler an."

Die FDP ist übrigens nicht die erste Partei, die Pink, Verzeihung: Magenta für sich entdeckt. Die SPD kam schon vorher drauf. Beim Europawahlkampf 2014 versuchten es die Genossen mit der bissigen Kombi aus Rot und Magenta. Das Ergebnis: Die Partei brachte es auf 27 Prozent. Vorher waren es nur 21 Prozent. Ob's an der Farbe lag...?

Und so amüsiert sich das Netz über das FDP-Magenta:

Bei den Nutzern der sozialen Medien kommt das neue FDP-Logo nicht sonderlich gut an. Ihnen ist es allenfalls gleichgültig. Die Partei muss viel Spott und Häme über sich ergehen lassen. Meist sind es Anspielungen auf Farbvetter Telekom. Wie etwa Twitterer @gerritrichter: "Hat bei den Telefonzellen auch sehr gut funktioniert: Erst gelb, dann magenta, dann verschwunden." Und @dillinger4010 lässt sich zum launigen Wortspiel "damit die jemand wählt" hinreißen.

Auch @FranzDofficial schlägt in die Telekom-Bresche. Wenn sich die FDP in Magenta hüllt, müsse sich die Telekom wohl eine neue Farbe fürs Corporate Design suchen – seriöses Königsblau zum Beispiel. Noch eine Assoziation Richtung Bonn: "Wird jetzt die Telekom steuerbefreit? ", frotzelt @peterpstuttgart. Und die Kollegen der Münchner @abendzeitung haben noch eine andere Idee: "AZ-Redakteur @Lokoschat denkt bei der neuen FDP-Farbe Magenta vor allem an endlose Warteschleifen."

Aber es gibt auch andere Gedanken beim Blick aufs neue Logo. Musikalische zum Beispiel. "Gelb? Blau?Magenta? Da war doch was: Never mind the Bollocks - here´s the Sex Pistols", meint Twitter-Nutzer @dmaletzki. "Blau" sei dabei der körperliche Zustand der Punk-Rocker. Ein weiteres Problem mit der Farbe hat @FriedemannWeise gefunden. Er postet auf Twitter: "Damit werden wohl die Wahlsendungen noch länger" und stellt ein vielsagendes Foto dazu.