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Zivilcourage

Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen

27.07.2011 | 16:11 Uhr

Dortmund  Menschen, die Zivilcourage zeigen, werden zuerst gefeiert – und dann nicht selten allein gelassen. Diese bittere Erfahrung hat Jochen Buchholz aus Dortmund gemacht. Ihn haben nicht nur die Gaffer, sondern auch die Justiz enttäuscht.

Als er den Fußabdruck in seinem Gesicht sah, wusste Jochen Buchholz, dass er noch Glück gehabt hatte. In diesem Moment sei alles über ihm zusammengebrochen, sagt er. Ein Gefühl von Wut, Ärger und vor allem Hilflosigkeit übermannte ihn. Ein Gefühl, das seit jener Nacht immer wiederkommt. Die Bushaltestelle, an der es geschah, liegt nur rund 100 Meter von seiner Wohnung entfernt. Der Dortmunder kann sie jeden Tag sehen. Er braucht nur die Straße zu überqueren, um dort zu stehen, wo er damals unter den Tritten seiner Angreifer zusammenbrach.

Einen Helden haben ihn die Medien genannt. Das war im Februar 2009, wenige Monate bevor Dominik Brunner in München für seine Zivilcourage an einem Bahnsteig mit dem Leben bezahlen musste. Jochen Buchholz hat auch Mut gezeigt. In einem Dortmunder Nachtexpress verteidigte er vier Frauen gegen die obszönen Belästigungen zweier Männer. Beim Aussteigen bekam er die brutale Quittung: Ein Täter trat ihm in den Rücken. Er stürzte an der Haltestelle zu Boden. In blinder Wut traten die Männer weiter auf ihn ein. Schließlich konnte er sich schwer verletzt in den Bus zurück flüchten.

Sicherheitsleute schauten zu

Video
Wer Zivilcourage zeigt, steht oft allein da - wie der Fall Buchholz zeigt

Jochen Buchholz zahlte einen geringeren Preis als Dominik Brunner. Der Schlüsselbeinbruch sei nach drei Monaten verheilt, sagt er. Eine kleine Erhebung an der Schulter ist geblieben. Doch neben den Verletzungen hat er eine Reihe bitterer Enttäuschungen erlebt. Deutschland sei zu einer Gesellschaft von Wegsehern geworden, klagt die Opferschutz-Organisation Weißer Ring. Jochen Buchholz weiß jetzt, was das bedeutet: Als die beiden Männer ihn verprügelten, schaute ein Bus voller Fahrgäste zu, darunter auch zwei Sicherheitsleute der Stadtwerke.

Buchholz hat diese Sicherheitsleute wegen Unterlassener Hilfeleistung angezeigt. Doch die Staatsanwaltschaft Dortmund stellte das Verfahren ein. Begründung: Es habe sich um einen „Angriff von erheblicher Brutalität und Aggressivität“ gehandelt. Die Mitarbeiter hätten nicht einschreiten können, ohne sich selbst zu gefährden. Zudem habe dies nicht zu ihren vertraglich vereinbarten Aufgaben gezählt. Das Fazit der Staatsanwaltschaft: Ein Eingreifen war ihnen „nicht zumutbar, wenn ihr Verhalten auch moralisch anders zu werten ist“.

„Als Opfer hat man ein Recht auf ein bisschen Genugtuung“

Eine weitere Enttäuschung erlebte Jochen Buchholz bei der Verkündung des Urteils für seine Angreifer. Beide Täter wurden zu je einem Jahr auf Bewährung verurteilt. „Ich hätte es schon angemessen gefunden, wenn die ins Gefängnis gemusst hätten“, sagt er. „Als Opfer hat man ein Recht auf ein bisschen Genugtuung.“ Die Schläger sollten ihm jeden Monat je 30 Euro Schmerzensgeld bezahlen. Doch einer der Männer habe deutlich zu spät überwiesen, sagt Buchholz. „Normalerweise hätte der deswegen direkt seine Haft antreten müssen.“ Aber bisher sei nichts passiert. „Da kann man nur mit dem Kopf schütteln“, sagt Buchholz. „Wir haben die Gesetze, warum werden sie dann nicht angewandt“

Würde er noch einmal eingreifen? „Ich weiße es nicht“, sagt Buchholz. Er habe große Hochachtung vor couragierten Menschen, wie der alten Frau, die kürzlich in Duisburg ein Mädchen vor einem Mann gerettet hat. Buchholz zögert. Es scheint, als ob die Ereignisse jener Nacht noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen würden. „Auf keinen Fall würde ich’s wieder alleine tun“, sagt er schließlich. „Aber vielleicht denke ich auch beim nächsten Mal: Lass ddie anderen mal ran, du bleibst jetzt sitzen.“ Denn eine Erkenntnis hat sich Jochen Buchholz tief eingebrannt: „Zivilcourage ist gefährlich.“

Melanie Bergs (Text), Klaus Micke (Kamera)

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Kommentare
30.07.2011
21:19
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von stefanw2468 | #63

Genaus das ist es, was wir nicht brauchen: Die von #59 von Silke_L zu recht befürchtete Selbstjustiz. Denn so stark muss sich ein Staat zeigen: Dass die breite Masse nicht auf die Idee kommt, ihr Recht sei beim Staat nicht in guten Händen.

30.07.2011
18:15
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von GandalfDERWestfale | #62

Tja die Sicherheitskräfte? Wofür sind es dann Sicherheitskräfte? Dann kann man sich diese Stellen ja einsparen , alle Sicherheitskräfte entlassen und dann werden die Fahrkartenpreise auch wieder günstiger bzw spart Steuern. Die Sicherheitskräfte die die wichtigen Personen schützen die dürfen den Angreifen notfalls auch erschießen oder verletzen, da wird nix passieren. In diesen Staat ist gewaltig was faul und man weiß der Fisch stinkt immer vom Kopf her.

28.07.2011
17:17
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von Tacko1 | #61

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

28.07.2011
16:58
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von Steini0811 | #60

schaute ein Bus voller Fahrgäste zu, darunter auch zwei Sicherheitsleute der Stadtwerke.


So, jetzt mal mit Verstand an die Sache:

2 Sicherheitsleute der Stadtwerke schauen von drinnen zu, was draußen vor dem Bus passiert.

So weit so gut.

Aber was bitte haben die 2 denn bitte zum Zeitpunkt der angeblichen Belästigungen im Bus gemacht ? Auch zugeguckt ? Warum musste der Fahrgast eingreifen ?

Da stimmt doch irgendwas nicht.

28.07.2011
16:34
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von Silke_L | #59

Die Schilderungen zeigen mir ganz klar, dass die sog. Sicherheitsleute in den ÖPNV wohl in den meisten Fällen keine Sicherheitsleute sind sondern Zuschauer. Wer bei einer solchen Tat nicht eingreift, weil es Ihm zu gefährlich erscheint (die Secs waren zu zweit!!!) und anschl. auch noch von oberster Stelle gesagt bekommt:Gut gemacht, die waren ja auch so brutal... der greift auch innerhalb seiner vertraglich vereinbarten Umgebung nicht ein, sondern schaut erstmal zu!
So leid es mir tut aber wer hier noch mit Rechtsverständnis argumentiert, dem wird sicherlich nicht mehr geholfen. Bei solchen Gerichtsurteilen wird sich auf Dauer eine Selbstjustiz herausbilden, die in unserem sog. zivilisierten Land sicherlich niemand haben möchte!

28.07.2011
16:21
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von moin-moin | #58

Die generelle Unsicherheit in unserem Land nimmt durch solche Urteile rapide zu! Richter und Politiker fahren keine Öffis und wissen überhaupt nicht was sich dort täglich abspielt! Diese sich beim Bürger entwickelte Angst, wird dazu führen, daß immer mehr Menschen künftig rechtsgerichtete Populisten und deren Parteien wählen werden! Wenn morgen ein deutscher Wilders(holländischer Rechtspopulist) bei uns antritt, ist er in einem Jahr genau so stark wie dieser in Holland! Inzwischen sitzt Wilders mit am Regierungstisch!

28.07.2011
16:16
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von Applebeach4Ever | #57

Tja: Aber wehe du wirst 2-3 mal beim Schwarzfahren erwischt oder viel schlimmer noch. Du schuldest den lackaffen von der regierung oder Staatsanwaltschaft/Gercht Geld: da biste aber gaaaaaaanz schnell für riesig lange Zeit im Knast...

28.07.2011
16:12
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von Herby52 | #56

#doppelrohrverbinder
Irgendwie haben Sie unsere Rechtssprechnung noch nicht ganz verstanden....
Brechen Sie dem Angreifer einen Arm müssen Sie mit einer Anklage wegen Körperverletzung rechnen.....

Wenn Sie die Ausführungen der Staatsanwaltschaft Dortmund richtig lesen, haben Sie immer einen Grund nicht einzugreifen sondern u.a. nut die Polizei anzurufen.

28.07.2011
15:54
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von MisterB | #55

#54

Wie schon manche hier erwähnten, haben sich viele schon so verhalten wie von Ihnen geschildert....und das endete nicht selten mit Klagen und Strafverfolgung von Helfern oder Leuten die sich zu stark gewehrt haben.
Ich kenne einen Fall, dass ein Pärchen von 4 Leuten tätlich belästigt wurde. Der in Kampfkunst ausgebildte angegriffene Mann musste am Ende ca 3000 Euro zahlen.
Unsere Rechtssprechung ist von A bis Z für den Ar....doch die Leute welche über diese Rechtssprechung zu entscheiden haben, haben meist selbst Personenschutz:-).
deshalb wird sich nichts ändern, vielleicht im Verhalten der Bürger....Bewaffnung oder so.
Eine Bus, Zug oder Bahnfahrt ist halt Glückssache.....außer für die Täter, die werden am Ende geschützt.

28.07.2011
15:26
Zivilcourage bringt für Dortmunder nur Enttäuschungen
von doppelrohrverbinder | #54

1: wäge ab, ob der oder die anderen überlegen sind
2: benutze dein telefon oder bitte andere gezielt, das zu tun
3: schau ob jemand gut gebaut ist und das gleiche denkt wie du..augenkontakt
4: jetzt sind ca 10 - 20 sek. vergangen..
5: falls du 110 wählst, bestell alles was geht!
6: hast du dich zum dazwischengehen entschieden, im besten fall mit mehreren... dann sei entschieden, stiefel schnell hin, überraschungsmoment, im besten fall von hinten.
7: Du brauchst keine schulung mit dem umgang mit bekloppten.
8: SEI SCHNELL!!!! GEZIELTES Fixieren am boden braucht schnelligkeit und beherztes eingreifen
9: hast du den täter zu boden gebracht, fixierpunkte, Ohren, Augen, Nase und Arm.
10: Hast du einen Arm, dreh in so schnell du kannst, hinter seinen rücken, dabei in die elle drücken zur biegung.
In so einem Fall gibt es kein Wiederstandspunkt. Lieber gebrochener Arm des Täters als ermordeter Angegriffener.
11: Ist der Tätetr einmal am boden, behalte ihn DA wo er ist und lass um gottes willen NICHT NACH!
12: Reicht deine Kraft nicht, kann ein zweiter Reflexpunkte anpeilen.. somit kann man sich abwechseln.

Das ganze sollte nicht länger als 20 sekunden dauern, bis man den jenigen fixiert hat!

Das ganze nennt sich Eingriff und Sicherheitstechnik und ist hier in sehr einfacher form ausgedrückt.
Wer gerüstet sein will besucht so einen Kurs.

Wer Angst hat, auch ok. Benutz dein Telefon!!!

Wer nichts tut, ist MITTÄTER!

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