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Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...

10.10.2011 | 18:08 Uhr

Essen.   Die Kosten für die Sanierung der U- und Stadtbahnen überfordern die Kommunen.

20 Jahre lang fuhr der Aufzug an der U-Bahn-Station Clarenberg in Dortmund-Hörde zuverlässig nach oben und nach unten. Theoretisch hätte er noch einige Jahre länger fahren können. Aber  Theorie bringt wenig, wenn  Fahrgäste praktisch pinkeln. Der Stahl des Aufzugs ist nicht „urintauglich“. Der aber tröpfelt täglich in die Kabine. Das Dortmunder Unternehmen DSW 21 muss die Aufzugskabine vorzeitig auswechseln.

„Das kostet sechzigtausend Euro“, rechnet Bernd Winkelmann (DSW). 50 Aufzüge müssen an den Haltestellen funktionieren, und das Pinkelproblem gibt’s fast überall. Die U-Bahn  am Clarenberg ist seit 1984 in Betrieb. Sie ist in die Jahre gekommen, sogar die Lampen leuchten nicht mehr wie früher. Überall im Revier ähneln sich diese Probleme.

Dortmund
„Wir kalkulieren mit hundert Millionen Euro im Jahr  allein für den Erhalt unseres ÖPNV-Angebotes, sagt Bernd Winkelmann. Es nennt diverse Einspar-Möglichkeiten: Eine   „behutsame“ Reduzierung von Rolltreppen und Aufzügen oder der Verzicht auf neue Fahrzeuge. Eine Bahn kostet drei bis vier Millionen  Euro, die Generalüberholung einer alten  „nur“ eine Million.

Duisburg
Die Duisburger U- und Stadtbahn profitiert noch von der Gnade der späten Geburt. Erst 1992 fuhr hier die erste U-Bahn, entsprechend geringer ist der Sanierungsbedarf im Vergleich zu  Düsseldorf, wo es 15 Jahre früher losging. Aber auch in Duisburg gibt es  Handlungsbedarf. Rolltreppen müssten für 20 Millionen Euro erneuert werden, die Zugsicherungstechnik soll ab 2017 schrittweise aktualisiert werden. Kostenpunkt: 32 Millionen. Die Finanzierung ist zwar noch nicht geklärt, räumt Stadtsprecher Peter Hilbrands ein. Doch der Planungsauftrag muss 2011 rausgehen.

Düsseldorf
Bei der Rheinbahn in Düsseldorf  ist das Betriebsleitsystem fällig. 30 Millionen sind dafür veranschlagt, bis 2015 soll es fertig sein. Von 2017 bis 2024 ist die Zugsicherung dran: 60 Millionen Euro. Plus neue Waggons, weil die alten mit der neuen Technik nicht optimal kommunizieren könnten, plus Tunnelarbeiten. Der Fuhrpark muss ständig erneuert werden, um umwelt-, sicherheits- und komforttechnisch auf dem Stand zu bleiben. Doch ein paar alte Straßenbahnen wird man behalten, verrät Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher: Die können nämlich auch bei Schnee und Eis fahren, wenn die modernen Wagen mit ihrer Elektronik und den niedrigen Rädern versagen.

Essen
Die Essener EVAG hat einen Sanierungsplan bis 2050 aufgestellt. Von 1,2 Milliarden Euro Bedarf geht man aus. Das können Stadt und EVAG allein nicht finanzieren. Um Geld durch gemeinsame Großbestellungen zu sparen, und das Netz zu optimieren haben sich EVAG, DVG und die Mülheimer MVG zur „Via“ zusammengeschlossen.

Bogestra-Gebiet
Bei der Bogestra steht die Stellwerkstechnik ganz oben auf dem Sanierungsplan. 115 Millionen Euro sind dafür veranschlagt bis 2015. „Bei ausbleibender Förderung“, sagt Jörg Filter, Geschäftsbereichsleiter Infrastruktur und Fahrzeuge bei der Bogestra, „können dringend notwendige Ersatzbeschaffungen z.B. an den Gleisen, bei den Signalen und an den Haltestellen nicht erfolgen.“ Das sei für Fahrgäste zwar nicht gefährlich. Aber wenn mangels aktueller Signaltechnik auf Sicht gefahren werden muss, muss das Tempo gedrosselt werden. Das wäre das Ende eines dichten Taktes.

Spurwerk NRW
In der Initiative spurwerk.nrw sind alle NRW-Verkehrsbetriebe mit U- und Stadtbahnanlagen vertreten. Sie wollen neben Kostenersparnis durch gemeinsame Auftragsvergaben erreichen, dass es auch Fördergelder für reine Sanierungsmaßnahmen gibt. Bislang geht das nur, wenn die Sanierung zu einem zusätzlichen Angebot für Fahrgäste führt. Was bei Sanierung selten der Fall ist.

Matthias Korfmann, Sibylle Raudies (Text), Klaus Micke (Video)

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Kommentare
17.10.2011
10:52
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von pantelli1 | #25

wenn ich ein neues auto kaufe muss ich vorher schauen: was kostet ein reifen, eine kupplung die bremsen usw. das weiss JEDER blödmann. nur unsere politiker, egal auf welcher ebene, sind dazu zu dämlich.
armes deutschland

12.10.2011
22:15
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von J.Amazonas | #24

Ein schönes Beispiel dafür, wie die in den letzten 30 Jahren geschaffenen Verhältnisse so langsam unbezahlbar werden.
1. Die Leute haben PKW gekauft wie verrückt (darauf angewiesen), deren Zahl schlichtweg verdoppelt. Klar, dass es da auf den Straßen eng wurde und die Straßenbahn unter die Erde sollte.
2. Die Leute haben schön die ganze Landschaft zersiedelt, sogar noch staatlich gefördert (Eigenheimförderung). Klar, dass das zusätzlichen Transportbedarf schafft, der den Ausbau der öffentlich finanzierten Transportsysteme verlangt.
3. Die Leute zeigen alle Anzeichen von Wohlstandsverwahrlosung, gehen am Wochenende ohne Flasche in der Hand ja gar nicht mehr auf die Straße und - pinkeln überall hin, sogar in Aufzüge!
Und das, genau das alles wird uns in den nächsten 20 Jahren einholen.

11.10.2011
22:08
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von Westwind | #23

Guck an! Und als ich schon vor 20 Jahren den U-Bahn-Schwachsinn der Revierstädte in Leserbriefen anprangerte, donnerte aus den Rohren selbst der Stadtoberen aus CDU und SPD-Kreisen in seltener Einmütigkeit ein wahres Sperrfeuer zurück. Wenn auf das Beispiel Karlsruhe verwiesen wurde, galt das nur dummes Zeug in deren Augen. Dort hat man bei reinem Übertagebetrieb aber deutlich geringere Kosten, weniger Vandalismus und Übergriffe und bis zu 3600% Fahrgastzuwachs auf einigen Linien. In Ludwigshafen dagegen wurde das erste U-Bahnteilstück stillgelegt. Wenn´s dazu hier im Revier kommt und der leistungsfähige Transport auf dem Schienenweg weiter ausgehöhlt wird, wird´s hier in Anbetracht der wahren täglichen Völkerwanderung eng...Und die Flachköpfe in Düsseldorf verbuddeln derzeit ihr Straßenbahnnetz und das Geld der Bürger unter der Erde. Dorthin gehören die U-Bahnpläne!

11.10.2011
21:07
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von malte8 | #22

sry wegen des Doppelposts, ich dachte der erste kam nicht durch...

11.10.2011
20:58
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von malte8 | #21

Doch ein paar alte Straßenbahnen wird man behalten, verrät Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher: Die können nämlich auch bei Schnee und Eis fahren, wenn die modernen Wagen mit ihrer Elektronik und den niedrigen Rädern versagen.

Was bitte ist denn so viel besser an den modernen Wagen, wenn man bereit ist, diesen enormen Nachteil in Kauf zu nehmen.

Ist es heutzutage nicht möglich Fahrzeuge zu bauen, die auch im Winter einsatzbereit sind?

Kann mir das mal bitte jemand erklären?

11.10.2011
20:57
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von malte8 | #20

Doch ein paar alte Straßenbahnen wird man behalten, verrät Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher: Die können nämlich auch bei Schnee und Eis fahren, wenn die modernen Wagen mit ihrer Elektronik und den niedrigen Rädern versagen.

Was bitte ist denn so viel besser an den modernen Wagen, wenn man bereit ist, diesen enormen Nachteil in Kauf zu nehmen.

Ist es heutzutage nicht möglich Fahrzeuge zu bauen, die auch im Winter einsatzbereit sind?

Kann mir das mal bitte jemand erklären?

11.10.2011
20:53
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von malte8 | #19

Doch ein paar alte Straßenbahnen wird man behalten, verrät Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher: Die können nämlich auch bei Schnee und Eis fahren, wenn die modernen Wagen mit ihrer Elektronik und den niedrigen Rädern versagen.

Ist es nicht selbstverständlich, dass man hierzulande, wo wir ja in der gemäßigten Klimazone liegen und somit in den Genuß recht unterschiedlicher Jahreszeiten kommen (uns somit auch der kalte Winter mit Schnee und Eis mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit hin und wieder besucht) auch auf diese Verhältnisse vorbereitet ist?

Ist es nicht ein Armutszeugnis, wenn moderne Fahrzeuge nur bei gewissen Wetterlagen einsatzbereit sind, ältere Modelle jedoch gegenüber diesen eine erweiterte Einsetzbarkeit haben?

Was ist denn eigentlich besser an den modernen Fahrzeugen?

Es muss sich ja eigentlich um eine enorme Verbesserung halten (die sich mir nur gerade nicht erschließt), wenn dafür ein solcher Nachteil in Kauf genommen wird.

Kann mich da mal jemand aufklären, bitte?

11.10.2011
13:40
Wenn die U-Bahn in die Jahre kommt...
von hitchhiker04 | #18

#16 hör mal Schlaufuchs, der Austausch einer
oberirdischen Schiene dürfte aber um ein
vielfaches billiger und schneller sein als die
Reparatur eines vergammelten Tunnels.

Die einzige U-Bahn, die wirklich was gebracht hat, ist die U35, wobei es mir immer noch unerklärlich ist, warum sie erst an der Wasserstraße an die oberfläche kommt und nicht schon hinter dem alten Bunker ....

Und was die schwachmatige Untertunnelung der
302/310/306 gebracht hat, kann man ja am
wunderbaren verkehrsfreien bulewar ablesen.

11.10.2011
13:07
Dauerbaustelle Nahverkehr
von dummmberger | #17

@15 von cabmsi
Also ist es richtig, dass es keine Rücklagen für Reparaturarbeiten gibt?
Oder was wollen Sie mir sagen?
Dass es einfach ist, habe ich nirgendwo behauptet.

11.10.2011
12:12
Dauerbaustelle Nahverkehr
von cabmsi | #16

@14 Soll jetzt Duisburg die 20 Jahre alten Bahnen als Touristenattraktion einsetzen? Oder Essen oder Mühlheim? Das wird bestimmt der Renner! Und außerdem müssen die alten Bahnen auch irgendwann mal saniert werden. Und auch dann müssen Schienennetze und Leitsystem überholt werden.

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