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Marktschreier-Praktikum
09.03.2010 | 11:17 Uhr 2010-03-09T11:17:00+0100Unser Mitarbeiter Carsten Christian ließ sich zum Marktschreier ausbilden. Ein Erfahrungsbericht
Das Studium neigt sich dem Ende zu. Die berufliche Zukunft ist ungewiss. Alternativen müssen her. Wie passend, dass vom 5. bis 7. März die Marktschreiertage in Hörde gastieren. Für Geld Leute anschreien. Hört sich erstmal prima an. Also auf nach Hörde zum Platz an der Schlanken Mathilde und sich bei Wurst-Achim vorgestellt. Neue Leute sind in der Branche gern gesehen.
Der stattliche Marktschreier bringt seit 20 Jahren lauthals Wurst unter die Leute. Achim Pfaff, so heißt er mit bürgerlichem Namen, ist wohl das lauteste Lebewesen, dass ich je gehört habe. Er hat sogar schon einen Brüllaffen unter den Tisch geschrien. Und der erreicht immerhin stolze 104 Dezibel. Mit Wurst-Achim habe ich mir also den perfekten Lehrmeister ausgesucht. „Ein halbes Schwein für 15 Euro” höre ich den König der Marktschreier schon von Weitem. Ab zum Wagen. „Hi, ich bin Wurst-Achim. Dann komm ma' rauf Junge und zeig, was du kannst”, begrüßt er mich. Schürze um, los geht's. „Das ist mein neuer Lehrling”, schreit Achim die Leute an. „Ich guck dem jetzt genau auf die Finger.” Dann drückt er mir das Mikro in die Hand.
Oh Gott. Das Publikum starrt mich an. Wartet. Einmal tief Luft holen. „Kauft bloß weiter, Leute. Sonst verarbeitet der Chef mich zu Wurst”, schreie ich aus voller Kehle. Die Leute lächeln. Ein wenig. Schwieriger, als ich gedacht habe, der Job als Marktschreier. Härtere Geschütze müssen her. „Wenn ihr bei dem Käse-Typ kauft, und es wieder hochkommt, erledigt das bitte bei dem vor'm Wagen”. Schon besser. Also zweifel ich die Herkunft der Aale vom Fischverkäufer an und flirte mit der weiblichen Kundschaft. Am Ende habe ich immerhin fünf Tüten verkauft. Der Hals kratzt. „Nicht schlecht für das erste Mal”, lobt Wurst-Achim mich. Dann ist mein Gastauftritt schon wieder vorbei. Alles hat eben ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
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War Herr Westerwelle auch da?