Kunstschätze vom Speicher
25.11.2009 | 15:03 Uhr 2009-11-25T15:03:00+0100Ein Chagall aus dem Keller? Ein Rembrandt vom Dach? Alle acht Wochen kann man im Dortmunder MKK private Kunstwerke schätzen lassen.
Auf jedem Dachboden könnte ein Rembrandt schlummern. Theoretisch. Bislang hat das Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte (MKK) einen solchen Schatz zwar noch nicht geborgen - aber alle acht Wochen könnte es passieren. Denn alle acht Wochen können Privatleute dort ihre "Schätzchen" schätzen lassen.
Ein Ölgemälde aus dem Schuppen
So wie Armin und Erika Redlbeck. "Wir wollen einfach mal hören, ob es überhaupt einen Wert hat", sagt die Kamenerin und streicht mit dem Finger über den Goldrahmen des Gemäldes. Eine Tante hat ihnen das große Ölbild geschenkt - ein Idyll mit Berghütte in den Schweizer Alpen. Sie hatte keine Verwendung mehr dafür. Und bevor der alte Schinken noch Jahre lang im Schuppen vor sich hin gammelt, hat sie es eben in der Familie weiterverschenkt.
Die Redlbecks haben sogar eine Signatur am unteren Rand des Gemäldes entdeckt. "Hoesch" steht da, und noch deutlicher auf einem vergilbten Klebeschild auf der Rückseite. "Wir haben auch schon im Internet recherchiert und einen passenden Künstler dazu gefunden", sagt Erika Redlbeck. Andere Bilder des Malers gleichen dem Schweizer Bergidyll in Stil und Motiv. Denken zumindest die Redlbecks.
"Nein, so alt ist das Bild nicht"
Aber Ausstellungsleiterin Dr. Brigitte Buberl enttäuscht ihre Hoffnungen schnell. "Nein, so alt ist das Bild nicht", meint sie und beugt sich über das Gemälde. Auch der Pinselstrich stimme nicht ganz. Die Proportionen. Der Stil. Und überhaupt: Sie hätte aus der Signatur am Rahmen niemals den Namen "Hoesch" gelesen.
"Und wie alt meinen Sie ist das?", fragt Erika Redlbeck. "Naja, aus den 50ern ist es schon - aber eben dieses Jahrhunderts. Und es hat auch nur Liebhaberwert." Schulterzucken. 150 Jahre alt, wie die Redlbecks gehofft hatten, ist das Bild also nicht - und verkaufen kann man es wohl auch nur auf dem Flohmarkt. Aber von Enttäuschung keine Spur. "Vielleicht finden wir ja noch ein Plätzchen, wo wir's hinhängen können."
Viele enttäuschte Gesichter
Redlbecks sind zwar nicht sehr enttäuscht - aber andere sind es schon. "Manche Leute glauben, dass Kunst immer wertvoll ist", weiß Ausstellungsleiterin Buberl. Klar, dass dann die Enttäuschung schnell groß sei, "wenn Leute mit einem drittklassigen Bild aus dem 19. Jahrhundert kommen und denken, sie könnten damit ihr Haus abzahlen."
Ungeahnte Schätze hat bislang noch niemand zum Schätzen ins MKK gebracht. Einmal sei ein schönes Bild dabei gewesen, dass das Museum für seine Sammlung gekauft hat, erinnert sich Buberl - aber einen großen Wert habe es eigentlich nicht gehabt. "Ob wir jemals einen Rembrandt unter einer Übermalung finden - naja, ich mache das jetzt seit 20 Jahren, und das ist noch nie passiert." Aber man kann ja nicht wissen.
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