Der einzige Bioladen der Nordstadt ist dicht
03.11.2009 | 23:00 Uhr 2009-11-03T23:00:00+0100Neun Jahre war "Backdat" der einzige Bioladen der Nordstadt. Jetzt hat das Geschäft seine Pforten geschlossen - nicht nur wegen der geografischen Lage.
Wenig Umsatz, viel Ärger - der Bio-Laden an der Schleswiger Straße 38 ist seit Ende Oktober geschlossen. Nach knapp neun Jahren wirft Inhaberin Maria Egetemeyr das Handtuch. Die Bio-Bäckerei aber bleibt auch in ihrem 21 Jahr bestehen und liefert weiterhin Backwaren an Bioläden und Reformhäuser. Auch auf den Wochenmärkten sei sie weiter vertreten, so Egetemeyr.
Um gesunde Lebensmittel in der Nordstadt zu halten, bastelt das Soziale Zentrum an einem alternativen Geschäftsmodell, aber: "Das geht nur, wenn es jemand fest in die Hand nimmt", meint Maria Egetemeyer skeptisch.
Konjunktur, Konkurrenz, Nordstadtprobleme
Grund für die Aufgabe des Ladens seien aber nicht - wie oft behauptet - die Probleme der Nordstadt. Zumindest nicht nur. "Da kommt alles zusammen", betont Egetemeyer. Konjunktur, Konkurrenz von Discountern und großen Bio-Supermärkten, Einzugsgebiet, Schwarzarbeiterstrich. Dass es grundsätzlich nicht möglich sei, in der Nordstadt einen Laden offen zu halten, sei einfach nicht wahr.
Den so genannten „Schwarzarbeiterstrich" und viele Prostituierte gibt es schon lange an der Schleswiger Straße. „Aber das Klima hier hat sich verschärft", sagt die 53-jährige Geschäftsfrau. Damit meint sie auch die Konkurrenz. Discounter wie Aldi und Lidl stocken ihre Bio-Sortimente immer weiter auf und verkaufen zu kleineren Preisen. In der Nordstadt, wo viele jeden Cent zweimal umdrehen müssen, wirkt sich das zählbar aus. „Betriebswirtschaftlich sind wir seit zwei Jahren im roten Bereich", gesteht Maria Egetemeyr. Lange habe sie die Umsatzlöcher gestopft. „Wir haben viel weggesteckt und es immer noch einmal versucht. Aber jetzt ist Schluss."
Blick nach vorne richten - mit der Bio-Bäckerei
Auch die soziale Situation habe sich zugespitzt. „Wie eine Insel" in der Nordstadt sei der Bio-Laden für viele Kunden gewesen - „aber jetzt kommen sie nicht mehr". Vielleicht auch deshalb, weil Einkäufer wie Mitarbeiter „teilweise Situationen an der Grenze des Zumutbaren" erlebten: Prostitution und Alkohol auf offener Straße. Kriminalität sei weniger das Thema, sagt Egetemeyr, trotz einiger Ladendiebstähle, von denen einzelne auch schon mal die Tageseinnahme gekostet haben. „Aber das kann überall passieren. Es geht nicht darum, zu sagen, wie schrecklich das hier ist, sondern den Blick nach vorne zu richten." Für die Geschäftsfrau heißt das: „Unsere Bio-Bäckerei Backdat bleibt bestehen. Und wir gehen noch mehr auf Wochenmärkte, neuerdings auch nach Aplerbeck."
Günther Ziethoff, Geschäftsführer des Sozialen Zentrums e.V., sieht die Entwicklung mit Sorge. Der Bio-Laden hinterlasse eine Lücke - infrastrukturell wie gesellschaftlich. „Hier kaufen Leute ein, die das Spektrum des Viertels bereichern." Um Klientel und Angebot in der Nordstadt zu halten, will das Soziale Zentrum einspringen. Ein Fachbereich „Gesunde Lebensmittel" soll als Zweckbetrieb in die Einrichtung integriert werden. Diese GmbH soll die Öko-Waren verkaufen.
Soziales Zentrum bastelt an einer Alternative
Aber nicht an der Schleswiger Straße. Ziethoff hat eine andere Lage im Sinn, behält sie aber noch für sich. Die Münsterstraße, heißt es, sei in der engeren Wahl. Und Maria Egetemeyr soll von dem Projekt profitieren.
„Sie könnte sich als Gesellschafterin einbringen, mit ihren gelagerten Waren und der Ladeneinrichtung", schlägt Ziethoff vor.
Auf jeden Fall will er eine der beiden Fachkräfte des Bio-Ladens halten, denen Egetmeyer kündigen musste. Eine Verkäuferin ist bereits an anderer Stelle untergekommen. Die zweite soll in dem neuen Öko-Laden arbeiten. Wann der öffnet? „Möglichst bald", so Ziethoff.
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