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Vermieter lässt Inkasso-Kräfte ausschwärmen

15.08.2012 | 18:42 Uhr
Vermieter lässt Inkasso-Kräfte ausschwärmen

Dortmund. Vielen Mietern in Dortmund fällt es nur noch schwer nachzuvollziehen, wer den letztendlich ihr Vermieter ist. Und einige Mieter der Erpinghof-Siedlung in Huckarde wunderten sich über Methoden, die sie eigentlich nur aus Filmen kennen: Der Kassierer vermeintlicher Mietrückstände klingelte und stand plötzlich vor der Wohnungstür - im Auftrag der Grand City Property GmbH, einer Firma, die dort bisher niemand kannte.

Eine „generell unseriöse Geschäftspraxis“

„Das Auftreten der Grand City gegenüber den Terra Heimbau-Mietern ist in mehrfacher Hinsicht unverschämt“, bezieht Dr. Tobias Scholz von Mieterverein Dortmund Stellung. Scholz wertet das Vorgehen als „generell unseriöse Geschäftspraxis, die die Mieter überrumpeln“ wolle. Unverschämt sei das Haustür-Inkasso auch, so Scholz, weil von „unseren Mitgliedern von uns angefochtene bestrittene Betriebskostenabrechnungen und Mietminderungen wegen Wohnungsmängeln als angebliche Mietrückstände eingefordert wurden.“ Der Rat von Rechtsanwalt Martin Grebe, der den Mieterverein vertritt, an alle betroffenen Mieter: „An der Haustür keine Zahlungen vornehmen oder Unterschriften leisten.“

Still und leise hatten im Frühjahr 2012 exakt 839 Dortmunder Wohnungen, die formal nach wie vor der „Terra Heimbau Zwei Ltd. & Co KG“ und der „Terra Heimbau 407 Ltd. & Co KG“ gehören, den eigentlichen Besitzer gewechselt. Es handelte sich neben 221 Wohnungen der Erpinghof-Siedlung um knapp 200 Wohnungen im Jungferntal, 349 Wohnungen im Echeloh 32 Wohnungen am Brüchtenweg (Brackel) und 46 Wohnungen in der Nähe des Hannibals in Dorstfeld. Gekauft haben, nach Information des Mietervereins, zwei israelische Investoren. Die beiden haben die genannten Terra Heimbau-Firmen als Ganzes erworben. Daher erfolgte im Grundbuch auch kein neuer Eigentümereintrag.

„Herr Keuchel“, der jüngst bei Dortmunder Mietern kassieren wollte und denen, die er nicht antraf, eine Nachricht hinterließ, arbeitet für die Grand City Property GmbH (Berlin). Auf den Besuchszetteln für nicht angetroffene Mieter, erklärt Keuchel, dass die Grand City Property GmbH ermächtigt sei, „alle erforderlichen Maßnahmen, einschließlich rechtlicher Schritte“ einzuleiten.

Der Firma Grand City gehören schon längerer Zeit 366 Wohnungen in der Wohnanlage Erbpachtstraße/Weiße-Ewald-Straße in Aplerbeck. Hinter der Grand City Property GmbH steckt die Aktiengesellschaft Grand City Properties SA (in Luxemburg), die im Dezember 2011 das Licht der Welt erblickte. Die Luxemburger Aktiengesellschaft hat die Terra Heimbau-Firmen wiederum über ihre Tochtergesellschaft Adminond Trading & Investments Ltd. erworben, die bereits 2006 gegründet wurde. Hinter der Luxemburger Gesellschaft steht wiederum eine Dachgesellschaft (Holding), die ihren Sitz in den Niederlanden hat (siehe nebenstehende Meldung).

VORSTANDS-CHEF VON GRAND CITY NIMMT STELLUNG:

Christian Windfuhr, Chief Executive Officer der Grand City Holland BV, der Holding, die über allen Grand City-Firmen schwebt, reagierte gestern auf die Anfrage der WAZ - und er verstand die Aufregung nicht. Man besitze rund 11 000 Wohneinheiten in Deutschland und 100 Hotels, davon rund 80 in Deutschland: „Wir haben eine Interesse, dass wir gut mit unseren Mietern umgehen.“ Die Grand City-Gruppe gehöre drei Personen, die in Israel, Holland und Großbritannien wohnen.

Der Vorstandschef der Holding wollte nicht ausschließen, dass es in Dortmund Kommunikationspannen gegeben hat. Aber im Vorgehen der Grand City Property aus Berlin, die neben der bekannten Hausverwaltung Rothe aktiv wurde, konnte Windfuhr „nicht Schlimmes“ sehen.

Um Probleme aus der Welt zu schaffen, machte Windfuhr dem Mieterverein für Dortmund und Umgebung ein Angebot: „Ich bin bereit, mich mit dem Verein zusammenzusetzen. Wenn es ungelöste Probleme gibt, dann sollten wir diese lösen. Ich wäre froh gewesen, wenn man mich kontaktiert hätte, bevor man mit Vorwürfen an die Öffentlichkeit gegangen ist.“

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