Verliert Dortmund die Zentrale von Eurowings?
20.01.2010 | 21:00 Uhr 2010-01-20T21:00:00+0100Dortmund. Die Turbulenzen um die Dortmunder Fluggesellschaft Eurowings, die mit Beginn des Sommerflugplans im März 19 Maschinen stilllegen will, gefährden nicht nur zig gut bezahlte Arbeitsplätze. Möglicherweise steht sogar der gesamte Standort der Lufthansa-Tochter zur Disposition.
Die schlimmsten Befürchtungen gehen so weit, dass am Ende eine Verlagerung der kompletten Firmenzentrale am Wickeder Flughafen zur Debatte steht - und Dortmund damit einen Gewerbesteuerzahler verliert.
Soweit ist es allerdings noch nicht. Zunächst geht es um den absehbaren Verlust von Jobs. Knapp 300 Mitarbeiter hat Eurowings noch in Dortmund. Nach der angekündigten Streichung von deutschlandweit rund 600 Eurowings-Mitarbeitern (WAZ berichtete gestern) fürchtet die Gewerkschaft Verdi den Verlust von bis zu 100 Jobs allein in Dortmund.
Am Standort in Wickede ist die gesamte Verwaltung des Unternehmens konzentriert: Buchhaltung, Personalmanagement, Crew-Planung. „Wir gehen von einem erheblichen Abbau aus”, so Verdi-Sekretär Jörg Koburg gegenüber unserer Zeitung.
Ein Eurowings-Sprecher wollte sich zu dem möglichen Stellenabbau in Dortmund nicht äußern und verwies auf die anstehenden Verhandlungen über einen Sozialplan.
Spekulationen über einen Komplettrückzug aus Dortmund gibt es schon länger.
Eurowings hat in Dortmund keine Maschine mehr am Start. Fliegendes Personal und Technik wurden längst nach Düsseldorf verlagert. Am Flughafen selbst hat das Unternehmen, einst die Triebfeder für das Wachstum des Wickeder Airports, keinen einzigen Mitarbeiter mehr im operativen Geschäft. Die Passagier-Abfertigung wurde im Frühjahr 2009 eingestellt.
Auch der Eurowings-Mitgründer, Unternehmer Albrecht Knauf, hat faktisch keine Karten mehr im Spiel. Zwar ist er über eine Beteiligungsgesellschaft mit knapp 51 Prozent noch nominell Mehrheitsanteilseigner. Das Sagen aber hat längst die Lufthansa, denn aktien- und kartellrechtlich ist Eurowings eine 100-prozentige Tocher der größten deutschen Fluggesellschaft.
„Die Entscheidungen fallen allein bei der Lufthansa”, so ein Insider gegnüber der WAZ. Gerüchte darüber, dass Eurowings den Status als selbstständige Konzerntochter verlieren könnte und mit der Lufthansa-Regionalflugtochter
Cityline verschmolzen wird, erhalten dadurch neue Nahrung.
Ob ein solches Szenario automatisch das Aus für den Standort Dortmund bedeuten würde, ist allerdings nicht ausgemacht. In der schnelllebigen Lufttverkehrsbranche wandern die Airlines den Kundenströmen zwar mit Maschinen und Crews hinterher. Das muss jedoch nicht für die Verwaltung gelten.
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