Das aktuelle Wetter Dortmund 17°C
Kriminalität

Verdacht gegen Stiefmutter bei Dortmunder Familiendrama erhärtet sich

05.08.2012 | 18:13 Uhr
In Dortmund wurden drei Kinder Opfer eines Verbrechens.

Dortmund.   Nach dem Tod der drei Geschwister in Dortmund hat sich der Verdacht erhärtet, dass die Lebensgefährtin des Vaters die Kinder getötet haben könnte. Danach könnte die 29-Jährige die Wohnung in Brand gesetzt haben. Gegen die Frau erging ein Haftbefehl wegen Mordes und besonders schwerer Brandstiftung.

Auf den ersten Blick wirkt an diesem Sonntag alles wie immer in der Dortmunder Fichtestraße. Wären da nicht die Blumen und die Kerzen auf dem Bürgersteig vor dem Haus Nummer 18, in dem in der Nacht zu Freitag drei kleine Kinder Opfer eines Verbrechens wurden. „Warum?“, hat jemand auf ein großes Pappschild geschrieben und neben die Eingangstür gestellt.

„Warum?“ weiß angeblich selbst die ermittelnde Staatsanwaltschaft noch nicht. Auf die Frage „Wer war es?“ glaubt sie dagegen eine Antwort gefunden zu haben. Seit Samstag sitzt die 29-jährige Lebensgefährtin von Muharrem T., dem Vater der getöteten Kinder, in Untersuchungshaft, bestreitet aber alle Vorwürfe. Staatsanwältin Barbara Cuntze beschuldigt die Bulgarin des „Mordes und der besonders schweren Brandstiftung“ und spricht von einem „dringenden Tatverdacht“. Einzelheiten aber nennt sie „aus ermittlungstaktischen Gründen“ keine.

Ist auch gar nicht nötig. Im Vielvölkerviertel rund um den Tatort, wo die Menschen längst zu wissen glauben, was passiert ist. T., so erzählen sie, habe in der Tatnacht in der Gastwirtschaft eines Onkels gesessen und Tee getrunken, als seine Freundin im Morgengrauen mit blutenden Wunden an Händen und Armen in die Kneipe gestürmt sei. Ein Junkie habe sie überfallen und mit dem Messer verletzt, behauptet sie.

„Die wollte die Kinder weghaben“

Doch ihr Freund scheint Zweifel zu haben. In einem geliehenen Auto rast er mit seiner Lebensgefährtin auf dem Beifahrersitz nach Hause. Als er in die Fichtestraße biegt, quillt Rauch aus seiner Wohnung, stehen Polizei und Feuerwehr bereits vor der Tür. Die 12-jährige Silan und ihr vierjähriger Bruder Mehmet sind da schon tot – wahrscheinlich erstochen.

Sein Sohn Mustafa (10) ist durch Messerstiche so schwer verletzt, dass er wenig später im Krankenhaus stirbt. „Die wollte die Kinder weghaben“, glaubt ein junger Mann aus dem Viertel. „Hat sie umgebracht und die Wohnung angesteckt, um alles zu vertuschen. Wer weiß, wie das ausgegangen wäre, wenn die Feuerwehr den Brand nicht so schnell gelöscht hätte.“

Dortmunder Jugendamt will sich vorerst nicht äußern

Geahnt hat so ein Drama niemand hier in der Straße, gesorgt aber haben sich viele um die drei Geschwister. So oft soll der Vater die Kinder alleine gelassen haben, dass mehrere Anwohner die Geschwister mit Lebensmitteln und Kleidung versorgt haben wollen und das Jugendamt informierten. „Passiert“, sagen sie in der Fichtestraße, „ist aber nichts.“

Trauer in der Nordstadt

Das Dortmunder Jugendamt hat erklärt, die Familie zu kennen, wollte sich während der laufenden Ermittlungen aber nicht weiter zu dem Fall äußern.

 

Andreas Böhme, Andreas Winkelsträter


Aus dem Ressort
Wer kennt diesen mutmaßlichen EC-Karten-Räuber?
Opfer mit Flasche...
Die Polizei sucht mit einem Foto nach einem mutmaßlichen EC-Karten-Dieb. Die Karte war Ende Mai bei einem brutalen Überfall in der Nordstadt geraubt und noch am selben Tag an einer Tankstelle in der Bornstraße benutzt worden.
Rathaus-Krawalle: Ermittler haben 68 Personen im Fokus
Neonazi-Angriff am...
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach den Rathaus-Krawallen am Kommunalwahl-Abend momentan gegen 68 namentlich bekannte Personen - 22 aus der Neonazi-Szene, 46 aus dem linken und bürgerlichen Lager. Das haben die Auswertungen der Videos aus der Wahlnacht des 25. Mai ergeben.
Ermittler haben nach Rathaus-Überfall 68 Personen im Fokus
Kommunalwahl
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nach den Rathaus-Krawallen am Kommunalwahl-Abend in Dortmund momentan gegen 68 namentlich bekannte Personen — 22 aus der Neonazi-Szene, 46 aus dem linken und bürgerlichen Lager. Das haben die Auswertungen der Videos aus der Wahlnacht des 25. Mai ergeben.
22-jähriger Dortmunder stürzte mit Segelfugzeug in den Tod
Unglück
Unter Trauer und Entsetzen macht die Nachricht bei ehemaligen Schülern des Ruhrtal-Gymnasiums in Schwerte die Runde: Der 22-jährige Dortmunder, der am 12. Juli beim Absturz eines Segelflugzeugs am Edersee zu Tode kam, hatte mit ihnen vor drei Jahren Abitur gemacht — als einer der Jahrgangsbesten.
Ermittlungen gegen Besitzer von fast verhungertem Hund
Tierquälerei
Die Besitzer eines fast verhungerten Collies müssen mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Die Dortmunder hatten den Hund beim Auszug in der leeren Wohnung zurück- und seinem Schicksal überlassen. Erst im letzten Moment rettete ihn eine aufmerksame Nachbarin. Jetzt ermittelt die Polizei.
Fotos und Videos