Venus wischt ihr Zimmer - Dennemanns „Kunsthuren“-Projekt im Club Escort

Dennemanns „Kunsthuren“-Projekt im Club „Escort“: Schauspielerin Alexandra Lowygina. Fotos: Franz Luthe
Dennemanns „Kunsthuren“-Projekt im Club „Escort“: Schauspielerin Alexandra Lowygina. Fotos: Franz Luthe
Kunst, Kultur und Huren: Der Club Escort an Dortmunds Juliusstraße ist ein Stundenhotel, das Niveau verspricht. Regisseur Rolf Dennemann vergibt nun Zimmer-Tickets und Flatrate-Karten für die Performance „Kunsthuren“.

Dortmund.. Die Kunstfreier warten schon, wenn die Kunsthuren vorfahren. Die Gäste bilden Spalier im Hof. Die Damen entsteigen Cobra und Mustang, posieren für Fotografen.

Der „Escort Club“ an der Juliusstraße ist ein Stundenhotel, das Niveau verspricht. Das gilt auch für die Zimmer, keine Schmuddel nirgendwo. Denitsa Christo aus Bulgarien singt ein bulgarisches Liedchen, die anderen Kunsthuren verschwinden auf den Zimmern.

Viel Theater, nur Theater an diesem Tag im Club. Regisseur Rolf Dennemann vergibt Zimmer-Tickets und Flatrate-Karten, Besucherinnen und Besucher können sich ihre Programme selbst zusammenstellen. Tarif: günstig.

„Wer Antje schon zweimal gehabt hat ...“ - Dennemanns Ansage an das ein wenig orientierungslose Publikum klingt leicht bordellig, aber das soll so sein. Und wird so sein: Nächsten Sonntag, 6. November, sind die Damen wieder da (19 Uhr), wird „normale“ Kundschaft wieder abgewiesen.

Intime Atmosphäre

Die Atmosphäre in den Zimmern ist nah und intim. Jede der Kunsthuren stellt sich zunächst mit ihrer echten Biografie vor. Die Russin Alexandra Lowygina, die so gerne Stern von St. Petersburg geworden wäre, beschreibt einen Liebesverlust, dann versetzt sie ihre Gäste in Liebestrance, berührt zärtlich jeden einzelnen.

Es geht um Liebe, wahre Liebe, in allen Zimmern. Dreimal sind Reinigungsrituale zu beobachten. Photini Melatiades unterbricht, ehe sie auf ihrem Bett eine Art griechischer Balalaika zupft, ihren getanzten Krampf, um die Zimmerdusche anzustellen. Die Perserin Venus Hosseini, die auf ihrem west-östlichen Diwan den großen Dichter Goethe den großen Dichter Hafiz loben lässt, beginnt den Boden ihres Zimmers zu wischen. Und Lowygina wäscht und wäscht das längst weiße Hemd ihres toten Mannes.

Es geht nur ums Geld

Christo beweint und besingt die großen Kunsthuren der Oper: Violetta, Madame Butterfly, Lulu. Antje Hamer, die Deutsche, Schauspielerin, benutzt das Publikum als Casting-Jury, ehe sie den Verlust des Ich in den Rollen betrauert. Das ist Interviewtext von Romy Schneider, die - offenichtlich in einer depressiven Phase - über die absolute Liebe in dem Film „Le Train“ (1973) spricht.

Am Ende ist es ausgerechnet ein Mann, der der Welt verkündet, dass es seiner Kunst ums Geld geht, um sonst gar nichts. Matthias Hecht, der Pausenfüller, rezitiert, vom Table dance-Bühnchen herab, Klaus Kinski.