PCB-Skandal
Unternehmer fordert Solidarität mit Envio-Opfern
25.08.2010 | 20:30 Uhr 2010-08-25T20:30:00+0200
Dortmund.Die Deutschen Gasrußwerke setzen ein Zeichen – gegen die Giftfirma Envio, für die Opfer des PCB-Skandals. Und für den Standort Hafen. Das Chemieunternehmen stellt einen giftbelasteten Ex-Envio-Mitarbeiter ein. Dr. Hans-Dieter Kahleyß, Chef der Gasrußwerke und des Hafenanliegervereins, hofft auf zahlreiche Nachahmer.
„Betroffen und böse“ ist er. Als Mensch und als Firmenchef. Der Envio-Skandal, „die offensichtlich unwürdige Art dieser Firma, mit Gefahrstoffen und Arbeitskräften umzugehen“, treibt Dr. Hans-Dieter Kahleyß’ Blutdruck in die Höhe. Der Appell des Chefs der Gasrußwerke: „Keine Solidarität der Hafenanlieger mit Envio. Rückhaltlose Aufklärung der PCB-Vergiftung von Envio-Mitarbeitern, Nachbarn und Familienangehörigen. Harte Bestrafung der Verantwortlichen.“
Als Chef eines Unternehmens, das 190 Leute beschäftigt und Teeröle als Rohstoffe für die Reifen- und Gummiindustrie verarbeitet, fordert er nicht nur Solidarität mit den Giftopfern. Er lässt Taten sprechen. Einen zum 1. September frei werdenden Arbeitsplatz bekommt ein mit PCB belasteter ehemaliger Envio-Mann. Der Betriebsrat der Gasrußwerke stimmte der Einstellung am Dienstag zu – ausdrücklich ermuntert von Eberhard Weber. Der Ex-DGB-Boss, von der Landesregierung als Chef des „Runden Tisches“ zur Aufarbeitung des Giftskandals eingesetzt, warb vor der Belegschaftsvertretung eindringlich für diesen Schritt.
Moralische Verpflichtung
Kahleyß will mehr. Er nimmt die Firmen des Hafenanliegervereins in die Pflicht, die 4000 Menschen beschäftigen. „Ich meine, dass sie alle zumindest eine moralische Verpflichtung gegenüber den Opfern von Envios mutmaßlichem unternehmerischem Fehlverhalten haben.“ Die Rechnung sei einfach: „Die ca. 100 Firmen im Hafengebiet sollten in der Lage sein, etwa 60 PCB-Opfern zu helfen“, meint Kahleyß. Ein unternehmerisches Wagnis sei das nicht, denn: „Die für Envio zuständige Berufsgenossenschaft trägt alle Kostenrisiken, die sich aus der PCB-Belastung ergeben. Eine Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit ist durch PCB nicht zu erwarten.“
Der Hafen teile das Schicksal der Envio-Opfer. Die Einen litten menschlich, die Anderen geschäftlich. „Alle werden von dem Giftstrudel nach unten gezogen.“ Der Imageverlust: greifbar. „Kunden fragen uns, ob sie unser Material ungereinigt verwenden können“, so Kahleyß. Der Chef eines Chemiebetriebes, „der mit hohem Aufwand seine Mitarbeiter schützt und seine Umweltleistung ständig verbessert“, hört das nicht gerne. „Wir bleiben sauber. Unsere Mitarbeiter sind auch nach 30 Jahren noch gesund.“ Und zum Hafen: Eine starke Einheit segle nachhaltig auf der Erfolgswelle.
17:17
Lobenswert
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Wenn der DGW-Chef mit seinen Worten auch verantwortungsvolle Taten auslöst, soll es dem Bürger nur Recht sein.
Allerdings hat auch Envio-Neupert seine Firma in den höchsten Tönen als umwelt-verantwortlich, investierend in den Umweltschutz, fürsorglich für die Mitarbeiter charakterisiert - so schön, dass die Stadt es für preiswürdig hielt.
Auch die verbleibenden Hafenfirmen werden durch Worte allein nicht verhindern, dass das Hafen-Image nur durch handfeste Kontrollen vor Ort wieder gehoben werden kann. Und dies nicht von irgendeiner fernen Behörde im Sauerland, sondern von der Eigentümerin und mit deren lange vorhandenen Möglichkeiten in den Ämtern.