Übergriffe an Silvester auch in Dortmund und Düsseldorf

Nach den Silvester-Übergriffen in Köln: Auch in Dortmund und Düsseldorf wurden Fälle angezeigt.
Nach den Silvester-Übergriffen in Köln: Auch in Dortmund und Düsseldorf wurden Fälle angezeigt.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln an Silvester sind auch ähnliche Fälle in Dortmund und Düsseldorf angezeigt geworden.

Dortmund/Düsseldorf.. Nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in Köln in der Silvesternacht sind jetzt auch Fälle in Dortmund und Düsseldorf bekannt geworden. Eine Dimension wie in Köln hätten sie allerdings nicht annähernd erreicht, beruhigen die zuständigen Polizeisprecher.

Seltsame Stimmung im Dortmunder Hauptbahnhof

In Dortmund passierten die Taten an Hauptbahnhof und Kampstraße. Die Polizei weiß bisher von zwei Fällen. Sie geht von weiteren Opfern aus und bittet um Anzeigen. Betroffen sind vier Frauen, die jeweils zu zweit unterwegs waren. Das Vorgehen der Täter ähnelt den Vorfällen in Köln, wo es inzwischen Ermittlungserfolge gibt.

Übergriffe Gegen 21 Uhr verließen zwei Frauen (25 und 26 Jahre) aus Hamm den Hauptbahnhof. Vor der Katharinentreppe hielten sich laut Polizei etwa 300 Männer auf. Mehrere Männer verließen diese Gruppe – sie umstellten die Frauen, zerrten an den Handtaschen und berührten sie unsittlich. Die Polizei spricht von "plumper Anmache". Sie ermittelt wegen Beleidigung, Nötigung und versuchtem Diebstahl.

Der erste Täter: 17 bis 22 Jahre, 1,75 Meter, normal gebaut, dunkler Teint, gebrochenes Deutsch, kurze dunkle Haare, lückenhaftes Gebiss, dunkle Jacke, weiße Kappe mit Schirm nach hinten. Der zweite Täter: 22 bis 28 Jahre, stabil/dicklich, kurze Haare, braune Augen, unrasiert, beige längere Jacke.

Sexuelle Anspielungen und ungewollte Berührungen

Silvester-Übergriffe Gegen 0.45 Uhr kam es ein paar Meter weiter auf der Kampstraße zu einem weiteren Vorfall. Mehrere Männer verlassen eine Gruppe von etwa 20 Personen und gehen auf zwei Frauen zu. Sie müssen sich sexuelle Anspielungen und Berührungen gefallen lassen. Zeugen greifen ein – die Frauen laufen weg und steigen in ein Taxi. Die Männer waren etwa 1,75 Meter groß und sprachen gebrochenes Englisch.

Beide Fälle wurden erst am 5. Januar angezeigt – vermutlich motiviert durch die Meldungen aus Köln. Sexuelle Belästigungen gehören allerdings bei Ereignissen wie BVB-Meisterfeiern oder Karneval zum "Lagebild", erklärt Dortmunds Polizeisprecher Kim Freigang.

Zeugin schildert eigenartige Stimmung am Hbf

Sophia (22) spricht von einer ungewöhnlichen Atmosphäre am Dortmunder Hauptbahnhof in der Silvesternacht. Die Situation gegen 22 Uhr: "In der Halle standen etwa 150 junge Männer, alle um die 20 Jahre. Das Merkwürdige daran: Niemand sagte etwas, alle waren still." Auch gegenüber an der Katharinenstraße habe eine große Gruppe junger Männer gestanden. Die Situation sei eigenartig gewesen und habe bedrohlich gewirkt.

Die Dortmunder Polizei geht davon aus, dass weitere Innenstadt-Besucherinnen angegangen worden sind, und bittet um Hinweise: 0231/1327441.

Elf Anzeigen – Vorfälle an Silvester auch in Düsseldorf

In der Silvester-Nacht hat es auch in Düsseldorf Übergriffe mehrerer Männer auf Frauen gegeben. Bereits am Neujahrsmorgen seien vier Anzeigen eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. Inzwischen lägen der Behörde elf vor. Gerade im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Ereignisse in Köln hätte sich das eine oder andere Opfer wohl nachträglich entschieden, sich noch bei der Polizei zu melden. Im Umfang und in der Qualität seien die Übergriffe in Düsseldorf aber nicht mit den Vorfällen in Köln zu vergleichen.

Übergriffe Das Muster aber ähnelt den Übergriffen aus der Domstadt, die bundesweit hohe Wellen geschlagen haben. Die Polizei Düsseldorf spricht in diesem Zusammenhang von „Straftaten der Eigentumskriminalität begangen von Gruppen junger Männer zum Nachteil von Frauen“. Die Diebstähle hätten zudem für die Opfer „sexuellen Charakter“ gehabt, die Frauen fühlten sich belästigt oder genötigt.

Polizei geht von mehreren Tätergruppen aus

Viele von ihnen stammten nicht aus Düsseldorf, sie waren in die Landeshauptstadt gereist, um dort den Jahreswechsel zu feiern. Die Taten ereigneten sich vor allem in der Altstadt und am Hauptbahnhof. Die Polizei geht derzeit davon aus, dass es sich um unterschiedliche Tätergruppen gehandelt hat. Die Diebe hatten es vor allem auf Geldbörsen und Handys abgesehen. In mehreren Fällen blieb es nicht beim Versuch, sie machten Beute.

Trickdiebstahl Einige Verdächtige hatte die Polizei in der Neujahrsnacht vorläufig festgenommen. Sie sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. Möglicherweise bleibt es nicht bei den elf Anzeigen. „Es könnte noch die eine oder andere dazukommen“, sagte ein Sprecher, „aber ich glaube nicht, dass es gravierend mehr werden.“