U-Turm als LeuchttUrm für DortmUnd eröffnet

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Dortmund. Vorschlag: Dank des neuen U-Turmes mitten in der Innenstadt sollte die Stadt in DortmUnd umgetauft werden. Leuchtturm, Strahlkraft, Meilenstein lauteten die wichtigsten Vokabeln bei der Teileröffnung, die am Freitag einem Volksfest glich.

U-Bier, karibische Musik und zahlreiche Neugierige: Bei der Teileröffnung des Dortmunder U-Turms herrschte Vorsommerstimmung. Der U-Turm ist schon jetzt ein Magnet. Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben, die Schauspielerinnen Katharina Wackernagel und Caroline Peters sowie Ahmet Misbah Demircan, Bürgermeister von Beyoglu in Istanbul, und hunderte geladener Gäste feierten mit.

Und auch künftig könnte das alte Kellerhochhaus eine Zukunft als Feierstätte haben: Ruhr.2010-Chef Fritz Pleitgen verkündete schmunzelnd, er habe schon jetzt mit seiner Frau besprochen, die goldene Hochzeit im U zu feiern. Ganz ernsthaft erklärte er, er hätte noch vor wenigen Tagen „keinen alten Hut darauf verwettet“, dass die ersten drei Etagen tatsächlich am 28. Mai eröffnen würden. Gerade die rustikale Atmosphäre und die stufenweise Eröffnung gefiel ihm: „Andere machen spießige Eröffnungen, da stimmt schon alles. Wir brauchen das nicht.“

Sierau spricht von Meilenstein und historischem Ereignis

OB Ullrich Sierau lobte das U als „Wahrzeichen für gelungenen Strukturwandel“ – und schenkte Ministerpräsident Rüttgers humorig eine rote U-Krawatte, die dieser bei den Verhandlungen mit Hannelore Kraft als Türöffner tragen könne. Rüttgers selbst erklärte: „Es gibt kein besseres Beispiel, sich selbst neu zu erfinden, als das Dortmunder U“. Er zeigte „Bewunderung“ für die Leistung, aus einem „Kühlschrank“ ein solches Zentrum für Kreativität zu machen. Dies zu fördern – allein das Land NRW gibt 9 Millionen Euro – sei „kein Luxus“: Die Kreativwirtschaft sei einer der großen Wachstumsmotoren des 21. Jahrhunderts.

„Das Dortmunder U wird über das Kulturhauptstadtjahr hinaus als weithin sichtbares Symbol für den erfolgreichen Strukturwandel in Dortmund Strahlkraft entfalten. Die dauerhafte museale Nutzung und die Ansiedlung der Kreativwirtschaft garantieren einen nachhaltigen Entwicklungsschub für die ganze Region“, ist sich Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau sicher.

Bei der ersten Begehung des künftigen Zentrums für Kunst und Kreativität war der Filmkünstler Adolf Winkelmann der eigentliche Star. Gemeinsam mit Rüttgers und Sierau schaltete er seine Video- und Lichtinstallationen auf einer kleinen Bühne am Fuße des U-Turmes scharf. Das Projekt „Die Reise ins U“ des renommierten Dortmunder Regisseurs umfasst drei Stationen. Seine fliegenden Bilder leuchten weithin sichtbar als „U-Turm-Bilderuhr“ in der Dachkrone des U, die „Ruhrpanoramen“ laufen in der Eingangshalle und neun Projektionen über drei Etagen als „Neun Fenster“ in der so genannten Kunstvertikalen. "Mein Ehrgeiz ist es, Bilder zu zeigen, die so faszinierend und gleichzeitig so klischeefrei sind, dass man quasi nebenbei eine Portion Ruhrgebiet tankt", erklärte Winkelmann, der bei der Eröffnungsfeier mehrfach Applaus erhielt.

Winkelmanns spektakuläre Videoshow

Wer also ab Samstag, wenn das Innere des U-Turms für die Allgemeinheit freigegeben wird, die Rolltreppe benutzt, der kann dabei und nebenbei einer Bergmann-Kapelle und ihrem Medley aus "La Paloma" sowie dem "Steigerlied" in Moll zuhören. Im neuen Treppenhaus bespielt Winkelmann eine große, helle Wand über alle Etagen. Hier wird diskutiert, da gezankt, dort Musik gespielt, eine Fremdsprache gelernt. Oder ein Monolog gehalten. Kurzes Kino. "Die Licht- und Film-Inszenierungen von Adolf Winkelmann sind spektakulär", lobte etwa Pleitgen. Wie es dazu kam? Man habe ihn gefragt, ob ihm etwas einfallen würde zur Inszenierung des U. »Na klar«, hat Winkelmann da gesagt. Er sei schließlich direkt neben dem Bau aufgewachsen: »Rheinische Straße 38!«

Ganz oben auf dem Turm und weithin sichtbar werden nun mitten im Dortmunder Stadtzentrum Filmszenen projiziert: Das U wird zum riesigen Aquarium, Taubenschlag oder zur Umlaufbahn des Sechs-Tage-Rennens. Die Medienfassade oben besteht in den offenen Fenstern des Turmaufsatzes aus LED-Jalousien, die auf Entfernung als Bildschirm wirken – insgesamt 600 Quadratmeter, mal als Einzelbilder geschaltet, mal zusammenhängend. Neben eigens produzierten Filmsequenzen – Panoramen oder bewegtes Wasser als weitere Beispiele - lässt Winkelmann in den oberen Etagen eine digitale Uhr erscheinen. .„Wer mit der Bahn Dortmund erreicht, soll das U als unberechenbare, sich ständig wandelnde Sphinx wahrnehmen.“ So geschehen um 21.15 Uhr, als die Bilder per Knopfdruck von einer Bühne aus am Fuße des U-Turms erstmals offiziell flogen.

Auch im Inneren fliegen die Bilder

Auch im Inneren des U ist Winkelmann mit seinen »fliegenden Bildern« präsent. Auf elf großen Bildschirmen im Foyer zeigt er zweierlei Panoramen. Das eine sind bewegte, assoziative und subjektive Filme von Orten, die Winkelmann als typisch für das Ruhrgebiet ansieht: aus einem riesigen Warenlager etwa, aus einer Brauerei, einer Müllsortieranlage, dem Inneren eines Windrades. Das andere sind ruhige, kontemplative Rundumschwenks ohne weitere Dramaturgie. Reines Ruhrgebiet.

Nach sukzessiver Eröffnung weiterer Etagen mündet das Projekt am 8. Oktober 2010 in die Gesamteröffnung des siebenstöckigen U. Das Museum Ostwall und sieben weitere Partner werden die 15.000 Quadratmeter Fläche des Dortmunder U mit ihren Ideen rund um Kunst und Kreativität bespielen. Pleitgen frohlockt: "Das Dortmunder U wird eine kulturelle Kraftzentrale.“