Tür schloss zu früh: Baby blieb auf Bahnsteig zurück

Das ist der Albtraum jeder Mutter: Bei einer Fahrt mit der Straßenbahn der Linie U47 wurde Inger Leenaarts aus Huckarde von ihrem vier Monate alten Baby getrennt. Beim Ausstieg ging die Tür zu, die Mutter war drin, das Kind draußen. Und die Bahn fuhr weiter. Schuld war ein seltener technischer Defekt.

Dortmund.. Aktualisierung 15:57 Uhr:

Ursache war ein Kabelbruch, der die Türsicherung ausgehebelt hat. Es handelt sich um das Kabel, das die Trittstufe reguliert, teilte DSW21-Sprecher Bernd Winkelmann mit. Die Straßenbahn, die routinemäßig erst am Montag in der Werkstatt war, ist aus dem Verkehr gezogen und wird repariert.

Derweil hat auch das Gespräch stattgefunden zwischen DSW21 und Inger Leenaarts. Winkelmann: "Wir haben ein sehr freundliches Gespräch geführt und Frau Leenaarts angeboten, mit einer kleinen Gruppe in unsere Leitstelle zu kommen." Man wolle ihr das Gefühl von Sicherheit zurückgeben und ihr zeigen, "dass der Bahnverkehr sicher ist und Menschen sich darum kümmern."

Ursprungsmeldung 13.35 Uhr:

"Es hat schon beim Einsteigen an der Kampstraße verbrannt gerochen", erzählt Inger Lenaarts, die mit ihrer eigenen Mutter und ihrer Tochter unterwegs war, "doch wir dachten, das liegt an der Hitze." Während der Fahrt am Dienstagnachmittag, die auch durch einen Tunnel führt, sei das Licht zwischendurch mal ausgegangen. Als sie schließlich am Huckarder Busbahnhof aussteigen wollten und Inger Lenaarts auf den jeweiligen Halteknopf drückte, öffneten sich nach ihrer Aussage gleich zwei Türen nicht.

Die junge Mutter versuchte es dann an einer dritten Tür. Dort stiegen mehrere Fahrgäste, darunter eine andere Mutter mit Kinderwagen, vor ihr aus. Als sie ihren Kinderwagen mit Töchterchen Ida nach draußen bugsiert hatte und hinterher wollte, schloss sich die Bahntür. Sie sei noch auf die orangefarbene Sicherheitsstufe getreten und habe in die Lichtschranke gewunken, erzählt die 40-jährige Lehrerin, doch "den Kinderwagen zurückzuziehen ging nicht mehr und rausspringen auch nicht."

Notbremse wohl in der Panik übersehen

Sie ließ daraufhin den Kinderwagen los in dem Glauben, dass sich die Tür wieder öffnet, wenn sie erneut auf den Halteknopf drückt. Dem war aber nicht so. Der Kinderwagen rollte auf den Bahnsteig, und die Bahn setzte ihre Fahrt fort. Inger Leenaarts war wie gelähmt: "Kann sein, dass ich die Notbremse in der Panik übersehen habe", sagt sie im Nachhinein.

Eine Haltestelle später an der Parsevalstraße ist sie ausgestiegen und - entgegen der Warnung ihrer Mutter - über die Gleise zurückgelaufen. Das wird nicht länger als fünf Minuten gedauert haben, doch Inger Leenaarts kam es vor wie eine Ewigkeit.

Glück im Unglück

Die kleine Ida hatte Glück im Unglück. Die andere Mutter, die vor Inger Leenaarts ausgestiegen war, war bei dem Baby geblieben und hatte gewartet. Ida hatte indessen die ganze Aufregung verschlafen. Ein Busfahrer, der den Vorfall beobachtet hatte, hatte ihn derweil der Zentrale gemeldet. Dann sei ja jetzt alles in Ordnung, ließ er Inger Leenaarts wissen - und dass sie sich beim Aussteigen hätte mehr beeilen müssen.

Für Inger Leenaarts dagegen gibt es noch Klärungsbedarf. Und auch für DSW21-Sprecher Bernd Winkelmann gibt es in der Sache noch mehr Fragen als Antworten; denn bei 136 Millionen Fahrten im Jahr funktionierten die Türen reibungslos. Die besagte Bahn befinde sich zurzeit in der Werkstatt. Dort würden die Türschließsysteme untersucht, um herauszufinden, ob tatsächlich ein Türdefekt vorliegt. Außerdem wollen sich die Technik und die Kundenabteilung von DSW21 mit Inger Leenaarts zusammensetzen.