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Kritik an Straßenplanung

TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung

31.05.2010 | 18:11 Uhr
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung

DORTMUND. Prof. Metin Tolan ist Prorektor der TU Dortmund und profilierter Physiker, der auch bundesweit erfolgreich für Dortmund und die TU wirbt. Doch jetzt platzt ihm der Kragen: „So kann man doch nicht mit der TU, mit 3000 Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber der Stadt, umgehen!”

Von einem Tag auf den anderen war die Otto-Hahn-Straße auf dem Campus Nord im Mai komplett gesperrt worden - ohne vorab die Uni-Leitung zu informieren. Der Sperrung und der deutlichen Kritik des Prorektors sei ein lang andauerndes „Verkehrskasperletheater” vorausgegangen, entrüstet sich Tolan: Im Juli 2009 sei durch die Sperrung der Universitätsstraße die Hauptverkehrsachse zwischen Campus Süd und Nord abgebunden worden. Nach seiner Beschwerde sei die Sperrung – werbewirksam bis unmittelbar nach der Kommunalwahl - kurzfristig geöffnet worden. Tolan: „Ein Gipfel der Unverschämtheit”, der an der Otto-Hahn-Straße - einen Tag nach der Mai-Kommunalwahl - durch die Vollsperrung wiederholt worden sei.

Prof. Metin Tolan: Hier bei der Präsentation "So werden wir Weltmeister-Die Physik des Fußballs". Tolan ist Physiker und Projektor der TU Dortmund und wirbt seit Jahren für die TU und für Dortmund. Foto: Knut Vahlensieck.

Acht Wochen Vollsperrung hatte das Tiefbauamt für die Otto-Hahn-Straße an der Einmündung in den Vogelpothsweg angekündigt. Eine „Hauptschlagader” der Universität sei gesperrt, ärgert sich TU-Prorektor Prof. Metin Tolan. „Wir konnten die Zeit der Sperrung jetzt mit dem beteiligten Tiefbauunternehmen auf nur vier Wochen reduzieren”, versucht Sylvia Uehlendahl vom Tiefbauamt gegenüber der WAZ die Wogen zu glätten. Es tue ihr leid, dass die TU-Leitung nicht vorab schriftlich über die Vollsperrung informiert worden sei.

Unabhängig von dieser aktuellen Entwicklung hält nicht nur Metin Tolan - „da soll ein Problem für 5,5 Mio Euro gelöst werden, das es gar nicht gibt” - die Verkehrsplanung an der Uni für „völlig verfahren”. Das Verkehrsproblem an der Uni sei erst durch die Abbindung der Universitätsstraße entstanden und werde jetzt durch einen Straßenneubau gelöst, der erst ein Problem schaffe und den keiner wolle. Prof. Uwe Clausen, Verkehrslogistiker und Geschäftsführer des bundesweit führenden Fraunhofer Logistik-Instituts IML: „Es ist kein Meisterwerk einer abgestimmten Verkehrs- und Siedlungsplanung.” Und: „Die „Kommunikation mit den städtischen Stellen läuft mit Sicherheit nicht optimal.”

Von der Stockumer Straße in Richtung Campus Nord wird die Straße Am Gardenkamp ausgebaut. Foto: Udo Kreikenbohm/WAZ FotoPool

Tolan: „Das Nadelöhr, um zur Uni zu gelangen, lag im Norden und ist durch die Anbindung an die B1 beseitigt worden.” Nun werde für 5,5 Mio Euro die Verbindung von der Stockumer Straße über die Straße Am Gardenkamp bis zur Uni „ertüchtigt”. Dort wo die Straße Am Gardenkamp auf die Baroper Straße stößt soll eine neue Trasse bis zur Ecke Otto-Hahn-Straße/Vogelpothsweg führen. Bis September soll die neue Verkehrsführung stehen - ohne Anbindung der Universitätsstraße.

So hatte es die einst rot-grüne Ratsmehrheit beschlossen. Und so wird gebaut. Vorerst. Denn nun soll die Anbindung doch noch erfolgen: Eine rot-schwarze Ratsmehrheit fasste vorige Woche den Beschluss. Wer nun glaubt, der Anschluss an die Universitätsstraße erfolge mit den laufenden Arbeiten, der ist auf dem Holzweg.

Die Anbindung der Verbindungsstraße zwischen Campus Nord und Süd an die Universitätsstraße (über Kreisverkehr oder Kreuzung) ist schon immer „einfach sinnvoll”, so Clausen, da Verkehr nach Witten und zur A 45 abfließen und so aus den Wohngebieten ferngehalten werden könne.

„Notwendige Planungsschritte für die Anbindung der Universitätsstraße werden mit Sicherheit mehr als ein Jahr benötigen”, erklärt Udo Bullerdick, Pressesprecher der Stadt, auf WAZ-Anfrage. Es müsste nicht nur ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden. Es müssten viele Fragen beantwortet werden. Auch sei eine neue Verkehrszählung notwendig. Zur Marterstrecke könnte die neue - noch nicht einmal 100 Meter lange Anbindung an die Universitätsstraße - durch Finanzierungsfragen werden: Woher das Geld für die nun wieder zurückgedrehte Verkehrsplanung kommen soll, weiß noch niemand.

Ausgebremst werden die Pendler zwischen Campus Nord und Süd der TU übrigens demnächst auch an der Baroper Straße (ab Einmündung Ostenbergstraße), die noch von Nord nach Süd als Einbahnstraße genutzt werden kann. Da die DEW, so das Tiefbauamt, neue Leitungen verlegen müsse, werde man den Abschnitt sperren müssen. Anlieger des Stücks Baroper Straße sollen während der Arbeiten über die dann bereits vorhandene neue Trasse Am Gardenkamp abrollen können.

Klaus BUSKE

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Kommentare
30.06.2010
11:55
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von Planer0815 | #14

zum Thema Berichterstattung: nur einmal am Rande: wie kann eine Straße die in Ost- Westrichtung (Universitätsstraße) verläuft die Hauptverkehrsachse zwischen Campus Nord und Süd sein? Kaum jemand hat in der Vergangenheit die Universitätsstraße als verbindendes Element zwischen den Campi genutzt, maximal im Bereich Meitnerweg, welcher aber nicht von der Sperrung betroffen ist.

24.06.2010
08:46
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von mag_leute_die_mal_genau_lesen | #13

Für alle gefrusteten und Interessierten ein Hinweis:
Erstens mal genau lesen und dann zum Stadtplan greifen:
-Die Verbindung Stockumer Straße zum Vogelpothsweg über Am Gardenkamp ist nunmal leider erstellt. Sinn oder Unsinn, egal.
-Völlig unverständlich ist, dass diese Verbindungsstrecke nicht an die Universitätsstraße angebunden wird.
=Und das hat der Herr Matlan kritisiert, im Kern nichts anderes.
Schließlich soll hiermit der Ortskern Eichlinghofen vom Durchflussverkehr entlastet werden. Wer jedoch zur A45 möchte muss aber weiterhin durch Eichlinghofen fahren.
-Der damals geplante Ausbau der Universitätsstraße bis zum Krückenweg ist überhaupt nicht mehr zeitgerecht und überflüssig, da der B1-Ausbau nach Fertigstellung für ausreichend Verkehrsabfluss nördlich der Uni sorgen dürfte.

01.06.2010
20:14
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von Peter von Lustig | #12

@11 Das Thema Verkehrserschließung des Uni-Umlandes ist dermaßen politisch verfahren, daß niemand aus der Fachwelt sich hier verkämpfen möchte. Daher kommen die ablehnende Haltung und die Stirnzeichen.

Durch die östliche Anbindung des Uni-Geländes und den Ausbau der B1/A40 hat sich die Situation entspannt und auch wenn die Verkehrsanbindung kein Meisterstück ist, so ist sie gleichfalls keine Katastrophe.

01.06.2010
13:59
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von vaikl | #11

Zumindest hinter vorgehaltener Hand winken die alle ab oder zeigen dezent an die Stirn

Statt sich 20 Jahre lang das Handgelenk zu malträtieren oder Löcher in den Kopp zu tippen, sollten die sog. Fachleute doch mal ihre Vorstellungen auf den Tisch legen.

Was darf es denn sein? 6-spurige Anbindung aus allen vier Himmelsrichtungen direkt vor die Mensa? Parkplätze direkt unterm eigenen Sekretariat? ICE-Bahnhof? Transrapid-Achterbahn auf dem Campus?

Wie wäre es, wenn die Fachleute einfach ihre Kunden, die Studenten, befragen, was an ihrer Uni wirklich fehlt? Südtangente oder Gardenkamp/Baroper Str. taucht da als Antwort garantiert nicht auf.

01.06.2010
13:31
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von Peter von Lustig | #10

Es sei angeraten doch einmal die Fachleute der Raumplanung und der Verkehrslogistik an der TU-Dortmmund zu hören. Zumindest hinter vorgehaltener Hand winken die alle ab oder zeigen dezent an die Stirn, wenn das Thema Uni-Erschließung angesprochen wird. Was das wohl bedeuten soll?

Das eine bessere Erschließung der TU über Fahradwege, die diesen Namen auch verdienen, erfolgen sollte, ist auch unbstritten.

01.06.2010
08:50
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von Hannes Meier | #9

wie wäre es, wenn der Herr Professor mal das Fahrrad nutzen würde, da könnte er die wirkliche Katastrophe erleben und die besteht seit Baubeginn für den Campus-Nord - aber wie immer, die Professoren kennen nur die Windschutzscheibenperspektive.

01.06.2010
02:12
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von vaikl | #8

@ #5
Als die Anbindung an die Baroper Straße noch bestand, ist dort fast niemand gefahren.

Ich oute mich mal als Jemand, der dort manchmal aus Richtung Schönau durch Groß-Barop kommend die kürzeste Strecke zur A45 genommen hat. Das hatte überhaupt nix mit Uni-Verkehr zu tun, aber genau das war und ist das eigentliche Ziel der CDU - einen Autobahnzubringer vom Krückenweg/stadtauswärts zur 45 zu erzwingen.
Mit dem dreispurigen B1-Ausbau ab Schnettkerbrücke bis zum Kreuz West und der AS Barop gibt es nun noch nicht mal mehr Bequemlichkeitsgründe für so einen Zubringer, aber manche Profs scheinen immer etwas länger für den Groschen zu brauchen.

31.05.2010
22:34
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von vaikl | #7

Noch eine Anmerkung zum Zitat von Tolan: ..da soll ein Problem für 5,5 Mio Euro gelöst werden, das es gar nicht gibt.

Vielleicht braucht der Wissenschaftler Tolan einfach nur einen per Fuß erlebbaren Beweis, dass es die Anwohner in Groß- und Klein-Barop, die seit Jahrzehnten auf die beschlossene Umleitung des Uni-Verkehrs aus ihren Wohngebieten heraus warten, wirklich gibt. Aber ein paar Meter mehr als nur rund um die Gardenkamp-Neubauten sollte er dann schon laufen.

31.05.2010
22:24
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von vaikl | #6

@ #4
Dann haben Sie aber die letzten anderthalb Jahre hier nicht mitgelesen.

31.05.2010
22:23
TU-Prorektor kritisiert Verkehrsplanung
von RüdGer | #5

Spätestens seit der neuen B1-Anschlussstelle Barop ist die Durchbindung der Unitangente nicht mehr notwendig, da der Weg vom Campus in die Stadt über die B1 kürzer und schneller ist als über die Palmweide/Wittekindstraße. Wer eine solche Durchbindung bezahlen sollte, steht auch in den Sternen.

Welchem Verkehrsbedürfnis der Anschluss der Unitangente an den verlängerten Vogelpothsweg dienen soll, kann ich nicht erkennen. Ganz konkrete Frage: wer soll dort woher und wohin fahren?
Als die Anbindung an die Baroper Straße noch bestand, ist dort fast niemand gefahren. Wie vaikl schon schrieb, ist die Uni über den Hauert und den Meitnerweg ausreichend Richtung Südosten angebunden. Staus habe ich in diesen Straßen noch nie erlebt. Prof. Tolans Meinung in allen Ehren, aber ich kann seiner Argumentation letztendlich nicht folgen.

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