Travestie-Tänzerin biss Gast in Dortmund ins Bein

Eine Travestie-Tänzerin in Dortmund ist aggressiv geworden.
Eine Travestie-Tänzerin in Dortmund ist aggressiv geworden.
Foto: Getty Images/iStockphoto Getty
Was wir bereits wissen
Wegen Körperverletzung muss sich eine Travestie-Tänzerin vor Gericht verantworten. Laut Anklage hat sie in der Bar „Rote Marlene“ zwei Herren gebissen: Einen ins Bein, den anderen in den Finger. Die Dame indes will sich nur gewehrt haben, so ihre Aussage im Amtsgericht

Dortmund.. Hoch her ging es im Morgengrauen des 7. Dezember 2007 in der Bar „Rote Marlene“ an der Humboldtstraße. Nach einem lautstarken Streit mit einer Travestie-Tänzerin verließ der Chef des heute nicht mehr existierenden Etablissements angeblich „heulend den Laden“, wie ein Gast sich gestern vor Gericht erinnerte. Und der Gast selbst? Der wollte damals für Ruhe und Ordnung sorgen – und wurde von der Dame heftigst ins Bein gebissen.

So jedenfalls sieht es die Staatsanwaltschaft, die der resoluten 37-Jährigen auch noch eine zweite Körperverletzung vorwirft: Sie soll einen weiteren Gast am Tresen in den den Finger gebissen haben. Dass der Prozess erst jetzt, also fünf Jahre nach dem Vorfall, verhandelt wird, hat mehrere Gründe.

„Ihr sollt alle krepieren, ich bin HIV-positiv“

Zunächst hatte die Frau sie sich immer wieder einer gerichtlich angeordneten Untersuchung entzogen: Da sie nach Aussage der gebissenen Gäste damals gebrüllt haben soll „Ihr sollt alle krepieren, ich bin HIV-positiv“, befürchtete man Schlimmes – was sich zum Glück nicht bewahrheitete. Als die Blutproben dann in der Rechtsmedizin landeten, waren sie nicht verwertbar und mussten wiederholt werden. Und zu guter Letzt hatte die inzwischen in einem Berliner Club arbeitende Dame keine Lust, zum Prozess zu kommen...

Gestern jedoch setzte sie sich fast auf die Minute pünktlich auf die Anklagebank. Und legte gleich los: Nie und nimmer sei der böse Satz gefallen, dass sie infiziert sei. „Ich bin doch nicht verrückt. Ich habe damals im Pascha gearbeitet und gut verdient.“ Angestellt in dem bekannten Kölner Bordell, sei ihr Auftritt als Tänzerin in der „Roten Marlene“ nur eine Art Gefälligkeit gewesen.

Das Blut lief dem gebissenen Gast durch die Hose

Ein Freundschaftdienst mit Folgen: Es habe Stress mit Gästen gegeben, so erzählte sie, da habe sie sich eben wehren müssen. „Ein Biss ist die ultima ratio der Verteidigung“, warf ihr Kölner Anwalt ein. Von den beiden gebissenen Herren erschien gestern nur einer als Zeuge, der andere musste morgens überraschend ins Krankenhaus. „Es wurde laut an der Theke, ich bin dazwischen gegangen und habe nur gesagt, sie soll mal herunterdrehen“, erinnerte sich der Mann. Kurz darauf sei ihm am Oberschenkel das Blut durch die Hose gelaufen.

„Das waren die schlimmsten drei Monate meines Lebens“

„Ich bin sofort in die Klinik, habe mich testen lassen.“ Quälende drei Monate lang musste er warten, bis das erlösende Ergebnis kam: „Das waren die schlimmsten Monate meines Lebens.“ Zur Vorsicht hatte er sich sogar einer Prophylaxe-Therapie unterzogen. Ende August will Amtsrichter Michael Tebbe weitere Zeugen hören.