Tote Fische für die Podiumsgäste
15.12.2010 | 21:39 Uhr 2010-12-15T21:39:00+0100
Dortmund.Eine Flut von Informationen brach Mittwochabend über die Besucher der Bürgerversammlung zum Envio-Giftskandal herein. Doch bei einigen entscheidenden Fragen mussten die Experten passen: Der Grund für die vergifteten Fische im Hafen, die Folgen von krebserregendem PCB für ungeborenes Leben – derlei blieb im Dunkeln.
Lag’s an der Kälte, am Weihnachtsmarkt, an Borussia? Jedenfalls waren nur 60 Stühle im Depot besetzt. Wenig Resonanz für 3700 Euro Saalmiete und 2000 Euro Moderationskosten, die sich Stadt und Bezirksregierung teilen. Alle drei PCB-geschädigten Kleingartenanlagen hätten davon rauschende Weihnachtsfeste feiern können.
Frisch auf den Tisch
Und – ho-ho-ho – der Weihnachtsmann kam auch gleich zu Beginn auf die Bühne, geschickt von der Bürgerinitiative zur PCB-Verseuchung. Er verteilte symbolische „Beruhigungspillen“ in Form von Haselnüssen an die Besucher. Aktivistin Irina Vellay überreichte den Offiziellen auf dem Podium tote Fische – „frisch aus dem Hafen auf den Tisch“. Die Beschenkten: peinlich berührt.
Dr. Thomas Delschen vom Landesumweltamt quälte sich mit einer Einordnung der mit Dioxin, Furan und PCB vergifteten Fische. Die Werte seien „nicht exorbitant höher“ als in industriellen Gewässern, die Fische aber auch „nicht überall so belastet wie im Dortmunder Hafen“, sagte er. „Dummerweise“ gebe es keine Vergleichswerte aus anderen Häfen. Ein Zusammenhang mit Envio sei „nicht eindeutig belegt“, so Delschen.„Ab wann mit Schäden fürs ungeborene Kind zu rechnen ist, weiß ich nicht“, gestand Dr. Wolfgang Zschiesche von der Berufsgenossenschaft.
Ruf nach Vergleichsgruppe
Nur soviel: Die Ultra-Gifte „gehen durch die Plazenta, das ist unstrittig“. Gesundheitsamtsleiterin Dr. Annette Düsterhaus berichtete von „Entwicklungsverzögerungen, motorisch wie geistig“. Von ihr wie von Anwohnern gefordert: eine Vergleichsgruppe zur Bewertung der PCB-Belastungen bei Vergifteten. „Man sollte nicht am falschen Ende sparen“, mahnte ein Gast.
12:34
zu 5
nicht Löttringhausen; nein leider sondern
LÜCKLEMBERG und KIRCHHÖRDE sind die
empfohlenen Wohnviertel, WO gemäß Autor
Die Welt noch in Ordnung ist
wer also von Umweltgiften verschont werden will, der sollte sich dort ansiedeln. Außerdem fallen dort selbst im Krieg keine Bomben!
Weil dort die Promies wohnen.
Ist doch gut zu wissen, oder??!?!?!
12:12
Also wie man gestern lesen konnte, kann man in Lötringhausen und in Kirchhörde noch angenehm wohnen. Zu messen ist dies an den Swimmingpools in verschiedenen Gärten und an den etwas komfortableren Fahrzeugen vor den entsprechenden Haustüren.
10:45
Auch bei 3000 Bürgern, wären diese wichtigen Fragen offen geblieben! Bei der PCB Belastung hat die Bezirksregierung als Genehmigungsbehörde überall versagt! Wann werden Konsequenzen gezogen? Wo bleibt die Strafberfolgung? Wie geht es weiter?
09:46
Schön, dass im Artikel kritisch das Verhältnis von Kosten zur Zahl der erschienen Anwohner betrachtet. Ich kann mir aber auch sehr gut den Verriss vorstellen, wenn die Behörden zur Kostenersparnis auf den Termin verzichtet hätten.
15:54
Eine mögliche Vergleichsgruppe wären evt. Kokereiarbeiter. Diese haben Jahrzehnte lang Gefahrstoffexpositionen im täglichen Arbeitsleben in irgendeiner Form exponiert.
12:07
Kann es sein, dass viele Anwohner nach den peinlichen Stammeleien und Beschwichtigungsversuchen auf dem Podium der vorherigen Veranstaltungen keinen Bock mehr auf städtische Einladungen haben?
Irgendwie schwant dem Bürger nach den aktuellen Berichten über PCB- und Dioxin-Funde in Hafenfischen, an der Uni, bei Remondis oder in Unna, dass es sich längst nicht mehr um einen isolierten, kriminell ausgelösten Einzelfall Envio handelt.