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Tödlicher Messerstich in Dortmund geschah nicht im Affekt

19.10.2012 | 16:13 Uhr
Tödlicher Messerstich in Dortmund geschah nicht im Affekt
Im Fall des tödlichen Messerstichs in Dortmund sieht der Gutachter keine verminderte Steuerungsfähigkeit.Foto: Franz Luthe

Dortmund   Keine Anzeichen von verminderter Steuerungsfähigkeit - das ist das Urteil des Gutachters im Fall um den tödlichen Messerstich in der Straße Lütgenholz in Dortmund vom 5. April. Zusätzlich kam es nach der Zeugenvernehmung zu einer verwirrenden Situation an der Besucherschleuse.

Im Prozess um den tödlichen Messerstich am frühen Morgen des 5. April 2012 in der Straße Lütgenholz hatte am 19. Oktober der psychiatrische Gutachter das Wort. Dr. Bernd Roggenwallner sieht bei dem Angeklagten (21) keine Anzeichen von verminderter Steuerungsfähigkeit.

Der Stich in den Hals des 18-jährigen Opfers – damals stießen in der Nordstadt zwei Gruppen aufeinander – sei nicht im Affekt geschehen , erklärte der Arzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Unter anderem deshalb nicht, weil keine Erschütterung vorgelegen habe.

„Der Angeklagte verlässt den Tatort und wirft vorher schnell das Messer weg“, erörterte der Gutachter. Dies sei eine logische, folgerichtige Verhaltensweise. Auch sei die Situation vorher absehbar gewesen: „Man wollte etwas klären und rüstete sich in der Wohnung mit Messern aus.“

Clique rüstete sich oben in der Wohnung mit Messern aus

In jener Nacht, so hatten zahlreiche Zeugen bereits ausgesagt, habe die Clique des späteren Opfers angeblich auf der Straße Lütgenholz die Gruppe des Angeklagten beleidigt. Vor allem die beiden Mädchen hätten sich „dumme Standardsprüche“, so einer der Zeugen, anhören müssen.

Das habe man nicht auf sich sitzen lassen wollen, man ging nach oben in die Wohnung des Vaters des Angeklagten und nahm Messer mit. Unten vor der Wohnung kam es dann zu einer Prügelei zwischen allen Männern aus den beiden Gruppen, die für den 18-Jährigen tödlich endete .

Bemerkungen nach der Verhandlung sorgten für Irritationen

Damals galten zunächst alle vier Männer aus der Clique des Angeklagten als Beschuldigte. Sie alle traten am letzten Prozesstag in den Zeugenstand, danach kam es vor dem Landgericht bzw in der Besucherschleuse zu einer Situation, die vorübergehend für Irritationen sorgte.

Angehörige und Freunde des Opfers wollen gehört haben, dass einer aus der Clique in ihre Richtung tönte: „Santi (Anm.: Spitzname des Angeklagten) ist unschuldig. Ich weiß, wer es war, sage es aber nicht.“ Daraufhin hörte das Gericht sowohl die fünf jungen Leute, die derartige Sätze gehört haben wollen, als auch denjenigen, der sie gesagt haben soll. Und der ruderte auf dem Zeugenstuhl mächtig zurück: „Ich habe wohl gesagt, dass ich ihm das nicht zutraue. Aber nicht, dass ich weiß, wer es war.“

Angeblich in Todesangst zum Messer gegriffen

Verteidiger Dieter Kaufmann verlas im Anschluss stellvertretend für seinen bisher unbescholtenen Mandanten eine ergänzende Erklärung zu früheren Aussagen: „In meiner Todesangst habe ich zum Messer gegriffen, um weitere Angriffe abzuwehren. Ich wollte ihn weder verletzen noch töten.“ Ein Kumpel des Angeklagten, so erklärte eine Polizistin im Zeugenstand, habe bei seiner Vernehmung gesagt: „Santi sagte damals, lass uns abhauen. Ich habe einen abgestochen.“ Der Prozess geht weiter.

Kathrin Melliwa



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