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Nach Routine-OP

Tod des Ex-Karnevalsprinzen wirft Fragen auf

11.02.2016 | 03:55 Uhr
Das Johannes-Hospital in der Innenstadt. Hier verstarb Michael Mieleszko nach einer Routine-Operation. Jetzt erheben die Witwe und ihr Anwalt schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus.
Das Johannes-Hospital in der Innenstadt. Hier verstarb Michael Mieleszko nach einer Routine-Operation. Jetzt erheben die Witwe und ihr Anwalt schwere Vorwürfe gegen das Krankenhaus.Foto: Menne (A)

Dortmund.  Der ehemalige Karnevalsprinz Michael Mieleszko ist nach einer Mandel-Operation gestorben. Doch die Umstände werfen Fragen auf. Gutachter streiten sich darüber, wie die Routine-OP zum Tod führen konnte. Die Witwe und ihr Anwalt erheben schwere Vorwürfe.

Christian I., amtierender Karnevalsprinz, trägt, wenn er karnevalistisch unterwegs ist, ein prunkvolles Gewand. Knöpfe hier, Orden da, alles glänzt und funkelt. Abgesehen von einem ungewöhnlichen Ansteckbutton, den er auf der linken Brust trägt. Darauf ist ein Foto von Michael Mieleszko. Mieleszko, Vorgänger von Christian I., ist immer dabei. Mieleszko ist tot, gestorben im Alter von 48 Jahren an den Nachwirkungen einer Mandel-OP. Wie es genau zu seinem Tod kam, ob es Pfusch oder Schicksal war, darüber streiten jetzt die Gutachter - und die Anwälte vor Gericht.

Barbara Mieleszko sitzt in ihrer Wohnung, neben dem Tisch an der Wand ein gemaltes Portrait ihres verstorbenen Ehemannes. Im Juni 2014 saß der noch hier an diesem Tisch. Eigentlich kerngesund, nur die Mandeln, die vereiterten immer mal wieder. Sie sollten raus, das hatte der HNO-Arzt schon im Mai festgestellt. Am 13. Juni war es soweit: Ein operativer Eingriff im St.-Johannes-Hospital erfolgte, fünf Tage später war Michael Mieleszko wieder daheim. Ein "unauffälliger Heilungsverlauf", reine Routine.

Zwei Tage später, Barbara und Michael Mieleszko, waren gerade unterwegs, sagte er zu ihr: "Ich blute." Barbara Mieleszko fuhr mit ihrem Mann erneut ins Hospital, hier sollte er nun zwei Tage unter Beobachtung bleiben und Antibiotika bekommen. Nachblutungen nach Mandel-Operationen sind nicht ungewöhnlich, immer noch alles Routine. Barbara Mieleszko fuhr nach Hause, holte Sachen, brachte sie ins Krankenhaus. Er lag, sagt sie, fit auf dem Bett, der Tropf tropfte, sie verabschiedeten sich. Er schrieb später noch zwei Whats-App-Nachrichten. Es sollten die letzten Kontakte zwischen den Eheleuten sein.

Ein paar Stunden später, nach einem erneuten Eingriff, war Mieleszko nicht mehr ansprechbar. Sollte es nie mehr werden und war am 2. Juli tot. Barbara Mieleszko hätte den Tod vielleicht als Schicksalsschlag hingenommen. Doch sie sagt heute, dass damals, als ihr Mann wegen Sauerstoffmangels im Koma lag, sie in der Klinik den ernst gemeinten Rat bekommen hätte, sich einen Anwalt zu nehmen. Es sei in dieser Nacht etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen.

Es gibt ein Protokoll aus jener Nacht, Fakt ist demnach offenbar, dass Michael Mieleszko eine "pflaumengroße Koagel" (geronnenes Blut) im hinteren Rachenbereich und eine erneute Nachblutung hatte und deshalb ein Faden nachgezogen werden sollte. Laut Johannes-Hospital kam es dabei "trotz sofortiger und umfangreicher Bemühungen zahlreicher Fachärzte und sofortiger operativer Versorgung schicksalhaft zu einer Sauerstoff-Unterversorgung, aufgrund derer der Patient letztlich verstarb".

Die Staatsanwaltschaft ermittelte, ein Gutachter wurde beauftragt. Der folgte in seinem Gutachten der Meinung der Klinik, die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren ein, inzwischen ist der Fall zivilrechtlich vor dem Landgericht Dortmund anhängig. "Ich will", sagt Barbara Mieleszko, "dass jemand für diesen Tod gerade steht." Christian Koch ist Fachanwalt für Medizinrecht, er vertritt die Witwe, für ihn ist klar: Das Behandlungsprotokoll aus jener Nacht "ist nicht plausibel und unrichtig, so, wie es da aufgeschrieben steht, kann es nicht geschehen sein." Ein schwerer Vorwurf, den Koch da erhebt. Er wird gestützt von einem weiteren Gutachter, den Koch in diesem Fall konsultiert hat. Dessen Urteil liest sich wie folgt: Das Protokoll aus der Nacht müsse ein Gedächtnisprotokoll sein, sei als solches aber nicht gekennzeichnet. Außerdem sei es unplausibel, so, wie die Behandlungsabläufe dargestellt seien, könnten sie medizinisch überhaupt nicht stattgefunden haben.

Letztlich steht die Frage im Raum, warum es zu einer Sauerstoffunterversorgung kam, durch die Mieleszkos Hirn eine schwere Schädigung davontrug. Als Barbara Mieleszko in jener Nacht gegen 1.45 Uhr ins Krankenhaus kam, habe ihr der Oberarzt gesagt, ihr Mann sei "fünf bis acht Minuten ohne Sauerstoff gewesen, man habe ihn aber zu keiner Zeit reanimieren" müssen. Während der erste Gutachter zu dem Schluss kommt, dass "eine 15-minütige schicksalhafte Sauerstoffmangelversorgung" gegeben habe, spricht der zweite Gutachter von einer Sauerstoffmangelversorgung von 50 Minuten.

Aber wie kommt es zu so unterschiedlichen Betrachtungen? Nach Aussage des privaten Sachverständigen, so Koch, besteht die Möglichkeit, dass sich der erste Gutachter und der Leiter der Anästhesie des Joho von Fachkongressen und Publikationen kennen würden und eventuell sogar Duz-Freunde seien. Wenn dem so wäre und das erste Gutachten falsch sei, wäre das der Beweis, dass "eine Krähe der anderen kein Auge aushackt." Sagt Christian Koch.

Die Klinik sagt, es sei unzutreffend, "dass freundschaftlicher Kontakt zwischen dem derzeit für die Staatsanwaltschaft tätig gewordenem Gutachter und einem der beteiligten Ärzte bestehen." Barbara Mieleszko sitzt am Tisch. An der Wand das Bild von ihrem Mann. Sie sagt, sie will Gerechtigkeit.

Tobias Großekemper

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Tod des Ex-Karnevalsprinzen wirft Fragen auf
Tod des Ex-Karnevalsprinzen wirft Fragen auf
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2016-02-11 03:55
Dortmund