TNT zahlt keinen Mindestlohn
08.07.2009 | 18:48 Uhr 2009-07-08T18:48:00+0200Der Briefdienstleister TNT zahlt nicht den gesetzlichen Mindestlohn von 9,80 Euro je Stunde an seine Briefzusteller. Das wird jetzt in Dortmund, Essen und Bochum „belohnt” durch dicke Aufträge der Zentrale der Agentur für Arbeit in Nürnberg.
Die Agentur für Arbeit „musste” wie ihr Sprecher betont, die Aufträge an TNT vergeben. Tariftreue Firmen, wie die WPS schlagen Alarm. „Das bedroht 600 Arbeitsplätze bei der WPS”, die zur WAZ-Gruppe gehört, sagt deren Geschäftsführer Peter Lange.
Drei Firmen hatten sich um den lukrativen Auftrag von der Agentur für Arbeit bemüht. In Essen und Bochum waren es fünf Wettbewerber. Den Zuschlag erhielt zunächst nicht TNT und forderte eine Nachprüfung - mit dem Ergebnis, dass die Firma dann doch den Zuschlag erhielt.
Dietmar Dalibor, Verdi-Sekretär in Dortmund, kennt das Problem - und rauft sich die Haare: „TNT hat noch nie den Mindestlohn gezahlt. Die ziehen sich zurück auf den Tarifvertrag, den sie mit der Christlichen Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation abgeschlossen haben. Um diesen Tarifvertrag wird schon lange vor Gerichten gerungen. Die Christliche Gewerkschaft steht im Ruch, massiv von Arbeitgeberseite bei der Gründung beeinflusst bzw. gefördert worden zu sein. Der Rechtsstreit könne „noch zwei Jahre oder länger dauern,” ärgert sich Dalibor.
Der jetzige Fall mit der Agentur für Arbeit sei kein Einzelfall. Auch die Organisationen, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, gegen „Armut trotz Arbeit” anzutreten, vergäben Aufträge an den billigsten Bieter. Jüngst vergaben die Vereinigten Kirchenkreise (VKK) und das Diakonische Werk in Dortmund ebenfalls Aufträge an TNT, die 7,90 Euro/Stunde an Mitarbeiter zahlt.
„Nachträglich gezwungen durch die Vergabekommission” sei man zur Auftragsvergabe an TNT worden, so die Agentur für Arbeit in Nürnberg, die Postdienste zentral für alle Agenturen im Land beauftragt. Nachdem sich TNT gegen den Zuschlag für Wettbewerber beschwerte, haben jetzt wiederum diese eine Nachprüfung der neueren Vergabe an TNT beantragt.
Die Post für die etwa 10 000 Kunden der Dortmunder Agentur für Arbeit wird schon seit Jahren zentral in Nürnberg erledigt. Nur noch sehr selten wird ein Brief in Dortmund eingetütet. Der Schriftverkehr mit den Kunden wird per PC nach Nürnberg transferiert, dort ausgedruckt und auf den Postweg gebracht - für alle Agenturen für Arbeit in Deutschland.
21:52
Also ich bin selber TNT-Zusteller und finde es selber nicht gut, dass wir jetzt auch Post von diversen ARGEn und soweiter zustellen sollen. Klar, Kunden müssen ran, das ist keine Frage.Es sind sowieso schon viele abgesprungen. Aber das ist doch schon echt Ironie:Da wird Post an Wettbewerber vergeben, deren Zusteller Stammkunden bei den ARGEs sind um sich ihr zusätzliches Hartz4 abzuholen ... Ich kenne bei uns einige Zusteller, die das so machen müssen, weil sie nicht auskommen mit dem Geld. Ich gehöre glücklicher Weise nicht zu diesen Leuten, kann mir aber trotzdem nicht viel leisten. Auf ein Auto oder grosszügige Anschaffungen muss ich verzichten. Für eine Woche Urlaub (350 €) musste ich mein Sparkonto plündern, dass ich in mehreren Jahren angespart hatte. Es ist nunmal leider so, dass man mit dem verdienten nicht richtig auskommt. Und da finde ich es doch sehr schade, dass wir gerade solche Kunden bekommen. Aber es sind ja nicht nur die Argen, auch die CDU verschickt Ihre Post teilweise über TNT. Günstiger Anbieter in allen Ehren., aber da wird dann natürlich auch am Geld des Mitarbeiters gespart. So ist das leider :(
22:57
Ich finde es ziemlich bedenklich, wie hier Kommentare (nicht nur meiner), die als Versuch der Ausgewogenheit auch mal die Position der WAZ-Tochter WPS und die eigentlichen politischen Fehler der Mindestlohndebatte beleuchten, aufgrund der Nutzungsbedingungen (gegen die ich keinen Verstoß erkennen kann) oder gleich ganz spurlos gelöscht werden.
Wenn eine Kontroverse über div. Anbieter (u.A. eben auch eine Tochter des WAZ-Konzerns) neben der Meinung des Autors hier nicht gewünscht ist, verstehe ich nicht, warum er als stinknormaler *redaktioneller* Beitrag veröffentlicht wurde und nicht z.B. den Vermerk In eigener Sache trägt. Oder soll dem Leser auf diese Art vermittelt werden, dass unabhängiger Journalismus nur noch eine Sage aus längst vergangenen Zeiten ist?
22:22
Ohne TNT müßten wir von Hartz IV leben
17:48
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15:56
Verdi, soso, das ist doch jene Organisation, deren Vorsitzender auf Kosten der Lufthansa und mit Ehefrau, auch auf Kosten der Lufthansa in den Südseeurlaub geflogen ist, gelle? Und wer soll laut Verdi von Arbeitgebern gegründet worden sein?
15:40
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08:47
DIese christlichen Gewerkschaften tummeln sich mit Ihren unchristlichen Arbeitsweisen doch auch im Zeitarbeitergeschäft. Dort wurde m.E. nach bereits der christliche Tarifvertrag gerichtlich gekippt. Solch Arbeitgebergewerkschaften gehören abgeschafft. Ist doch eine reine verhoneopipelung.
01:17
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19:39
Ich hatte heute Post von der Klinikum Dortmund gGmbH in der Hand. Ich meine, die war von TNT frankiert.
Ist das Klinikum nicht der Arbeitgeber, dessen Betriebsrat den Laden eher vor die Wand fahren lassen würde, als dringend notwendige Lohnanpassungen zumindest als Verhandlungsmasse mitzubringen, um den Laden wieder flott zu kriegen?
Diese linke Scheinheiligkeit ist einfach zum Kotzen.
17:48
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