Thees Uhlmann: „Ich könnte sofort ins Ruhrgebiet ziehen!“

Thees Uhlmann kommt in die Dortmunder Westfalenhalle.
Thees Uhlmann kommt in die Dortmunder Westfalenhalle.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Am 25. Oktober kommt Thees Uhlmann zum Visions-Jubiläums-Festival in die Dortmunder Westfalenhalle. Im Interview spricht der Hamburger über seine Verbindung zum Ruhrgebiet, seinen Song "Weiße Knöchel" und über die Bedeutung von D&W.

Dortmund.. Vom einheimischen Indie-Darling hat Thees Uhlmann sich als Solokünstler zum Bruce Springsteen der deutschsprachigen Kneipen-Popmusik mit Gefühl gewandelt. Der ehemalige Tomte-Sänger sprach mit VISIONS-Redakteur Matthias Möde über seine Kindheitserinnerungen an das Ruhrgebiet, sein erstes großes Konzert mit Marcus Wiebusch und seinen Ruhrgebietssong "Weiße Knöchel". Am 25. Oktober bringt er seine beiden bisher veröffentlichten Soloalben mit seiner eingespielten Backingband auf die Bühne.

Thees, was verbindest du mit dem Ruhrgebiet?

Uhlmann: Immer, wenn wir in den Süden in den Urlaub gefahren sind, dann ist mein Vater absichtlich eine Schleife durch das Ruhrgebiet gefahren. Das war die Zeit, in der Irmscher-Tuning groß war und die Leute Kenwood-Aufkleber auf der Heckscheibe hatten, obwohl sie gar kein Autoradio von Kenwood hatten. Westdeutschland vor Mauer-Öffnung. Mein Bruder und ich saßen hinten, haben Comics gelesen und dann kam immer die Ansage: ‚Comics weg, rausgucken! Guck da raus!‘ Mein Vater ist ja Geograph (Lehrer), der ist halt auf die brachliegende und zum Teil noch funktionierende Industrie abgefahren. Wichtig waren auch Kreator und der Thrash Metal aus Altenessen. Meine musikalischen Vorbilder, die ich mit 15 hatte, kommen hier her.

Kannst du dir vorstellen irgendwann ins Ruhrgebiet zu ziehen?

Uhlmann: Ich würde auf jeden Fall ins Ruhrgebiet ziehen, das kann man so sagen. Aber es geht halt einfach nicht. Von der Emotion könnte ich aber sofort hinziehen, mir würde auch nichts fehlen mit Konzerten oder so. Das Ruhrgebiet ist mir sehr nah.

Visions-Festival Ist der D&W Tuning Megastore in der Höhe von Bochum für dich ein Sinnbild für das Ruhrgebiet?

Uhlmann: D&W ist für mich einfach ein kulturelles Symbol, das gerade zerbröckelt. Das steht für mich auch für das Ruhrgebiet. Für eine Region, in der Innenstädte zerfallen, die aber auch auf dem Sprung ist – auch wenn man nicht weiß, wohin. Im Ruhrgebiet ist eine vielleicht aus der Sorge um die Zukunft geborene Freundlichkeit zu spüren. Ich mag die freundliche und erdige Grundausstrahlung. Wenn du hier nach einem Konzert abhängst, kommt immer was dabei rum.

Was hat dich zu dem Ruhrgebietssong "Weiße Knöchel" inspiriert?

Uhlmann: Wir waren zum zweiten Mal in Oberhausen bei ‚Punk im Pott‘, und da haben wir dann gesehen: Links ist alles voll, weil die alle zum CentrO fahren, rechts ist alles frei, weil es da in die alte Innenstadt geht: Leeres Geschäft an leeres Geschäft, Spielhalle an Spielhalle. Ein trauriger Fakt. Die nächsten zehn Jahre werden anstrengend im Ruhrgebiet, dafür steht das Blatt in dem Song "Weiße Knöchel": Das wird nicht untergehen, es wird schwimmen. Das muss schwimmen! Das ist bei mir nach 17 Jahren Emo-Singen vielleicht auch der Wunsch, ein Lied zu singen, wo einfach ein ganz normaler Mensch, der zufällig um 20 Uhr 1LIVE einschaltet, das hört und denkt: Das ist ja wie bei mir!

Am 25. Oktober wird auch Marcus Wiebusch die Bühne der Westfalenhalle 1 betreten. Habt ihr in der Konstellation – also beide solo – schon mal zusammen auf einer Veranstaltung gespielt?

Uhlmann: Ich bin ja Fan und früher mit meinem Kollegen Stemmi zu einem …But-Alive-Konzert nach Berlin getrampt. Von der Raststätte Stilhorn aus – leider standen wir auf der falschen Seite der Autobahn. Das muss man sich mal vorstellen! Mehr Dorftrottel geht ja nun fast nicht. In jedem Fall hat einer angehalten und fragte wo wir hin wollen, und wir meinten „Berlin“.Und er so: „Oh Mann, ihr seid Idioten!“. Danach hat er uns erstmal auf die richtige Seite der Autobahn gefahren.

Mein erstes großes Konzert habe ich dann aber dennoch mit Wiebusch und Rantanplan gespielt. Danach habe ich meinen ersten Plattenvertrag bekommen – von Wiebusch – und meine höchste Gage (700 Mark), ebenfalls von Wiebusch. Und das haben wir dann am gleichen Abend auch in der Erlebnisgaststätte „Zum letzten Pfennig“ verbraten. Okay, ich komme ins Plaudern. Und nein, wir haben noch nie zusammen mit der Wiebusch-Bande gespielt! Das wird ein Spaß, weil das schon etwas Besonderes ist. Marcus und ich sind schon einen langen Weg zusammen gegangen. Und dann noch in der heiligen Westfalenhalle 1 aus der immer Peter Illmanns Treff ( P.I.T.) gesendet wurde – ach, die Älteren mögen sich erinnern.

Infos zum Visions-Festival in der Westfalenhalle

LineUp: Kraftklub, Thees Uhlmann & Band, Royal Republic und Marcus Wiebusch
Wann: Samstag, 25. Oktober 2014
Wo: Dortmund – Westfalenhalle 1
Tickets: an allen bekannten VVK-Stellen sowie bei Eventim(33,- € zzgl. Gebühren)

Timetable:
ab 16.00 Uhr: Doors Open
17.00 - 17.40 Uhr: Marcus Wiebusch
18.10 - 19.05 Uhr: Royal Republic
19.35 - 20.45 Uhr: Thees Uhlmann & Band
21.15 - 23.15 Uhr: Kraftklub